Sonntag, Mai 19, 2024

Sodbrennen mit verschiedenen Wirkstoffen lindern

Sodbrennen tritt oft auf und beeinträchtigt sehr die Lebensqualität, Antazida und H2-Rezeptorantagonisten sowie vor allem Protonenpumpenhemmer (PPI) können die Beschwerden lindern.

Die Häufigkeit der gastroösophagealen Refluxkrankheit – kurz GERD – hat in den letzten Jahrzehnte in den meisten Industrienationen stark zugenommen. Große epidemiologische Studien zeigen, dass etwa 20% der Erwachsenen regelmäßig unter Refluxsymptomen – wie dem wichtigsten Symptom Sodbrennen und saurem Aufstoßen sowie Regurgitation von Mageninhalt – leiden, was häufig zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führt. Eine Änderung des Lebensstils – wie beispielsweise eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten – kann beim harmlosen Sodbrennen, auch Reflux genannt, rasch beim Lindern helfen sowie sogar völlige Heilung bringen. Doch viele unter Sodbrennen leidende Betroffene schaffen so eine notwendige Umstellung im Alltag nicht.

Eine häufige Ursache für Reflux sind eine vermehrte Säureproduktion durch Stress, Medikamente oder Fehlernährung. Das Sodbrennen äußert sich durch vielfältige Symptome, die von brennenden Schmerzen in der Brust und Magengegend über saures Aufstoßen und schlechtem Mundgeschmack bis hin zu Husten und Heiserkeit reichen können, weiters können auch Übelkeit, Blähungen und Völlegefühl auftreten.

 

Medikamentöse Therapieoptionen gegen Sodbrennen

Als rezeptfreie Medikamente wurden früher vorwiegend Antazida und H2-Rezeptorantagonisten angewendet.

Antazida. Antazida neutralisieren die Magensäure und sorgen so für schnelle Linderung. Mit Ausnahme der Schichtgitter-Antazida ist ihre Wirkdauer allerdings auf wenige Stunden begrenzt.

H2-Rezeptorantagonisten. H2-Rezeptorantagonisten wiederum vermindern die Sekretion der Magensäure, indem sie als Analoga des Histamins an dessen Stelle die H2-Rezeptoren an den Parietalzellen des Magens besetzen.

Vielen Säuglingen mit Nervosität oder Spucken wird eine Therapie zur Säurehemmung (Säuresuppression) mit Protonenpumpenhemmern (PPIs) und H2-Antagonisten (H2RAs) verschrieben. Obwohl Daten darauf hindeuten, dass diese Therapien die Symptome gegenüber Placebo nicht verbessern. Darüber hinaus birgt die Behandlung mit Säure hemmende Medikamente manche Risiken. Beispielsweise einschließlich steigender Raten von Gastroenteritis, Pneumonie und nekrotisierende Enterokolitis.

 

Protonenpumpenhemmer – PPI

Als dritte Gruppe von Medikamenten gegen Sodbrennen haben sich Protonenpumpenhemmer (PPI) gegenüber den anderen medikamentösen Behandlungsformen durchgesetzt. Die Wirkungsunterschiede ­zwischen den einzelnen PPI sind nur sehr gering. PPIs setzen an dem Ort der Säureproduktion im Magen an. Sie blockieren die Protonenpumpen in den Belegzellen der Magenwand und hemmen damit die Säureausschüttung in den Magen.

Im Grunde genommen hat man die Protonenpumpenhemmer vor mehr als 25 Jahren klinisch eingeführt. Alle Wirkstoffe haben sich seitdem als wichtige und wirksame Mittel zur Behandlung vieler säurebedingter Erkrankungen wie auch Sodbrennen erwiesen. PPIs gelten heute als die effektivsten Wirkstoffen bei säurebedingten Erkrankungen. Im Gegenzug zu Antazida, die rasch aber nur für wenige Stunden wirken, haben PPIs den Vorteil einer starken, lang anhaltenden Wirkung.

Trotz ihrer allgemeinen Wirksamkeit weisen PPIs jedoch einige Einschränkungen auf. Und zwar solche, die sich auf ihre kurze Plasmahalbwertszeit und den Bedarf an mit der Mahlzeit verbundenen Dosen beziehen. Das kann schließlich bei manchen Personen zu Durchbruchsymptomen führen – insbesondere nachts. Langfristigere PPIs und Technologien zur Verlängerung der herkömmlichen PPI-Aktivität wurden entwickelt, um diese Einschränkungen gezielt anzugehen.


Literatur:

Tracy MS, Duncan DR, Rosen RL. Evaluating the adherence to national guidelines for treatment of gastroesophageal reflux in infants. Acta Paediatr. 2021 Oct 7. doi: 10.1111/apa.16142. Epub ahead of print. PMID: 34617324.

Strand DS, Kim D, Peura DA. 25 Years of Proton Pump Inhibitors: A Comprehensive Review. Gut Liver. 2017 Jan 15;11(1):27-37. doi: 10.5009/gnl15502. PMID: 27840364; PMCID: PMC5221858.

Lanas A. We Are Using Too Many PPIs, and We Need to Stop: A European Perspective. Am J Gastroenterol. 2016 Aug;111(8):1085-6. doi: 10.1038/ajg.2016.166. Epub 2016 May 10. PMID: 27166129.

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