Mittwoch, Februar 21, 2024

Bronchiale Thermoplastie nebst inhalativer Steroide bei Asthma

Die bronchiale Thermoplastie bei Asthma – direkt an der Bronchialmuskulatur – hat kombiniert mit inhalativen Steroiden besonders gute Wirkung.

Als bronchiale Thermoplastie bezeichnet man ein interventionelles Verfahren, mit dem schweres Asthma behandeln werden kann. Seit mehr als einem Jahrzehnt kommt das Verfahren zum Einsatz und fand mittlerweile auch in diverse Therapie-Leitlinien Einzug.

Im Grunde genommen erweitert die bronchiale Thermoplastie das therapeutische Armamentarium beim Asthma bronchiale. Dabei setzt sie als einziges Verfahren ohne Wirkstoffe direkt an der Bronchialmuskulatur als Zielorgan an. Dort bildet sich dann die hypertrophierte Bronchialmuskulatur zurück mit einem positiven langfristigen Effekt gegen die Bronchialkonstriktion.

 

Die Bronchiale Thermoplastie soll die Asthma-Symptomatik verbessern.

Die bronchiale Thermoplastie soll die Asthmasymptomatik klinisch relevant und nachhaltig verbesserung der ab. Dazu formt sie mittels einer exakt dosierten und zielgenau applizierten thermischen Energie die zentralen Atemwege um.

Die bronchiale Thermoplastie bildet die bei den Asthma-Patienten hypertrophierte glatte bronchokonstriktorisch wirkende Muskulatur soweit zurück, dass die Atemwegsobstruktionen schwächer ausgeprägt auftreten. Dazu applizieren spezielle Sonden thermische Energie in Form hochfrequenter elektromagnetischer Wellen – von 300 bis 500 Kilohertz. Dies geschieht mittels eines durch den Arbeitskanal eines flexiblen Bronchoskops Katheters, an dessen Ende vier Elektroden sind, die über einen Handgriff körbchenartig aufgespreizt werden und mit der Bronchuswand in Kontakt gelangen und das Muskelgewebe mit einer Leistung von 18 Watt über einen Zeitraum von 10 sec auf 65°C so erwärmen. Die Behandlung wird dreimal wiederhlt, wobei der Katheter in jeder Sitzung etwa 50- bis 100- mal eine neue Position einnimmt. Erhalten bleibt das Epithel der Bronchialschleimhaut.

 

Wie wirksam und sicher die bronchiale Thermoplastie ist

Die Bronchiale Thermoplastie reduziert bei sehr gutem Sicherheitsprofil die bronchiale Hyperreagibilität im inhalativen Provokationstest mit Metacholin. Die AIR-Studie konnte zeigen, dass mit dem Verfahren behandelte Asthmapatienten durchschnittlich 10 leichtgradige Asthma-Exazerbationen pro Jahr hatten. Weiters wurden 400 Hübe Rescue-Medikation weniger benötigt und die Patienten hattem 86 symptomfreie Tage mehr pro Jahr. Hinzu kamen bessere peak-flow-Werte und eine verbesserte Lebensqualität sowohl im ACQ (Asthma Control Questionnaire) als auch im AQLQ (Asthma Quality of Life Questionnaire).

Die Bronchiale Thermoplastie zeigte kombiniert mit einer hochdosierte ICS-Therapie (inhalative Steroide) besonders gute Ergebnisse. Dadurch verbesserte sich signifikante die Lungenfunktion sowie in Folge die Lebensqualität der Patienten. Möglicherweise vermindert die Therapie auch die Eosinophilenzahl im Blut und beeinflusst die systemische Inflammation bei Asthma positiv.

Dabei verursacht die bronchiale Thermoplastie auch keine negativen Auswirkungen auf weitere medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsmaßnahmen. Deshalb können die Patienten solche auch ohne weitere Evidenz einsetzen. Schließlich sind durch die bronchiale Thermoplastie auch langfristig keine unerwünschten Wirkungen zu erwarten.

 

Mögliche Komplikationen

In Einzelfällen traten Hämoptysen, Atelektasen oder Pleuritis auf. Deswegen sollten spezialisierte Ärzte das Verfahren in Zentren mit Erfahrung durchführen. Die Beschwerdesymptomatik des Patienten darf keine wesentlichen anderen Ursachen haben. Außerdem sollten die Patienten eine konservative Therapie des Asthma angemessen lange zuvor optimal anwenden.

Spezialisten brauchen Routine und Erfahrung bei interventionellen Bronchoskopien, damit sie die bronchiale Thermoplastie exakt einsetzen können. Dennoch kann der mechanische Reiz des Bronchoskops in den Atemwegen auch einen Asthmaanfall auslösen – unmittelbar oder zeitlich etwas versetzt.

 

Fazit

Die bronchiale Thermoplastie, die in den letzten beiden Jahrzehnten entwickelt wurde, stellt die erste endoskopische Methode dar, die zur Behandlung von schwerem Asthma zugelassen ist. Dieses Verfahren behandelt die glatte Muskulatur der Bronchien gezielt mit Radiofrequenzen an den Atemwegswänden.

In randomisierten, kontrollierten Studien zeigte sich bei mit Thermoplastie behandelten Patienten eine signifikante Reduzierung des Gebrauchs von Notfallmedikamenten. Zudem verringerte sich die Anzahl an Notaufnahmebesuchen und der Häufigkeit von Asthmaanfällen.

Aufgrund des Fehlens verlässlicher prädiktiver Marker, die das Ansprechen auf diese kostenintensive, minimal-invasive Technik vorhersagen, bleibt sie momentan eine Behandlungsoption für besonders schwierige Fälle.

Im Grunde genommen kann die bronchiale Thermoplastie jedenfalls für geeignete Patienten eine zusätzlich zur medikamentösen Therapie eigenständig wirksame und deshalb besonders wertvolle Säule in der Behandlung von schwerem Asthma sein.


Quellen:

Héluain V, Guilleminault L, Hermant C, Plat G, Didier A, Guibert N. Place de thermoplastie bronchique dans la prise en charge de l’asthme sévère [Bronchial thermoplasty for severe asthma]. Rev Mal Respir. 2021 Mar;38(3):289-296. French. doi: 10.1016/j.rmr.2021.01.002. Epub 2021 Jan 30. PMID: 33531186.

GINA (Global Initiative for Asthma)-Report: Global Strategy for Asthma Management and Prevention; http://www.ginasthma.org

Chung KF, Wenzel SE, Brozek JL et al. International ERS/ATS guidelines on definition, evaluation and treatment of severe asthma. Eur Respir J  2014; 43: 343–373

Ryan DM,Holmes LJ, McCumesky G, Daly RD, Hince K, Tavernier G, Fowler S, Niven RM. S96 Bronchiale thermoplastie reduces peripheral blood eosinophils in severe asthma demonstrating systemic effects of a localized therapy. Thorax 2014; 69(Suppl 2): A52

Wechsler ME, Laviolette M, Rubin AS, Fiterman J, Lapa e Silva JR, Shah PL, et al. Bronchiale Thermoplastie: Long-term safety and effectiveness in patients with severe persistent asthma. J Allergy Clin Immunol 2013;132(6):1295-302

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