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ACC bei Husten: Wie Acetylcystein zähen Schleim löst – und was über Covid-19 bekannt ist

6 Min. Lesezeit

ACC bei Husten: Mann hustet in die Faust, daneben die Strukturformel von Acetylcystein
Der bekannte Hustenlöser Acetylcystein hilft nicht nur bei Husten und Erkältungen, sondern schützt mit seiner antioxidativen Wirkungen auch unsere Zellen.
Inhalt
  1. Wie wirkt ACC bei Husten mit zähem Schleim?
  2. ACC richtig anwenden: Darauf sollten Sie achten
  3. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Acetylcystein
  4. Hilft ACC gegen Covid-19? Das zeigen die Studien
  5. Schutz für die Zellen: Was Acetylcystein sonst noch kann
  6. Wann sollten Sie mit Husten zum Arzt?
  7. Häufig gestellte Fragen (FAQ) – ACC bei Husten
  8. Quellen

ACC bei Husten gehört zu den bekanntesten Hausapotheken-Klassikern: Der Wirkstoff Acetylcystein, kurz ACC oder NAC, soll zähen Bronchialschleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Er ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und wird seit den 1960er-Jahren eingesetzt. Während der Corona-Pandemie kam zudem die Hoffnung auf, ACC könne auch bei Covid-19 helfen. Hier lesen Sie, wie Acetylcystein wirkt, was die Studienlage tatsächlich hergibt, welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen wichtig sind und wann Husten ärztlich abgeklärt gehört.

Wie wirkt ACC bei Husten mit zähem Schleim?

Acetylcystein zählt zu den Mukolytika, also den schleimlösenden Mitteln. Der Wirkstoff spaltet vermutlich die Schwefelbrücken zwischen den langen Eiweißketten im Bronchialschleim. Dadurch wird der Schleim dünnflüssiger und lässt sich leichter abhusten. Angewendet wird ACC laut Packungsbeilage zur Schleimlösung bei Atemwegserkrankungen mit zähem Schleim, also bei produktivem Husten, nicht bei trockenem Reizhusten.

Wichtig zu wissen: Ob schleimlösende Mittel einen gewöhnlichen Erkältungshusten wirklich verkürzen, ist nicht belegt. Die deutsche Leitlinie zu akutem und chronischem Husten (DEGAM, 2021/2022) stellt fest, dass es keine ausreichende Evidenz für Therapieeffekte von Expektorantien bei akutem Husten und Erkältungskrankheiten gibt, und empfiehlt sie dafür nicht. Viele Menschen empfinden ACC dennoch als hilfreich. Entscheidender als jedes Medikament ist bei einer Erkältung meist, ausreichend zu trinken und sich zu schonen.

Anders sieht es bei COPD aus: Laut derselben Leitlinie gibt es Hinweise, dass Mukolytika wie ACC bei COPD die Zahl der akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) und der Krankenstandstage verringern können, insbesondere in den Wintermonaten. Ob eine Dauertherapie sinnvoll ist, klären Betroffene mit ihrer Lungenfachärztin oder ihrem Lungenfacharzt.

ACC richtig anwenden: Darauf sollten Sie achten

Die Dosierung hängt von Darreichungsform, Wirkstoffmenge und Alter ab. Halten Sie sich an die Packungsbeilage oder an die Empfehlung aus Apotheke oder Arztpraxis. Ein paar allgemeine Regeln gelten für alle Präparate:

  • ACC wird meist nach den Mahlzeiten eingenommen, Brausetabletten in einem Glas Wasser aufgelöst.
  • Viel trinken unterstützt die schleimlösende Wirkung, am besten Wasser oder Tee.
  • Bei Kindern unter zwei Jahren dürfen schleimlösende Mittel nicht angewendet werden. Hochdosierte Präparate sind erst für ältere Kinder und Erwachsene gedacht.
  • Fühlen Sie sich nach vier bis fünf Tagen nicht besser oder sogar schlechter, holen Sie ärztlichen Rat ein.
  • In Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache.

Ein leichter Geruch nach Schwefel beim Öffnen der Packung ist übrigens normal und kein Zeichen für ein verdorbenes Präparat, solange das Ablaufdatum nicht überschritten ist.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Acetylcystein

Acetylcystein ist in der Regel gut verträglich. Gelegentlich, also bei bis zu einer von 100 behandelten Personen, treten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Ohrgeräusche, Herzrasen, Fieber, ein Blutdruckabfall oder allergische Hautreaktionen auf. Menschen mit Asthma können selten mit Atemnot durch verengte Bronchien reagieren. Sehr selten kommt es zu schweren Hautreaktionen; bei neuen Veränderungen an Haut oder Schleimhäuten sofort absetzen und ärztlichen Rat einholen. Vorsicht gilt auch bei einem bestehenden oder früheren Magen- oder Darmgeschwür.

