Mittwoch, Juli 17, 2024

Weltnichtrauchertag 2015 am heutigen 31. Mai

Kampf dem Tabakschmuggel, so das Motto am heurigen Welt-Nichtrauchertag. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert dazu auf, dem Tabakschmuggel ein Ende zu setzen.

 

Heute, am 31. Mai 2015, findet auf Initiative der WHO wieder der Welt-Nichtrauchertag statt. Eingeführt wurde der Tag, um die Menschen weltweit auf die große Anzahl an durch Tabakkonsum verursachten Todes- und Krankheitsfälle aufmerksam zu machen. Das Motto wechselt jährlich, in diesem Jahr steht der weltweite Tabakschmuggel im Fokus. Vor allem junge Menschen sollen durch Aufklärung und Prävention vor den Schäden des Tabakkonsums bewahrt werden.

Welt-Nichtrauchertag: Die Angst vor dem Aufhören ist unbegründet

Viele stark nikotinabhängige RaucherInnen wollen aufhören, scheitern aber an der Angst, dass das Rauchverlangen auch danach unerträglich bleibt. „Die meisten können sich nicht vorstellen, dass es ihnen danach besser geht, selbst wenn sie durchs Rauchen richtig krank geworden sind“, sagt Rudolf Schoberberger vom Institut für Sozialmedizin der MedUni Wien anlässlich des Welt-Nichtrauchertag. Eine aktuelle Studie mit TeilnehmerInnen der dreiwöchigen stationären Rauchertherapie, die von der MedUni Wien wissenschaftlich begleitet wird, zeigt, dass die Angst vor dem Aufhören unbegründet ist.

Laut aktuellen Umfragen möchte knapp ein Viertel aller RaucherInnen in Österreich den Tabak-Konsum verringern, ein Drittel möchte ganz aufhören. 37 Prozent haben bereits versucht, aufzuhören. Eine große Barriere ist die Angst, dass die Entzugserscheinungen unerträglich sein werden. „Je stärker die Nikotinabhängigkeit ist, umso stärker ist diese Angst“, sagt der MedUni Wien-Experte. Unbegründet, wie eine nun im Magazin „Public Health“ veröffentlichte Studie zeigt.

Erfolgsrate: 42 Prozent

Verschiedene österreichische Krankenkassen ermöglichen es ihren Versicherten, an einer stationären Rauchertherapie teilzunehmen. Bis zu 100 stark nikotinabhängige ÖsterreicherInnen nehmen diese Möglichkeit jährlich wahr. In den drei Wochen, die wie ein Kuraufenthalt organisiert sind, gibt es Gruppen- und Einzelbetreuung, Ernährungsberatung, zudem wird ein Manual mit 80 Seiten mit vielen Fragestellungen rund ums Rauchen und Aufhören abgearbeitet. Schoberberger: „Ganz wichtig ist auch, dass die Betroffenen für drei Wochen aus ihrem normalen Alltagstrott rauskommen. Das hilft sehr beim Aufhören.“

Die SozialmedizinerInnen der MedUni Wien haben nun die Erfolgsrate der stationären Rauchertherapie erhoben. Das wichtigste Resultat:
„Jenen, die nachhaltig mit dem Rauchen aufgehört haben, geht es langfristig viel besser. Von 270 befragten Teilnehmern haben mehr als 42 Prozent ein Jahr nach ihrer stationären Rauchertherapie gesagt, dass es ihnen gesundheitlich und auch generell besser geht und sie nach wie vor nicht rauchen.“ 30 Prozent haben danach wieder angefangen zu rauchen, der Rest ist nicht zu den Kontrollterminen erschienen. „Bei unserer Befragung zeigt sich eine signifikante Steigerung der Zufriedenheit mit dem Schlaf, aber auch mit Atmung und Mobilität“, fasst Schoberberger zusammen. Auch der Medikamentengebrauch an sich ist bei dieser Gruppe deutlich zurückgegangen.

Die Ergebnisse lassen sich auch mit Zahlen belegen: Vor der Therapie gaben 23,2 Prozent der jetzigen NichtraucherInnen an, häufig Herz-Kreislaufbeschwerden zu haben, nach nur einem halben Jahr verringerte sich dieser Wert auf 5,8 Prozent. Das Allgemeinbefinden wurde zu Beginn der Therapie von 31,4 Prozent als häufig beeinträchtigt bezeichnet, danach waren es nur noch 7,5 Prozent. Eine deutliche Verbesserung gibt es auch in Bezug auf Schlaf: Vor der Therapie war jeder Zweite der jetzigen NichtraucherInnen mit dem Schlaf unzufrieden und befürchtete negative Auswirkungen auf die Gesundheit, nun sind es nur noch 22,4 Prozent.

