Samstag, Mai 18, 2024

Herpes labialis: Fieberblase alternativ behandeln

Viele chemische Wirkstoffe helfen bei Herpes labialis (der Fieberblase) oft nicht, alternativ kann man sie mit Zink, Heparin, Selen, Carboxenol, L-Lysin behandeln.

Ein geschwächtes Immunsystem führt speziell in der kalten Jahreszeit zu Erkältung oder grippalen Infekten. Akutem Stress, Müdigkeit oder starke UV-Strahlung sind oftmals dafür verantwortlich, dass Herpes-Viren leicht aus dem Wartezustand erwachen. Und dann Lippenherpes, Fieberblasen beziehungsweise Herpes labialis auslösen, die man herkömmlich oder auch alternativ behandeln muss.



 

Mit pflanzlichen Alternativen Herpes labialis behandeln

Im Grunde genommen konzentriert sich der Mechanismus der Nucleosid-Analoga bei der Anwendung auf die selektive antivirale Wirkung in virusinfizierten Zellen. Hingegen schlägt das Behandeln mittels pflanzlicher Hemmung der Virusausbreitung bei Herpes labialis einen gänzlich anderen Weg ein. Beispielsweise verhindern Trockenextrakte aus Melissenblättern das Eindringen der Herpesviren in die Zelle. Und somit wirkt es gegen dessen rasante Ausbreitung.

Dementsprechend kommt es zu einer rasch einsetzenden lokalen virustatischen Wirkung sowie zu einer Verkürzung der Abheilungsphase. In diesem Sinne kann man auch eine Verlängerung der symptomfreien Intervalle beobachten. Die Anwendung von Melisse sollte jedenfalls 2- bis 4-mal erfolgt. Und zwar sollte sie vom Beginn der Erkrankung der Herpes labialis stattfinden. Und zwar bis einige Tage nach Abheilen der Symp­tome.

Aber auch andere Komponenten natürlichen Ursprungs ­– beispielsweise aus Rhababerwurzel oder ­Salbei – verfügen über starke Wirkkraft, die sowohl den Virus be­kämpft, aber auch durch entzündungshemmende Eigenschaften zur Wund­heilung beträgt.

Vorteilhaft bei der Behandlung mit pflanzlichen Alternativen ist die sichere, bedenkenlose Anwendungsmöglichkeit auch bei Kindern.

 

Fieberblasen mit Zink, Heparin, Selen und Carbenoxolon alternativ behandeln

Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass Zink-Sulfat Herpes simplex bei frühzeitiger Anwendung inaktivieren kann. Besonders in der akuten Phase der Herpes-Infektion sollte die topische Anwendung mit einer oralen Verabreichung von täglich 50 mg Zink unterstützt werden. Auch topische Verabreichungen enthalten Zinkionen. Diese lagern sich an der Virushülle ab und verhindern somit die Bindung der Erreger an die Zellrezeptoren der Wirtszelle.

Der Zusatz von Heparin intensiviert die virustatische Wirkung von Zink. Das Andocken des Herpes simplex-Virus an die Zellmembranen zu Beginn der Infektion erfolgt über die viralen Glykoproteine B und C, die an die zellulären Heparansulfat-Proteoglykane binden. Anschließend fusioniert die virale Umhüllung mit der Zellmembran, ein Prozess, der durch verschiedene weitere Rezeptoren der Zellmembranen kontrolliert wird (gB, gD und der gH-gL Komplex).



 

Selen lindert mit seinen antioxidativen Eigenschaften

Auch Selen – beispielsweise als Spray äußerlich angewandt – kann durch seine antioxidativen Eigenschaften schnelle Linderung bei Lippenherpes erzielen. Sogar die Rezidiv-Intervalle zwischen dem Entstehen von Fieberblasen können verlängert werden. Dazu sollte ein mehrmals tägliches Aufsprühen sowohl auf die betroffenen Stellen als auch in die Mundschleimhaut erfolgen.

