Dienstag, Juli 2, 2024

MRT-gesteuerte, fokussierte Ultraschall (MRgFUS) bei essentiellem Tremor und Parkinson

Eine relativ neue Behandlung von Parkinson sowie bei essentiellem Tremor ist der MRT-gesteuerte, fokussierte Ultraschall (MRgFUS).

Eine recht neue Methode zur Behandlung von Parkinson und auch von essentiellem Tremor ist der MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschall (MRgFUS). Dabei wird von außen durch den geschlossenen Schädel hindurch gearbeitet.

 

Innovative Methode bei Parkinson und essentieller Tremor: MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschall (MRgFUS)

Die MRgFUS-Behandlung ist eine relativ neue Methode zur Behandlung von Parkinson und essentiellem Tremor. Dabei werden hochintensive Ultraschallwellen an einem zuvor berechneten oder getesteten Punkt gebündelt. Je nach Art der Erkrankung werden unterschiedliche Bereiche im Gehirn behandelt. Zum Beispiel wird bei Patienten mit tremor-dominanter Parkinson-Erkrankung die untere Grenze des Thalamus behandelt.

Durch diese Behandlung wird das Zittern auf einer Körperseite um etwa 80% reduziert. Die gesamte Prozedur dauert in der Regel etwa 3-4 Stunden. Die Verbesserung des Zitterns tritt oft sofort auf, und die Patienten können die Klinik in wenigen Tagen verlassen. Nach etwa drei Monaten erfolgt die erste Kontrolluntersuchung. Die Zertifizierung für die Behandlung der anderen Körperseite liegt bereits vor, und der Nutzen und die Risiken werden derzeit in größeren Studien untersucht.

 

MRgFUS auch bei Wirkfluktuationen sinnvoll

Die MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschall-Behandlung wird nicht nur bei essentiellem Tremor bei Parkinson-Erkrankung angewendet, sondern auch bei Patienten mit Parkinson, die Wirkfluktuationen oder eine einseitige Betonung der Symptome haben. In einer dreijährigen Nachbeobachtung zeigte sich, dass die einseitige Subthalamotomie in dieser Indikation einen guten und langanhaltenden Effekt hatte, ohne anhaltende störende Nebenwirkungen.

MRgFUS wird insbesondere bei schwerem essentiellem Tremor eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete sind, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, oder wenn eine Operation zur Implantation einer tiefen Hirnstimulation nicht möglich ist oder abgelehnt wird.

 

Pro und Kontra

Im Vergleich zur tiefen Hirnstimulation hat MRgFUS den Vorteil, dass es keine Operationsrisiken wie Blutungen oder Infektionen gibt und kein permanentes elektronisches System implantiert wird, was Batteriewechsel oder Funktionsstörungen überflüssig macht.

Mögliche Nebenwirkungen während der Behandlung sind vorübergehende Übelkeit, Hitze- oder Druckgefühl sowie gelegentlich vorübergehende oder seltene dauerhafte Empfindungsstörungen, Muskelschwäche, Gleichgewichtsprobleme oder Gangstörungen. Diese Nebenwirkungen haben sich in Studien im Laufe der Monate zurückgebildet.


Literatur:

Martínez-Fernández R, Natera-Villalba E, Máñez Miró JU, Rodriguez-Rojas R, Marta Del Álamo M, Pineda-Pardo JÁ, Ammann C, Obeso I, Mata-Marín D, Hernández-Fernández F, Gasca-Salas C, Matarazzo M, Alonso-Frech F, Obeso JA. Prospective Long-term Follow-up of Focused Ultrasound Unilateral Subthalamotomy for Parkinson Disease. Neurology. 2023 Mar 28;100(13):e1395-e1405. doi: 10.1212/WNL.0000000000206771. Epub 2023 Jan 11. PMID: 36631272; PMCID: PMC10065206.


Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)

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