Nicht-allergene Pollenbestandteile verstärken Allergien

Nicht-allergene Pollenbestandteile können Allergien verstärken – Neuer Mechanismus über B-Zellen

 

Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der TU München haben einen neuen Mechanismus entdeckt, wie nicht-allergene Polleninhaltsstoffe Allergien verstärken können. Dabei spielen vor allem die so genannten B-Zellen eine entscheidende Rolle. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal ‚Allergy‘ publiziert und könnten neue Ansätze für Therapien ermöglichen.

Das Team um Prof. Carsten Schmidt-Weber und Prof. Jan Gutermuth vom Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) am Helmholtz Zentrum München und der TU München untersuchte dafür den Einfluss von Pollenextrakt des hoch allergenen Beifußblättrigen Traubenkrauts, wissenschaftlich Ambrosia artemisiifolia, auf B-Zellen. Diese produzieren das Immunglobulin E (IgE), welches der Schlüsselauslöser bei allergischen Reaktionen und auch maßgeblich für die Diagnose einer allergischen Erkrankung ist. „Wir konnten sowohl in vitro als auch in vivo zeigen, dass der gesamte Pollenextrakt die Ausschüttung der Allergie-typischen IgE Antikörper verstärkt“, fasst Dr. Sebastian Öder, neben Dr. Francesca Alessandrini Hauptautor der Studie, zusammen. “Darüber hinaus konnten unsere Kollegen am Schweizerischen Institut für Allergieforschung (SIAF) den Effekt auch für menschliche B-Zellen bestätigen.“

Per Ausschlussverfahren testeten die Wissenschaftler daraufhin, welche Komponenten genau die Reaktion auslösen. Dazu setzten sie B-Zellen entweder dem Allergen Amb a 1, dem Pollen-assoziierten Stoff PPE1 oder dem Gesamtextrakt bzw. einer Protein-/Allergen-freien Fraktion des Extraktes aus. „Interessanterweise verstärkten bis auf Amb a 1 alle Stoffe eine entsprechende Immunreaktion der B-Zellen“, so Öder. Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass die verstärkte Ausschüttung von IgE durch die B-Zellen nicht vom eigentlichen Hauptallergen Amb a 1 abhängt, sondern vor allem durch Kleinst-Stoffe wie PPE1 zustande kommt.

Mechanismus nicht nur auf Ambrosia beschränkt

„Bisher war angenommen worden, dass eine allergiefördernde Wirkung von nicht-allergenen Pflanzeninhaltsstoffen hauptsächlich durch Dendritische Zellen vermittelt wird. Der von uns gefundene Mechanismus über B-Zellen eröffnet daher eine andere Sicht auf diese Thematik und bietet neue Ansatzpunkte für die Entwicklung von Therapien bei allergischen Erkrankungen“, so ZAUM-Direktor Schmidt-Weber.

Um die Relevanz ihrer Ergebnisse zu überprüfen, testeten die Wissenschaftler auch Pflanzenextrakte von Birken, Kiefern und Wiesen-Lieschgras. Sie konnten so zeigen, dass der Effekt nicht nur in Ambrosia sondern auch bei Bäumen und Gräsern eine Rolle spielt. „Da die Polleninhaltsstoffe möglicherweise auch von klimatischen Faktoren abhängig sind, wollen wir künftig beobachten, ob sich veränderte klimatische Bedingungen auf die B-Zell-vermittelte Allergenität von Pollen auswirken“, kommentiert Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education (CK-CARE), das diese Studie maßgeblich finanziell unterstützt hat.

Quelle: Oeder, S. et al. (2015). Pollen derived non-allergenic substances enhance Th2-induced IgE production in B-cells. Allergy, DOI: 10.1111/all.12707

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