Sonntag, April 2, 2023

Vitamin D senkt Bedarf an Insulin und verbessert den HbA1c-Wert

Die Gabe von 4000 I.E./Tag Vitamin D3 im Zeitraum von drei Monaten senkte bei Typ 1-Diabetes-Patenten den Bedarf an Insulin und verbesserte den HbA1c-Wert.

Im Grunde genommen tritt Diabetes Typ-1 immer häufiger auf. Wobei eine Heilung nach wie vor nicht möglich ist. Unter dem Strich gibt es gute Hinweise darauf, dass eine Supplementierung mit Vitamin D das Risiko für Diabetes Typ-1 verringern kann. Bereits seit längerem vermutet man dazu eine immunsuppressive Wirkung von Vitamin D bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen. Daraus kann man daher auch auf eine Rolle von Vitamin D bei der Entstehung des Diabetes Typ-1 schließen. In einer finnischen Studie fanden sich beispielsweise unlängst Hinweise, dass eine Supplementierung mit Vitamin D in der frühen Kindheit das Risiko für Diabetes Typ 1 verringern konnte, wenn die Kinder Vitamin D erhielten. Es zeigte sich ein 80% geringeres Risiko als bei Kindern ohne zusätzliche Gabe von Vitamin D. Die Auswirkungen einer Vitamin D-Gabe auf Bedarf an Insulin und HbA1c zeigte sich zudem in mehreren rezenten Untersuchungen.



 

Vitamin D kann den Bedarf an Insulin und HbA1c-Werte senken

Übrigens publizierten Deutsche Forscher unlängst Auswertungen der Befunde von 39 Patienten mit Typ-1-Diabetes. Die Forscher behandelten dazu die Probanden in einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie für 3 Monate mit 4000 E/Tag Cholecalciferol (Vitamin D3) oder Plazebo. Das primäre Studienziel, eine Änderung der regulatorischen T-Zellen als Indikator für zugrunde liegende Immunvorgänge wurde durch die Vitamin D-Gabe nicht erzielt, wenngleich die aindividuellen Unterschiede bei den männlichen Probanden signifikant stärker waren als bei den Frauen.

Beim sekundären Studienziel wurde aber durch die Substitution mit Vitamin D 3 ein deutlicher Unterschied bei Bedarf an Insulin und HbA1c-Wert entdeckt, die beide signifikant abnahmen. Weiter stiegen die C-Peptidspiegel bei 6 Patienten während der Verumphase an, bei diesen bestand ein Trend zu vermindertem Insulinbedarf.

Die Studie brachte zwar nicht den Nachweis einer generellen, bei Frauen und Männern in gleicher Weise günstige Beeinflussung des Immunprozesses durch Vitamin D, dennoch fand sich eine Abnahme des täglichen Bedarfs an Insulin und signifikanten Absinken des HbA1c-Wertes in dem kurzen. Und zwar für den 3-monatigen Zeitraum.

Bei 6 Patienten fand sich einen Anstieg des C-Peptidspiegels, so dass die Experten hoffen, eine Besserung der residualen Betazellfunktion bei genotypisierten Patienten mit individualisierten Vitamin D-Dosen erzielen zu können.



 

Immunmodulatorische Rolle von Vitamin D und Cathelicidin bei Diabetes Typ-1

Unter dem Strich hat das Vitamin D die Fähigkeit, die adaptive Immunität herunter zu regulieren und immunologische Toleranz und entzündungshemmende Wirkungen zu induzieren. Das ist im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen von Bedeutung.

Die faszinierende Rolle von Cathelicidin in der Bauchspeicheldrüse haben Forscher übrigens erst kürzlich entdeckt. Die kleinen kationischen Peptide sollen in den Anfangsstadien an der Typ-1-Diabetes-Entwicklung beteiligt sein. Da Cathelicidin an der Modulation der Cathelicidin-Expression beteiligt ist, stellt sich die Frage, ob Cathelicidin eine der zugrunde liegenden Ursachen sein kann. Cathelicidin scheint jedenfalls sowohl an der Entwicklung als auch am Schutz gegen Typ-1-Diabetes beteiligt zu sein. Und zwar, indem es das Zusammenspiel zwischen dem Darmmikrobiom, dem Immunsystem und der Funktion der β-Zellen begünstigt. Einerseits scheint zwar das Potenzial von Cathelicidin für die Behandlung von Typ-1-Diabetes hoch zu sein. Andererseits ist das Verständnis seiner Auswirkungen immer noch begrenzt.




Literatur:

Zabeen B, Nahar J, Ahmed B, Tayyeb S, Islam N, Azad K. Vitamin D status in children and adolescents with type 1 diabetes in a specialized diabetes care centre in Bangladesh. Endocrinol Diabetes Metab. 2021 Nov 12:e00312. doi: 10.1002/edm2.312. Epub ahead of print. PMID: 34766458.

Contreras-Bolívar V, García-Fontana B, García-Fontana C, Muñoz-Torres M. Mechanisms Involved in the Relationship between Vitamin D and Insulin Resistance. Impact on Clinical Practice. Nutrients. 2021 Oct 1;13(10):3491. doi: 10.3390/nu13103491. PMID: 34684492; PMCID: PMC8539968.

Chang Villacreses MM, Karnchanasorn R, Panjawatanan P, Ou HY, Chiu KC. Conundrum of vitamin D on glucose and fuel homeostasis. World J Diabetes. 2021 Sep 15;12(9):1363-1385. doi: 10.4239/wjd.v12.i9.1363. PMID: 34630895; PMCID: PMC8472505.

Cristelo C, Machado A, Sarmento B, Gama FM. The roles of vitamin D and cathelicidin in type 1 diabetes susceptibility. Endocr Connect. 2021 Jan;10(1):R1-R12. doi: 10.1530/EC-20-0484. PMID: 33263562; PMCID: PMC7923048.

Bogdanou D, Penna-Martinez M, Filmann N, Chung TL, Moran-Auth Y, Wehrle J, Cappel C, Huenecke S, Herrmann E, Koehl U, Badenhoop K. T-lymphocyte and glycemic status after vitamin D treatment in type 1 diabetes. A randomized controlled trial with sequential crossover. Diabetes Metab Res Rev. 2017 Mar;33(3). doi: 10.1002/dmrr.2865. Epub 2016 Dec 6. PMID: 27764529.

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