Mittwoch, Februar 18, 2026

Psychotrope Wirkung: der Fliegenpilz – giftige, tödliche Schamanenpflanze 

Der giftige, manchmal tödliche Fliegenpilz wird aufgrund seiner psychotropen Wirkungen seit Jahrtausenden als Rauschmittel zur Bewusstseinsveränderung eingesetzt.

Im Grunde genommen ist der Konsum von Fliegenpilz – Amanita muscaria, der kleinen ­Blume der Götter – zwar giftig, ja kann manchmal sogar tödlich sein. Dennoch kommt es selten zu einer Vergiftung. Allerdings setzen Menschen seit Jahrtausenden den Fliegenpilz für Selbstmord sowie aufgrund seiner psychedelische Wirkung als Rauschmittel ein. In einer publizierten aktuellen Untersuchung wurde hierzu der Fall eines jungen Mann erörtert, der nach Einnahme von rotem Fliegenpilz als Rauschmittel in ein Koma fiel. Die schnelle Identifikation des Giftes, der frühe Einsatz von einer Magenspülung und die symptomatische Behandlung führten jedoch zum Rückgang der Symptome. Schließlich konnte die Entlassung aus dem Krankenhaus bereits am dritten Tag nach dem Rausch erfolgen.

 

Der rote Fliegenpilz führt zu Bewusstseinsveränderung

Der rote Fliegenpilz – Amanita muscaria (L. ex Fr.) P. ex H., Agaricaceae – wird seit Jahrtausenden vor allem von den Menschen Eurasiens zur Bewusstseinsveränderung verwendet. Er ist wahrscheinlich in diesem Gebiet die älteste Schamanenpflanze, die die Menschen bereits zu nutzen wussten. Und zwar bereits als sie noch nach der Eiszeit als Jäger und Sammler umherstreiften.

Im altamerikanischen Fliegenpilz-Kult wurde der Pilz Amanita mexicana wahrscheinlich »nanácatl« genannt. Der Name »Teo-nanácatl« wird als göttlicher Pilz oder Irrsinnpilz übersetzt. Andere Spuren vom rituellen Gebrauch des Fliegenpilzes findet man bei den Vorfahren der Inder und Iraner.

Aktuelle Untersuchungen zeigten übrigens neuroprotektive Effekte eines Extraktes aus Amanita mexicana.



 

Der giftige und tödliche Fliegenpilz als gefährliches Rauschmittel

Der Gebrauch des Fliegenpilzes als Rauschmittel hat sich in Sibirien bis ins 20. Jahrhundert gehalten. Auch in der Sprache dieser Menschen kann man seine Verwendung noch erkennen. So entspricht unserem Wort »betrunken« in einigen Sprachen des Ural einem Begriff, der übersetzt »bepilzt« bedeutet.

Als Hauptwirkstoffe kommen Ibotensäure und ihr Decarboxylierungsprodukt Muscimol vor, daneben Muscazon, Muscarin, 4-Hydroxypyrrolidon-2, Bufotenin, Acetylcholin. In Sibirien werden die Pilze frisch, gekocht oder getrocknet eingenommen.

Die psychotropen Wirkungen der Fliegenpilz-Berauschung können jedenfalls sehr unterschiedlich sein, machnal auch giftig und tödlich. Zu Beginn können unerwünschte körperliche Symptome wie Magenschmerzen oder Erbrechen auftreten, danach Müdigkeit, Schwindel, Unruhe, Erregung, Verwirrung. Nach einer ersten dämpfenden Phase folgt eine rauschartige Hochphase mit Ekstase, Singen, Tanzen, Stampfen oder ununterbrochenem Reden.

Der Konsument glaubt, über große körperliche Kräfte zu verfügen. Größere Mengen führen allerdings zu Halluzinationen, Wahn sowie erschreckenden und verzerrten Bildern. Schließlich können Überdosierungen Schreien, Brüllen, Delirien bis hin zu Aggressivität mit Gewalttaten auslösen. Wobei nach dem Abklingen der Symptome manchmal eine Lähmung sowie auch eine tiefe Bewusstlosigkeit eintritt.




Literatur:

Kondeva-Burdina M, Voynova M, Shkondrov A, Aluani D, Tzankova V, Krasteva I. Effects of Amanita muscaria extract on different in vitro neurotoxicity models at sub-cellular and cellular levels. Food Chem Toxicol. 2019;132:110687. doi:10.1016/j.fct.2019.110687

Stintzing F, Schliemann W. Pigments of fly agaric (Amanita muscaria). Z Naturforsch C J Biosci. 2007;62(11-12):779–785. doi:10.1515/znc-2007-11-1201


Quelle:

Die psychotropen Wirkungen von Amanita muscaria, roter Fliegenpilz. MEDMIX 06/2007

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Pflanzentherapie

Walnuss und Walnussbaum: Inhaltsstoffe und Wirkungen

Die Inhaltsstoffe der Walnuss und des Walnussbaums zeigen vielfältige gesundheitliche Wirkungen, sowohl innerlich als auch äußerlich bei Hautbeschwerden. Die Wirkungen der Inhaltsstoffe der Walnuss und...
- Advertisement -

Related Articles

Johanniskraut, Sonne: Keine Sonnenbrand durch Johanniskrautöl

Zusammenhang von Johanniskraut und Sonne: aktuelle Daten zeigen kein zusätzliches Risiko für einen Sonnenbrand durch äußerliches Anwenden von Johanniskrautöl. Johanniskraut wird seit Jahrhunderten für seine stimmungsaufhellende und psychisch...

Rotes Weinlaub für die Venen zum Vorbeugen von Erkrankungen

Rotes Weinlaub ist gut für die Venen, das wusste man schon in der Antike. Mittlerweile konnte man die Wirkung gegen Venenerkrankungen auch in Studien bestätigen. Jede zweite Frau und jeder...

Thymol und Carvacrol: Geschmack und Geruch prägende Inhaltsstoffe von Thymian

Bei Thymian mit seinen Inhaltsstoffen Thymol und Carvacrolkann es oft zu unzulässigen Beimengungen von Flugsand kommen. Die Lagerzeit sollte auf 18 Monate begrenzt sein. Schon...