Sonntag, Januar 18, 2026

Säuglingsschreie entlarven Kokainmissbrauch

Schreie von Säuglingen, deren Mütter während der Schwangerschaft Kokainmissbrauch betrieben hatten, weisen Hyperphonation – eine bestimmte Ton- bzw. Klangart – auf.

Laut einer an der Universität North Carolina durchgeführten Studie können bestimmte akustische Eigenschaften in den Schreitönen von Säuglingen auf eine pränatale Drogenexposition hinweisen. Konkret können die Schreitöne herangezogen werden, um die schädlichen Effekte vom Kokainmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Nervensystems des Säuglings festzustellen.

„Inwiefern sich Drogenkonsum während der Schwangerschaft auf das Kind auswirkt lässt sich durch wissenschaftliche Studien nur schwer ermitteln. Limitierend ist dabei die große Anzahl andere möglichen Einflussfaktoren, die ebenfalls eine Schädigung des Nervensystems des Säuglings hervorrufen können. So ist es schwierig festzustellen, ob das geschädigte Nervensystem aufgrund einer bestimmten Droge (z.B. Kokain), oder durch andere Faktoren – darunter mütterliche Depression oder mangelhafte pränatale – entstanden ist. Gerade deswegen ist die Studie von so großer Relevanz,“ erklärt Dr. Sanford Zeskind, Erstautor der Studie.

 

Hyperphonation durch Kokainmissbrauch

Die Untersuchung war Teil der Cocaine Affects Mother-Infant Dyads (CAMID) Forschungsinitiative, ein unter der Leitung von Dr. Josephine M. Johns durchgeführtes Projekt, dessen Ziel es war den Einfluss pränataler Drogenexposition auf Mutter und Kind zu charakterisieren. Bisherige Studien haben gezeigt, das bestimmte Eigenschaften des Säuglingsschreis, die als Hyperphonation bezeichnet werden, auf ein geschädigtes Nervensystem des Säuglings hinweisen, welches auf den Drogenkonsum während der Schwangerschaft zurückzuführen sei. Dies wurde auch bei Säuglingen festgestellt, die, basierend auf den traditionellen pädiatrischen Untersuchungen, als gesund galten.

Neben der erhöhten Hyperphonation der Säuglingsschreie, stellen die Wissenschafter der Universität North Carolina eine bestimmte Eigenschaft der Schreie fest, dessen Tonlage und Akustik jener von Rattenbabys gleicht, die ebenfalls Schädigungen durch pränatale Kokainexposition aufweisen. Die Arbeit ist einer der ersten ihrer Art, die einmal mehr die die Notwendigkeit der Erforschung verschiedener, rasch erkennbarer klinischer Targets unterstreicht, um pränatalen Drogenmissbrauch zu erkennen und entsprechend zu intervenieren.

Quelle: http://www.med.unc.edu/psych/research/camid

Bildtext: Kokainmissbrauch entlarven auch bei gesunden Kindern, ob während der Schwangerschaft ein Drogenmissbrauch vorlag. © Kzenon / shutterstock.com

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