Samstag, Februar 28, 2026

Eine Alkoholkrankheit und eine Depression treten häufig gemeinsam auf

Das gemeinsame Auftreten von Alkoholkrankheit und Depression ist sehr häufig: sieben von zehn Patienten leiden an depressiver Stimmung sowie an Angststörungen.

Von Komorbidität bei Alkoholkrankheit spricht man bei einem gleichzeitigen Vorliegen von anderen, meist psychiatrischen Diagnosen wie Angst und Depressionen. Aber auch internistischen Diagnosen kommen oft gemeinsam vor.

Für die Psyche kommt in vielen Fällen die Alkoholkrankheit nicht alleine: zusätzliche psychiatrische Störungen, die zur Sucht geführt haben, aus der Sucht zusätzlich entstehen oder sich zu einem Teufelskreis gegenseitiger Verstärkung auswachsen, machen den Weg aus der Alkoholkrankheit noch steiniger.

Damit ein Patient adäquat behandelt werden kann, müssen komorbide Störungen erkannt und diagnostiziert sowie in ein mehrdimensionales Therapiekonzept eingebaut werden. Dazu hat man unlängst Hausärzte gebeten, das Vorhandensein oder Fehlen von sechs Gesundheitsrisikofaktoren für einzelne Patienten anzugeben. Die Genauigkeit der Identifizierung von einer gemeinsamen Alkoholkrankheit und einer Depression war mit 21 Prozent bei den Allgemeinmedizinern doch gering.



 

Jeder Achte betroffen

Etwa jeder achte Person in der erwachsenen Bevölkerung entwickelt im Laufe des Lebens eine Alkoholkrankheit, davon geht in fast jedem zweiten Fall eine weitere psychische Störung einher. Umgekehrt sind von Personen mit schizophrenen Störungen zu einem Viertel auch alkoholkrank und etwa zu einem Achtel drogenabhängig.

Bis zu ein Viertel der Menschen mit schweren Depressionen sind auch alkoholabhängig, bis zu 15 Prozent sind drogensüchtig. Unter den Patienten mit Alkoholkrankheit finden sich bis zu 70 Prozent auch Personen mit Angststörungen, bis zu 85 Prozent Raucher und bis zu 73 Prozent Menschen, die auch affektive Störungen haben.

 

Alkoholkrankheit und Depression

Die Komorbidität von Alkoholkrankheit und Depression ist sehr häufig. 70 Prozent der Patienten mit einer Alkoholkrankheit leiden auch an Depression oder Angststörungen. Beide Erkrankungen – Alkoholabhängigkeit und Depression bzw. Angststörungen – stellen im Krankheitsverlauf ein signifikantes Risiko für die Weiterentwicklung der Komorbidität dar. Die Krankheiten schaukeln sich gegenseitig zu einen oft chronischen Krankheitsverlauf.

Kritisch in der Betreuung betroffener Patienten wird von Experten aufgezeigt, dass allgemein von Ärzten viel zu selten auf die Symptome der Alkoholkrankheit und Depression angesprochen werden. Wenn eine Alkoholkrankheit (oder auch andere Drogensucht) diagnostiziert wird, wird häufig den ­Symptomen der Depression bzw. Angststörungen, die unerkannt als Komorbidität bestehen, keine Beachtung geschenkt bzw. werden sie nicht erkannt.

Es sind aber nicht nur Depressionen und Angststörungen, die häufig mit einer Suchtkrankheit vergesellschaftet sind, sondern auch psychiatrische Erkrankungen. Wie beispielsweise Zwangsstörungen, schizophrene Psychosen, Hypomanie sowie Manie. Weiter Persönlichkeitsstörungen und somatoforme Störungen bis hin zu Psychotraumen und aus­geprägten psychosozialen Störungen.




Literatur:

McHugh RK, Weiss RD. Alcohol Use Disorder and Depressive Disorders. Alcohol Res. 2019 Jan 1;40(1):arcr.v40.1.01. doi: 10.35946/arcr.v40.1.01. PMID: 31649834; PMCID: PMC6799954.

Hobden B, Bryant J, Sanson-Fisher R, Oldmeadow C, Carey M. Co-occurring depression and alcohol misuse is under-identified in general practice: A cross-sectional study. J Health Psychol. 2018 Jul;23(8):1085-1095. doi: 10.1177/1359105316643855. Epub 2016 Apr 25. PMID: 27114213.

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Fokus Kinder

- Advertisement -

Related Articles

Autismus-Spektrum-Störungen beeinträchtigen das Sozialverhalten

Autismus-Spektrum-Störungen beeinträchtigen das Sozialverhalten und führen zu begrenzten, sich wiederholenden und stereotypen Verhaltensweisen. Unter dem Strich umfassen Autismus-Spektrum-Störungen eine Gruppe von neuronalen Entwicklungsstörungen mit Beeinträchtigungen...

Warum manche Kinder seltener eine Neurodermitis bekommen

Forscher konnten in aktuellen Studien eindrucksvoll nachweisen, dass Kinder seltener Neurodermitis bekommen, wenn im häuslichen Umfeld auch Haustiere wie Katzen leben. Unter dem Strich bekommen...

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter erkennen

Traurigkeit ist häufig ein Anzeichen für Depressionen bei Kindern: Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent im Jugendalter leiden daran,...