Bei den Wechselwirkungen sind drei Punkte wichtig:

  • Nicht mit Hustenstillern kombinieren, außer nach ärztlicher Rücksprache. Der gelöste Schleim kann sonst nicht abgehustet werden und staut sich in den Bronchien. Mehr dazu im Beitrag Hustenstiller und Hustenlöser richtig kombinieren.
  • Antibiotika und ACC zeitversetzt einnehmen, mit mindestens zwei Stunden Abstand.
  • Nitroglycerin (Herzmedikament gegen Angina pectoris): Acetylcystein kann dessen blutdrucksenkende Wirkung verstärken. Hier ist ärztliche Kontrolle nötig.

Hilft ACC gegen Covid-19? Das zeigen die Studien

Weil Acetylcystein im Labor antioxidativ und entzündungshemmend wirkt, wurde es zu Beginn der Pandemie als mögliche Zusatzbehandlung bei Covid-19 diskutiert. Inzwischen liegen Ergebnisse aus randomisierten Studien vor, und die sind ernüchternd. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Heliyon (2024) wertete fünf randomisierte kontrollierte Studien mit 651 Patientinnen und Patienten aus. Ergebnis: Die Gabe von Acetylcystein verbesserte den Krankheitsverlauf bei Covid-19 nicht. Es gab keinen signifikanten Unterschied bei der Sterblichkeit, bei der Aufnahme auf die Intensivstation oder bei der Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung.

Die Autorinnen und Autoren raten deshalb vom routinemäßigen Einsatz bei Covid-19 ab. Wer an Covid-19 erkrankt ist und zähen Schleim hat, kann ACC wie bei anderen Atemwegsinfekten zur Schleimlösung verwenden. Eine Schutzwirkung gegen das Coronavirus oder gegen einen schweren Verlauf ist aber nicht nachgewiesen.

Schutz für die Zellen: Was Acetylcystein sonst noch kann

Acetylcystein hat eine zweite, ganz andere Anwendung: In der Klinik wird es als Infusion als Gegenmittel bei einer Überdosierung von Paracetamol eingesetzt, um schwere Leberschäden zu verhindern. Das gehört allerdings ausschließlich in ärztliche Hände. Bei Verdacht auf eine Paracetamol-Überdosierung gilt: sofort die Rettung (144) oder die Vergiftungsinformationszentrale verständigen.

Warum Acetylcystein Zellen vor oxidativem Stress schützt, haben Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums 2018 aufgeklärt: In der Zelle wird der Wirkstoff zu Schwefelwasserstoff und rasch weiter zu sogenannten Persulfiden umgewandelt. Diese lenken schädliche Oxidation auf sich, ähnlich wie ein Blitzableiter. Die Forschenden warnen aber davor, Acetylcystein deshalb dauerhaft und hochdosiert als Nahrungsergänzung einzunehmen: Auch Tumorzellen unter Stress könnten von diesem Zellschutz profitieren. In Versuchen an Mäusen förderte eine Langzeitgabe Tumorwachstum und Metastasen.

Wann sollten Sie mit Husten zum Arzt?

Ein Erkältungshusten kann zwei bis drei Wochen dauern und ist meist harmlos. Ärztlich abklären lassen sollten Sie Ihren Husten aber, wenn

  • hohes Fieber über mehrere Tage anhält oder nach Besserung wieder ansteigt,
  • Sie Atemnot, Schmerzen beim Atmen oder ein Pfeifen beim Ausatmen bemerken,
  • Sie Blut oder eitrigen, übelriechenden Auswurf abhusten,
  • der Husten länger als drei Wochen dauert,
  • Sie eine Lungen- oder Herzerkrankung haben, rauchen oder ein geschwächtes Immunsystem haben,
  • ein Säugling oder Kleinkind hustet und schwer atmet oder schlecht trinkt.

Bei akuter, schwerer Atemnot rufen Sie die Rettung unter 144. Rund um die Uhr berät in Österreich außerdem die Gesundheitshotline 1450. Welche pflanzlichen Alternativen bei Husten in Frage kommen, lesen Sie im Beitrag Welche Heilpflanzen helfen bei Husten?.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) – ACC bei Husten

Darf man ACC abends einnehmen?

Das ist möglich, aber nicht ideal: ACC löst den Schleim, der dann abgehustet werden will, und das kann den Schlaf stören. Viele nehmen es deshalb lieber tagsüber. Wie oft und wann genau, steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats.

Kann ich ACC und einen Hustenstiller gleichzeitig nehmen?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Ein Hustenstiller unterdrückt den Hustenreflex, während ACC den Schleim verflüssigt. Gemeinsam kann sich gelöster Schleim in den Bronchien stauen. Ob und wie man beides zeitversetzt verwendet, sollte die Ärztin oder der Arzt entscheiden.

Wie lange darf man ACC ohne Arzt einnehmen?

Bessert sich der Husten nach vier bis fünf Tagen nicht oder wird er schlimmer, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Auch Fieber, Atemnot oder blutiger Auswurf sind ein Grund, nicht länger selbst zu behandeln.

Hilft ACC gegen Corona?

Nach heutigem Wissensstand nein. Eine Auswertung von fünf randomisierten Studien mit 651 Erkrankten fand keinen Nutzen von Acetylcystein auf Sterblichkeit, Intensivaufnahmen oder Beatmung. Zur Schleimlösung bei Husten kann ACC auch bei Covid-19 verwendet werden, einen Schutz bietet es nicht.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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