Bauchfelldialyse mit neuen Therapieansätzen verbessern

Durch Einsatz neuer Substanzen könnte die Bauchfelldialyse die Wartezeit auf eine Nierentransplantation noch länger und besser überbrücken als bisher.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Nieren ist es, Stoffwechselprodukte aus dem Blut zu filtern. Sind die Nieren dazu nicht mehr in der Lage, muss das Blut künstlich gereinigt und entwässert werden. Dazu wird die Dialyse eingesetzt. Rund zehn Prozent der derzeit etwa 5.000 DialysepatientInnen in Österreich setzt die flexible Methode der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) ein, bei der die Membran des Bauchfells als Filter verwendet wird.

 

Christian Doppler Labor „Molekulare Stressforschung in der Peritonealdialyse“ an der MedUni Wien eröffnet – Förderung durch Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium

Mit der Bauchfelldialyse bleiben sie mobil und unabhängig. Allerdings kann das Bauchfell nach kurzer Zeit „erschöpft“ sein, wenn wichtige körpereigene Schutzmechanismen gegen die Dialyseflüssigkeiten nicht wirksam werden. Um das zu erforschen und neue Therapieansätze zu finden, wurde nun das Christian Doppler Labor „Molekulare Stressforschung in der Peritonealdialyse“ an der MedUni Wien gegründet.  

Leiter des neuen CD-Labors, das vom Bundesministerium für Wissenshaft, Forschung und Wirtschaft gefördert wird und am (heutigen) Freitag eröffnet wurde, ist Klaus Kratochwill von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde – die Peritonealdialyse wird dort vor allem deshalb eingesetzt, um Kindern und Jugendlichen die weitaus anstrengendere Hämodialyse zu ersparen.

 

BMWFW: Wissenschaftliche Erkenntnisse rasch zur Anwendung bringen

„Bessere Dialyseverfahren für die Kompensation von Nierenfunktionsstörungen sind für die Lebensqualität der Betroffenen von enormer Bedeutung“, so  Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsminister Vizekanzler Reinhold Mitterlehner. „In diesem CD-Labor werden wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet, die durch die Kooperation mit Unternehmenspartnern rasch zur Anwendung beim Patienten gebracht werden können. Von den Erfolgen der anwendungsorientierten medizinischen Forschung profitiert letztlich die gesamte Gesellschaft. Die künftigen Erkenntnisse helfen vor allem den Patienten.“

 

Körpereigene Schutzmechanismen ankurbeln

Konkret geht es im neuen CD-Labor an der MedUni Wien darum, künftig einerseits „ganz klar definieren zu können, welcher Patient bzw. welche Patientin für welche Art der Dialyse geeignet ist, im Sinne der personalisierten Medizin. Aber auch zu erforschen, warum die natürlichen, körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Dialyseflüssigkeit nicht angekurbelt werden und das daher Bauchfell geschädigt wird – und wie wir diese Situation verbessern können“, erklärt Kratochwill.

Erfolgversprechende klinische Studien zum Einsatz von neuen Substanzen zur Steigerung dieser Schutzmechanismen, in Kooperation mit dem Unternehmenspartner Zytoprotec GmbH, laufen bereits. Der Zusatz von Glutamin bewirkt, dass der blockierte Selbstschutz, die sogenannte zelluläre Stressantwort, reaktiviert wird und die körpereigenen Zellen sich selbst und andere Zellen besser schützen können. Sollte dieser Effekt nachhaltig erreicht werden, könnte die Bauchfelldialyse die Wartezeit auf eine Nierentransplantation noch länger und besser überbrücken als bisher. Derzeit treten bei mehr als der Hälfte der PatientInnen innerhalb der ersten beiden Jahre Probleme in der Behandlung auf, die durchschnittliche Wartezeit auf eine Niere in Österreich beträgt aber drei Jahre. In vielen europäischen Ländern ist sie sogar deutlich länger.

Über Christian Doppler Labors
In Christian Doppler Labors wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende WissenschafterInnen kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die CD-Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel. Christian Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW).

Weitere Informationen: http://www.meduniwien.ac.at/homepage/content/wissenschaft-forschung/drittmittelfinanzierte-projekte/christian-doppler-labors/

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