Freitag, April 12, 2024

Postbariatrische plastische Chirurgie nach starker Gewichtsabnahme

Die postbariatrische plastische Chirurgie bietet körperformende Operationen nach starker Gewichtsabnahme zum Entfernen der gedehnten und überschüssige Haut.

Durch jahrelanges starkes Übergewicht wird die Haut extrem gedehnt und es entsteht überschüssige Haut. Bei der chirurgischen Entfernung wird die Kontur dem neuen Körpervolumen entsprechend angepasst. Solche körperformenden Operationen bezeichnet man als Postbariatrische plastische Chirurgie, wobei man normalerweise nach starker Gewichtsabnahme je eine Operation an der oberen und eine an der unteren Körperhälfte durchführt.

Im Grunde genommen haben viele betroffenen Adipositas-Patienten nach einer starker Gewichtsabnahme typischerweise eine Hautredundanz, die enorme ästhetische, physische, medizinische und psychische Probleme verursacht. Die wachsende Zahl von Patienten mit diesen Folgen führte in den letzten Jahren zu einer Zunahme der Suche nach Verfahren zur Körperkonturierung, was wiederum zu wichtigen Entwicklungen in der postbariatrischen plastischen Chirurgie führte.

 

Wann Bariatrische Operationen angezeigt sind

Stark übergewichtige Patienten müssen von Beginn an umfassend über die chronische Krankheit Adipositas informiert werden. Für Patienten mit massivem Übergewicht, bei denen diätetische Maßnahmen erfolglos waren, sind unter bestimmten Voraussetzungen bariatrische Operationen geeignet. Die am häufigsten angewandten Methoden sind hierbei der Magenbypass und der Magensleeve.

Bevor bariatrische Operationen durchgeführt werden, sind eine Reihe von Voruntersuchungen nötig, um festzustellen, ob der chirurgische Eingriff überhaupt in Frage kommt bzw. hilfreich ist. Durch eine umfassende interdisziplinäre Betreuung der Patienten sollte die individuell beste Methode für den Betroffenen gewählt werden. Doch mit operativen Maßnahmen allein kommt es nicht zur gewünschten Gewichtsabnahme, für den Erfolg der Behandlung, ebenso wie für die Vermeidung von Komplikationen oder erneuter Gewichtszunahme ist die Mitarbeit des Patienten von entscheidender Bedeutung. So müssen eine Reihe wesentlicher Lebensveränderungen vorgenommen werden und ernährungsmedizinische Empfehlungen ein Leben lang beachtet werden.

 

Postbariatrische plastische Chirurgie mit körperformenden Operationen nach nach starker Gewichtsabnahme

Die Plastische Chirurgie steht meist am Ende des operativen Behandlungsweges. Nach massivem Gewichtsverlust verbleibt häufig überschüssiges Gewebe an Bauch, Brust, Oberarmen, Oberschenkeln, Rücken und Gesäß. Bei der weiblichen Brust kann es auch zu einem deutlichen Herabsinken kommen. Durch den massiven Hautüberschuss und die dadurch entstehenden Hautfalten können außerdem Ekzeme entstehen. Dazu kommt, dass die Patienten durch das erschlaffte Aussehen meist psychisch stark belastet sind. Hier kann die plastische Chirurgie durch körperstraffende Operationen helfen.

Als Postbariatrische plastische Chirurgie, Postbariatrische Operationen, bezeichnet man diese körperformenden Eingriffe nach radikalem Gewichtsverlust genannt. Die durch meist jahrelanges starkes Übergewicht gedehnte und überschüssige Haut wird dabei chirurgisch entfernt und die Kontur somit dem neuen Körpervolumen entsprechend gestrafft.

Unter dem Strich sind kombinierte postbariatrische Operationen sehr effektiv. Damit kann man die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Komplikationen unter bestimmten Bedingungen erheblich verringern. Übrigens gilt die Dermolipektomie als eine sehr nützliche Methode.

 

Körperformung nach massivem Gewichtsverlust

Eine aktuelle Analyse untersuchte eine Stichprobe mit 74 Patienten und insgesamt 120 Operationen. Unter dem Strich betrafen 70% der Eingriffen den Beckengürtel, die anderen 30% wurden am Schultergürtel durchgeführt. Die häufigste festgestellte Komplikation waren Probleme mit der Wundheilung. Im Jahr 2011 begann der Studienautor mit der Durchführung der Pollock-Technik in der Bauchstraffung mit Fixierungsstichen in den tiefen Ebenen und zweischichtigen Nähten anstelle einer einzelnen intra-dermalen Naht. Gleichzeitig hörte er auf, Abflüsse zu benutzen. Interessanterweise erwies sich die Komplikationsrate, einschließlich des Hämatoms, bei dieser Patientengruppe als geringer.

 

Ursachen für krankhaftes Übergewicht

Die Zahl der Menschen mit Adipositas hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen. Weltweit geht man von einer Milliarde Adipositas-Betroffenen aus, damit gibt es einer Studie zufolge, die im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurde, inzwischen mehr übergewichtige als untergewichtige Menschen auf der Welt.

Die Ursachen für krankhaftes Übergewicht sind vielfältig. Sie reichen von genetischer Veranlagung oder Stoffwechselstörungen über falsche Ernährung bis hin zu seelischen Belastungen oder psychischen Erkrankungen, die oftmals im Zusammenspiel die Entwicklung von Adipositas begünstigen.

Unter dem Strich ist Fakt, dass starkes Übergewicht einerseits die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit enorm einschränkt. Andererseits birgt es auch ein hohes Gesundheitsrisiko und kann eine Vielzahl von Folgeerkrankungen hervorrufen. Und zwar wie beispielsweise Muskel- und Gelenkschäden, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und sogar Krebserkrankungen.


Literatur:

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Quelle: Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie Innsbruck

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