Lärmbelastung und Luftverschmutzung schwächen das Herz

Lärmbelastung und Luftverschmutzung zählen zu jenen Umweltbelastungen, die das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, signifikant erhöhen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt nicht nur vor Schadstoffen in der Luft, sondern auch vor zu großer Lärmbelastung. Eine aktuelle deutsche Studie unterstreicht das Gefahrenpotential einer regelmäßiger Lärmbelastung – vor allem im Zusammenhang mit Herzerkrankung und Beeinträchtigung der Gefäße.

Dass verschiedene Umweltwelteinflüsse wie Lärmbelastung oder Luftverschmutzung auch die kardiovaskuläre Gesundheit stark beeinträchtigen können, ist zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten sowie von verschiedenen internationalen Gesundheitsorganisationen.

 

Endothel-Dysfunktion durch Lärmbelastung

Experten der Arbeitsgruppe Lärmwirkungsforschung an der Universitätsmedizin in Mainz konnten unlängst in einem experimentellen Modell Zusammenhänge zwischen Lärmbelastung und einer Dysfunktion des Endothels, also der Innenwand von Blutgefäßen, nachweisen. Grundsätzlich gilt eine Endothel-Dysfunktion gilt als wichtige Ursache von schweren kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Schon bei gesunden Probanden führte eine Simulation von Nachtfluglärm von 30 bzw. 60 Überflügen zu einer endothelialen Dysfunktion, die interessanterweise in der eingangs zitierten Studie durch Vitamin C korrigiert werden konnte, sowie zu einem grenzwertigen Blutdruckanstieg und zu Schlafstörungen.

Bei Patienten mit Diagnose koronare Herzerkrankung waren die Auswirkungen noch deutlicher und die Blutdruckanstiege ausgeprägter. Bemerkenswert war, dass die Gefäßfunktion schlechter wurde, unabhängig davon, ob die Probanden angaben, sich über den Lärm geärgert zu haben oder nicht.

Laut Schätzungen der WHO gehen in Westeuropa pro Jahr eine Million gesunde Lebensjahre durch permanente Lärmbelastung verloren. Allein auf dem Weg von Herzerkrankungen verursacht Lärm jährlich den Verlust von 61.000 gesunden Lebensjahren. Die Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem gehen meist auf eine indirekte Lärmbelastung zurück. Diese führt am Tag zu einer Störung der Kommunikation, des Schlafs und zu emotionalen Reaktionen im Sinne von Ärger – in Folge zu Stress. Chronische Stressreaktionen führen letztlich zur Ausbildung von kardialen Risikofaktoren und zu Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfrakt und Schlaganfall. Kürzlich publizierte Studien belegen, dass zum Beispiel Nachtfluglärm, aber auch Straßen- und Schienenlärm zum vermehrten Auftreten von Bluthochdruck und zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führen.

Damit ist Fluglärm, ebenso wie Feinstaub, ein neuer Herz-Kreislaufrisikofaktor der durch die Umwelt bedingt ist. Angesichts solcher Daten fordern Experten heute, das Luftverschmutzung und Lärmbelastung als Risikofaktoren für die Entstehung von Herzkreislauferkrankungen anerkannt und entsprechend auch in diversen medizinischen Leitlinien berücksichtigt werdensollten.

Quelle:

Münzel T et al. Cardiovascular effects of environmental noise exposure. Eur Heart J. 2014 Apr; 35(13):829-36; Argacha JF et al. Particulate matter and NO2 air pollution trigger ST-elevation myocardial infarction: a case cross over study of the Belgian STEMI registry. ESC 2015, FP 4195; Bryniarski KL Risk of hypertension and chronic lowgrade inflammation among healthy young subjects living in the cities with different ambient air pollution. ESC 2015, FP 2022

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