Neue Leitlinien zum Schlaganfall bieten deutliche Aussagen zu komplexen Fragen

Im Jahr 2021 konnten Experten zum ischämischen Schlaganfall eine neue aktualisierte Leitlinien zur Akuttherapie mit vollständiger Neubearbeitung veröffentlichen.

Leitlinien der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin (1). In den letzten Jahren haben sich die methodischen Anforderungen an die Entwicklung von Leitlinien stetig erhöht, wodurch auch der zeitliche Aufwand enorm gestiegen ist. Gleichzeitig – und das ist natürlich völlig korrekt – sollen die Ersteller der Leitlinien finanziell unabhängig sein, was sowohl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als auch der AWMF konsequent kontrolliert wird. Dieser Konflikt führt aber dazu, dass die Erarbeitung von Leitlinien im Wesentlichen eine ehrenamtliche Tätigkeit ist. Dennoch konnte man im Mai 2021 die Leitlinien zur Akuttherapie von ischämischen Schlaganfall unter Federführung von Prof. Dr. Köhrmann (Essen) und Prof. Dr. Ringleb (Heidelberg) veröffentlichen (2).

 

Neue Leitlinien zur Akuttherapie von ischämischen Schlaganfall

Die Entwicklung und Verbreitung von medizinischen Leitlinien ist eine wichtige Aufgabe der medizinischen Fachgesellschaften wie der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), wozu sie von der Politik aufgefordert sind. Dementsprechend konnten die Experten im Mai des Jahres 2021 die neuen Leitlinien » Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls « unter Federführung von Prof. Dr. Köhrmann (Essen) und Prof. Dr. Ringleb (Heidelberg) veröffentlichen (2).

Der Vorgänger dieser Schlaganfall-Leitlinien stammt aus dem Jahr 2012 und entsprach sowohl inhaltlich als auch formal nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Daher war eine vollständige Neubearbeitung notwendig, an der 19 Autoren beteiligt waren, die 16 Fachgesellschaften vertraten. Die hohe Interdisziplinarität sichert einen breiten Konsens über die verschiedenen Fachabteilungen hinweg und sorgt so auch für eine große Verbreitung.

 

Wichtige neue Aspekte

In die aktuelle Leitlinie wurden auch bisher nicht behandelte Aspekte aufgenommen, hervorzuheben sind die Stroke-Unit-Behandlung von TIA-Patienten, Rekanalisationstherapien außerhalb des engen Zeitfensters von 4,5 Stunden, Diagnose und Behandlung des Delirs nach Schlaganfall und geschlechtsspezifische Aspekte. Die Leitlinien deckt somit alle Phasen der Versorgung von Patienten mit akutem Schlaganfall ab. Zu betonen ist, dass diese Leitlinie explizit auch die Versorgung von Patienten mit flüchtigen Symptomen, sogenannten transitorisch ischämischen Attacken (TIA), einbezieht.


Referenzen:

1 Homepage der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland (www.awmf.org)

2 Quelle: Ringleb P., Köhrmann M., Jansen O. et al.: Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls, S2e-Leitlinie, 2021, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 21.05.2021)


Quelle:

Statement » Neue Leitlinien zum Schlaganfall: Klare Aussagen zu komplexen Fragen. « Prof. Dr. med. Dipl.Inf. (FH) Peter A. Ringleb Sekretär im DSG-Vorstand. Sektionsleiter Vaskuläre Neurologie, Neurologische Klinik Universitätsklinikum Heidelberg. Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober 2021

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