Samstag, Juli 6, 2024

CGRP-Antikörper zur Migräneprophylaxe verbessern die Migräne-Therapie

Zur Migräneprophylaxe erhielten in den letzten Jahren die neuen CGRP-Antikörper die Zulassung, was die Therapie der Migräne erheblich verbessert.

Die Ursache der Migräne ist noch nicht bekannt. Eine überzeugende Hypothese ist, dass bestimmte Botenstoffe schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen und damit die Migräne auslösen. Hier setzen CGRP-Antikörper bei Migräne beziehungsweise zur Migräneprophylaxe an. Denn die Substanzen blockieren die Wirkung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin Gene-Related-Peptide), der für Migräneattacken mitverantwortlich ist. Jedenfalls haben die EMA und die US-amerikanische FDA drei neue humanisierte monoklonale CGRP-Antikörper gegen Migräne die Zulassung gegeben. Und zwar sind das  Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab, die auf das Calcitonin-Gen-verwandte Peptid (CGRP) abzielen.



 

In verschiedenen Migräne-Studien konnten jedenfalls Wissenschaftler die hohe Wirksamkeit und Verträglichkeit der neuen CGRP-Antikörper zur Migräneprophylaxe zeigen. Wobei die Substanzen die Anzahl der Migränetage senken konnten, was ein großer Segen für die Betroffenen ist.

 

Migräneprophylaxe: CGRP-Antikörper blockiert Calcitonin Gene-Related-Peptide

Migräne-Patienten haben nicht nur pulsierende Kopfschmerzen. Oft ist ihnen übel, sie sind appetitlos, haben Sehstörungen und sind überempfindlich auf Licht und Geräusche. Von einer chronischen Migräne sprechen Ärzte, wenn ein Patient an 15 und mehr Tagen über migränetypischen Kopfschmerz berichtet. Bei episodischer Migräne leiden Betroffene in unterschiedlich großen zeitlichen Abständen an bis zu 14 Tagen monatlich unter Migräne.

Während Kopfschmerzen das Symptom einer anderen Erkrankung sein können, ist die Migräne eine sogenannte idiopathische Erkrankung, sie ist ein selbständiger Krankheitszustand – das Symptom ist zugleich die Krankheit.

Bei der Analyse der Stoffe, die den Kopfschmerz auslösen, stießen Forscher auf den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related-Peptide), der in der Migräneattacke ausgeschüttet wird. „Der therapeutische Ansatz bestand nun darin, einen Antikörper zu entwickeln, der die Wirkung von CGRP blockiert. Entstanden ist eine ganz neue Medikamentenklasse, die vor allem für die Vorbeugung der Migräne geeignet ist“, betont Förderreuther.

 

CGRP-Antikörper Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab

Drei CGRP-Antikörper zeigten in Studien, dass sie wirksamer sind als Placebo und zu einer signifikanten Abnahme der Migränetage führen. Alle drei Substanzen, die durch eine Spritze unter die Haut verabreicht werden, führten bereits sehr früh in den ersten vier Therapiewochen zu einem signifikanten Therapieeffekt und waren zudem gut verträglich.



Die in den Studien dokumentierten Nebenwirkungen entsprachen in Art, Schwere und Häufigkeit den Nebenwirkungen, die unter Placebo angegeben wurden. Hauptbeschwerde waren Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle.

Da sich die Studiendesigns der untersuchten CGRP-Antikörper Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab sehr unterscheiden, lassen sich ihre Wirkstärken nicht miteinander vergleichen.

 

Der erste zugelassene Antikörper zur Migräneprophylaxe war Erenumab.

Unter der Behandlung mit Erenumab kam es bei Patienten mit episodischer Migräne und durchschnittlich ca. acht Migräne-Tagen pro Monat zu einem Rückgang um ca. drei Tage. In den Studien zeigten ca. 40 Prozent der Patienten eine Besserung der Migräne von mindestens 50 Prozent.

Bei der besonders schwer zu behandelnden chronischen Migräne mit durchschnittlich ca. 18 Migräne-Tagen pro Monat gingen die Kopfschmerztage um sechs bis sieben Tage zurück. Eine mindestens 50-prozentige Besserung war bei ca. 40 Prozent der Patienten zu verzeichnen.

 

Migräneprophylaxe mit dem Antikörper Fremanezumab

Die Behandlung mit Fremanezumab konnte bei der sogenannten hochfrequenten episodischen Migräne mit acht bis 14 Migränetagen pro Monat ein Rückgang um ca. sechs Tage erreichen.

Über 50 Prozent der Patienten zeigten eine Besserung um mindestens 50 Prozent. Bei Patienten mit chronischer Migräne gingen die Kopfschmerztage um vier bis fünf Tage zurück. Eine mindestens 50 prozentige Besserung war bei ca. 40 Prozent der Patienten zu verzeichnen.

 

Galcanezumab

Galcanezumab wurde in den Studien ebenfalls bei der episodischen Migräne eingesetzt. Die Migräne-Tage nahmen ausgehend von ca. neun Migräne-Tagen pro Monat um ca. vier bis knapp fünf Tage ab und es wurde eine Verbesserung der Migräne um mindestens 50 Prozent bei etwa 60 Prozent der Patienten festgestellt.

Bei Patienten mit chronischer Migräne kam es bei durchschnittlich 19 Migräne-Tagen pro Monat zu einer Abnahme um vier bis fünf Tage. Eine mindestens 50-prozentige Besserung trat bei ca. 30 Prozent der Patienten ein.

 

Für welche Migräne-Patienten die Zulassung der CGRP-Antikörper-Therapie am wichtigsten ist

Welche Migräne-Patientengruppe für die Antikörper-Therapie zur Migräneprophylaxe besonders infrage kommt, müssen die Therapeuten mit Sorgfalt entscheiden. In erster Linie sollten diejenigen Patienten mit den neuen Antikörpern behandelt werden, die schwer und häufig von Migräneattacken betroffen sind. Und zwar vor allem dann, wenn bei ihnen die bislang verfügbare Mittel nicht gut gewirkt hatten. Oder ob bestehende Substanzen jeweils nicht gut verträglich waren.




Literatur:

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Silberstein, S. D., Dodick, D. W., Bigal, M. E. et al.: Fremanezumab for the Preventive Treatment of Chronic Migraine. N Engl J Med 2017; 377:2113-2122. DOI: 10.1056/NEJMoa1709038
https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1709038

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