Gesichtstransplantation bei Trauma und Tumoren

Komplexe lokale Rekonstruktionen bei Trauma und Tumoren: Eine sehr aufwendige komplette Gesichtstransplantation gelingen nicht immer zufriedenstellend.

Die vollständige Gesichtstransplantation konnten sich in Deutschland und den übrigen europäischen Ländern nicht durchsetzen. Vollständige Verletzungen der Weichteilbedeckung aller drei Etagen des Gesichtes kommen selbst bei schweren Unfällen ohne Beteiligung darunterliegender knöcherner Strukturen in Europa kaum vor.



 

Gesichtstransplantation erfordert lebenslange Therapie mit Immunsuppressiva

Die sehr aufwendigen kompletten Gesichtstransplantationen gelingen für das Empfinden des Betroffenen nicht immer zur Zufriedenheit: Nicht nur die Nerven für die mimische Muskulatur müssen so anastomosiert werden, dass sie funktionieren. Insbesondere auch die Tast- und Berührungssensibilität ist für langfristig zufriedenstellende Funktionen wesentlich. Dabei darf nicht vergessen werden, dass eine solche Transplantation die lebenslange Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten nach sich zieht.

Häufiger treffen Mund-, Kiefer- und Gesichts- (MKG-)Chirurgen auf Verletzungen von knöcherner Infrastruktur in Kombination mit Weichteildefiziten, die schrittweise ansprechend wiederhergestellt werden können. Als aktuelles Beispiel zeigen wir dazu die schwere Granatsplitterverletzung eines syrischen Jurastudenten.

Hierzu hatte eine erste lebensrettende Versorgung vor Ort und in Amman/Jordanien stattgefunden. Das Fehlen von Teilen der Oberlippe und des Oberkiefers zwang zu einer Ernährung über eine perkutane Magensonde (PEG). Die Rekonstruktion bediente sich eines seit Langem (1898) bekannten Verfahrens der Lippenrekonstruktion von Abbe. Der muskulokutane, zunächst gefäßgestielte Lappen gestattet die Transplantation von in Kolorit und Textur gleichem Gewebe inclusive der Behaarung. In einem zweiten Schritt werden dann die Weichteile intraoral mit einem mikrochirurgisch anastomosierten fasziokutanen Lappen vom Unterarm rekonstruiert sowie später Knochen und Zahnimplantate ergänzt.

Beispiele aus dem Bereich von Entzündung und Tumorchirurgie ergänzen das Bild. Mikrochirurgische Techniken der Rekonstruktion, heute meist 3-D geplant, gestatten Gewebetransfer von eigenem Knochen (zum Beispiel Wadenbein), der sekundär mit dentalen Implantaten versorgt werden kann, und zeitigen funktionell und ästhetisch ansprechende Resultate. Bei der extraoralen Weichgeweberekonstruktion wird bevorzugt ortsnahes Gewebe zur Transplantation herangezogen, denn so gelingen die unauffälligsten Wiederherstellungen.




Quelle:

Statement von Professor Dr. Dr. med. Gerd Gehrke, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG); Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – Plastische und Ästhetische Operationen, Diakoniekrankenhaus, Henriettenstiftung (DKH), Hannover

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