Altbewährt aber wirkungsvoll im Kampf gegen entzündliche Fieberblasen ist auch der Wirkstoff Carbenoxolon. Als Abkömmling der Glycyrrhetinsäure bewirkt er die irreversible Hemmung der Herpes simplex-Vermehrung.

Erreicht der Herpes simplex-Erreger seinen Aktivitätshöhepunkt, bereitet der Erreger langsam seinen Rückzug vor – die Folge: Das zuvor unbedingt erforderliche Virusstatikum ist nun fehl am Platz. Kaum weichen Viren, beginnen unliebsame Bakterien ihr Werk. Es entstehen bakterielle Superinfektionen – aufgeplatzte Bläschen und benachbarte Hautpartien beginnen zu brennen und zu nässen. Um bösartigen Entzündungen entgegenzuwirken, sind bakteriozid oder bakteriostatisch wirkende Präparate ein Muss.

 

Carboxenol

Auch Carboxenol wirkt keinesfalls ausschließlich virusstatisch. Denn der Wirkstoff bietet zudem entzündungshemmende Eigenschaften, die einer bakteriellen Superinfektion der betroffenen Stellen entgegenwirken. Das gelförmige Carbenoxolon sollte 4- bis 6-mal täglich bis zur vollständigen Abheilung der Läsionen auf die erkrankte Stelle aufgetragen werden. Eine Verabreichung kann auch bei Kindern erfolgen, jedoch sollten nur geringe Mengen dünn angewendet werden.

 

Aminosäure L-Lysin als Alternative

Die Zufuhr der Aminosäure L-Lysin bei Herpes labialis ist mittlerweile auch gut dokumentiert. L-Lysin verhält sich kompetitiv antagonistisch zur Aminosäure L-Arginin, welche die Vermehrung sowie das Wachstum von Herpes-Viren fördert. L-Lysin hungert den Virus damit buchstäblich aus.

Sowohl bei akuten Herpes-Infektionen als auch zur Reduktion von häufig wiederkehrenden Fieberblasen bietet L-Lysin „spurenlose“ Unterstützung. Der präventive Einsatz von L-Lysin vermag die Fieberblasen freie Zeit zu verlängern (Rezidivprophylaxe). Weiter fördert L-Lysin die Kollagensynthese – ein perfekter Zusatznutzen hinsichtlich einer raschen Wundheilung.



 

Fieberblasen-Pflaster

Eine neuartige Behandlung der Fieberblasen stellt der Einsatz von Fieberblasen-Pflastern dar, welche auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung beruhen. Im Grunde genommen sind die Pflaster bei Fieberblasen durchsichtige Plättchen. Diese klebt man bei den ersten Anzeichen auf die betroffenen Herpes-Stellen auf. Das soll vor weiteren Infektionen oder der Virusverbreitung schützen. Des Weiteren bewirken sie eine Schmerzlinderung, verringern Rötungen und Schwellungen und lindern unangenehmes Jucken.


Literatur:

Silva-Alvarez AF, de Carvalho ACW, Benassi-Zanqueta É, Oliveira TZ, Fonseca DP, Ferreira MP, Vicentini FTMC, Ueda-Nakamura T, Pedrazzi V, de Freitas O. Herpes Labialis: A New Possibility for Topical Treatment with Well-Elucidated Drugs. J Pharm Sci. 2021 Jun 29:S0022-3549(21)00349-X. doi: 10.1016/j.xphs.2021.06.029. Epub ahead of print. PMID: 34197838.

Leung AKC, Barankin B. Herpes Labialis: An Update. Recent Pat Inflamm Allergy Drug Discov. 2017;11(2):107-113. doi: 10.2174/1872213X11666171003151717.

Mailoo VJ, Rampes S. Lysine for Herpes Simplex Prophylaxis: A Review of the Evidence. Integr Med (Encinitas). 2017 Jun;16(3):42-46.


Quelle:

Lena Abensberg. Herpes labialis alternativ therapieren. MEDMIX online, Jänner 2020.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=herpes+labialis

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