Bei Rückenschmerzen Rheuma zu selten als Ursache erkannt

Die Volkskrankheit Rückenschmerzen hat zahlreiche Ursachen, doch zu selten wird erkannt, dass Rheuma für die Beschwerden verantwortlich sind.

Sehr viele Menschen leiden an der Volkskrankheit Rückenschmerzen. Die meisten Menschen dabei unter einem unspezifischen Schmerz, dem keine genaue Ursache zugeschrieben wird. Bei etwa 25 Prozent der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen werden rheumatische Wirbelsäulenerkrankungen wie Morbus Bechterew vermutet. Bei diesen chronisch-entzündlichen Erkrankungen entzünden sich Knochen und Weichteile der Wirbelsäule. Dadurch entstehen große Schmerzen. Doch lediglich etwa jeder vierte Betroffene bekommt eine korrekte Diagnose. Denn viele Ärzte erkennen bei Rückenschmerzen zu selten Rheuma als Ursache.

 

Warum man bei vielen Patienten mit Rückenschmerzen als Ursache Rheuma nicht vermutet

Als Ursache für Rückenschmerzen erkennen Ärzte entzündliche Rheuma-Erkrankungen oft nicht oder erst zu spät. Bei den zwei häufigsten rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäulen – der rheumatoiden Arthritis (RA) und die axialen Spondyloarthritis (SpA) – entzünden sich die Knochen sowie die anliegenden Sehnen und Bänder der Wirbelsäule. Infolgedessen entstehen chronische Schmerzen im Rücken. Die schwere Verlaufsform der axialen Spondyloarthritis bezeichnet man übrigens in unseren Breiten auch als Morbus Bechterew.

In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit von rund einem Prozent der Bevölkerung ist es besonders wichtig, schnelle und sichere Diagnosen zu stellen. Den nur kann man die Patienten auch frühzeitig und wirksam therapieren. Das ist besonders wichtig, um auch Folgeschäden, Einschränkungen sowie schlimmstenfalls Arbeitsunfähigkeit verhindern. Im Grunde genommen kommt es aber viel zu oft vor, dass Rheuma-Patienten viele Jahre an Rückenschmerzen leiden, bis sie die richtige Diagnose erhalten.

 

Probleme in der Erstversorgung

Den Grund für die häufigen Fehl- und Spätdiagnosen bei Rheuma-Patienten sehen Experten darin, dass die Patienten zunächst Hausärzte und Orthopäden aufsuchen, die dann nach wie vor zu selten bei Rückenschmerzen Rheuma in Erwägung ziehen. Wobei Rückenschmerzen das führende Symptom einer Gruppe entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, der Spondyloarthritiden, ist. Jedenfalls ist es unbedingt notwendig, bereits in der Erstversorgung Patienten unter 45 Jahren, die über 12 Wochen chronische Rückenschmerzen haben, auf Charakteristika einer Rheuma-Erkrankung zu untersuchen.

Beispielsweise sollte man unbedingt an die Möglichkeit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung denken, wenn der Patient aufgrund von Schmerzen regelmäßig in der zweiten Nachthälfte aufwacht. Auch wenn die Beschwerden bei Bewegung zurückgehen, ist das ein guter Hinweis.

Wenn die betroffenen Schmerz-Patienten darüber hinaus bereits andere Vorerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte haben, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass für die Rückenschmerzen Rheuma beziehungsweise Morbus Bechterew die Ursache sind.


Literatur:

Poddubnyy D. Kreuzschmerzen aus rheumatologischer Sicht [Low back pain from a rheumatological point of view]. Dtsch Med Wochenschr. 2022 Apr;147(7):390-395. German. doi: 10.1055/a-1581-5333. Epub 2022 Mar 28. PMID: 35345045.

Taitt HA, Balakrishnan R. Spondyloarthritides. Emerg Med Clin North Am. 2022 Feb;40(1):159-178. doi: 10.1016/j.emc.2021.08.005. Epub 2021 Oct 29. PMID: 34782086.


Quelle: www.dgrh-kongress.de, September 2017

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