Schoberberger: „Tabak-Abstinenz führt zu einer deutlichen gesundheitlichen Verbesserung und zu mehr Lebenszufriedenheit. Zugleich ist das Rauchverlangen bei den meisten Entwöhnten schon nach einem halben Jahr überhaupt kein Thema mehr. Die Angst vor dem Aufhören ist unbegründet.“

Welt-Nichtrauchertag: Höhere Preise für Tabak als effektive Präventionsmaßnahme

30 Prozent der rund 2,3 Millionen RaucherInnen in Österreich gelten als hochgradig Tabak abhängig und sollten sich, so ExpertInnen der MedUni Wien, professionell behandeln lassen. Das betrifft somit rund 690.000 Menschen. Laut Michael Kunze, Experte zum Thema Rauchen am Zentrum für Public Health der MedUni Wien, wäre eine Preiserhöhung auf Tabakwaren eine sehr effektive Maßnahme: „Stiege der Preis für Zigaretten um nur ein Prozent über die Inflationsrate, würde es weltweit zu einer Konsumreduktion von 0,5 Prozent kommen.“

„Wir waren an der MedUni Wien auch mit die Ersten, die diese Problematik über die Preispolitik lösen wollen und das auch wissenschaftlich evident belegen können“, unterstreicht Kunze anlässlich des Welt-Nichtrauchertags am kommenden Sonntag (31.5.). Diese Maßnahme sei aber nur dann sinnvoll, wenn sie zumindest europaweit bzw. in der Europäischen Union (EU) umgesetzt werde. Jetzt sei die Politik gefordert, noch stehe dem aber die total unterschiedliche Preispolitik in den einzelnen EU-Ländern im Weg.

Effektive Nikotinersatztherapien besser zugänglich machen

Gleichzeitig fordert der MedUni Wien-Sozialmediziner ein effektives Programm für eine Nikotinersatztherapie, analog zum „Methadon-Programm“ für Heroinabhängige. Behandlungsmöglichkeiten seien zwar verfügbar, hätten aber das Stigma einer Medikamenten-Therapie. „Viele RaucherInnen betonen, sie wollen keine Medikamente einnehmen, weil sie sich nicht krank fühlen. Wenn die Ersatztherapien ohne Rezept zugänglich wären, etwa über Drogerien, würde das Programm viel besser wirken“, betont Kunze und verweist auf das schwedische Programm mit dem luftgetrockneten Oraltabak „Snus“, bei dem das Nikotin über die Mundschleimhaut in die Blutbahn gelangt.

Dadurch, dass dabei keine Schadstoffe entstehen, die bei der Verbrennung des Tabaks beim Rauchen entstehen, gilt „Snus“ als gesundheitlich weniger bedenklich. Kunze: „In Schweden wurden dadurch die Lungenkrebsraten um 50 Prozent gesenkt.“ Internationale Studien haben gezeigt, dass der Konsum rauchlosen Tabaks um bis zu 95 Prozent weniger gefährlich ist als das Rauchen. In der EU ist der gewerbliche Verkauf von „Snus“ mit Ausnahme von Schweden allerdings verboten. Der Erwerb selbst ist ab einem Alter von 18 Jahren allerdings legal.

Rauchstopp bringt schon nach wenigen Tage positive Effekte

Die möglichen negativen Folgen jahrelangen Tabakkonsums sind objektiv belegbar: Tabakkonsum ist die größte Einzelursache für Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle in Europa, rund 90 Prozent der Todesfälle bei Lungenkrebs werden durch das Rauchen verursacht, dasselbe gilt für 75 Prozent der Todesfälle im Rahmen von chronischer Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen. Zudem ist Zigarettenrauchen an der Entstehung von Bauchspeichel-, Nieren- oder Gebärmutterhalskrebs beteiligt.

Dass das Aufhören schnell positive Ergebnisse zeitigt, ist auch belegbar: „Schon wenige Tage nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung rapide. Rauchen ist ja praktisch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung, wer aufhört, stoppt diese Vergiftung“, so Kunze. Das Krebsrisiko allerdings bleibt jahrelang weiterhin erhöht.

 

http://www.meduniwien.ac.at

 „Heavy dependent nicotine smokers – Newfound lifestyle appreciation after quitting successfully. Experiences from inpatient smoking cessation therapy.“ R. Schoberberger, G. Böhm, Y. Schroeder. Public Health. 2015 Mar 12. pii: S0033-3506(15)00060-8. doi: 10.1016/j.puhe.2015.02.011.

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