Auf den richtigen Mix kommt es an – mit Hilfsmitteln gezielt unterstützen

Bei einer im Alter neu auftretenden Sehbeeinträchtigung ist die Akzeptanz und Erwartung von Hilfsmitteln anders als bei jüngeren Menschen

Menschen mit altersbedingten Sehbeeinträchtigungen haben in der Regel ein Leben als „Sehende“ verbracht und haben auch an Hilfsmittel häufig Erwartungen wie Sehende (beispielsweise soll mit einem Lesegerät ein dickes Buch gelesen werden können), bestimmte Kulturtechniken wie Blindenschrift oder Gehen am Langstock oder Ähnliches sind für Sie kaum von Interesse.

Gerade im Alter bedarf es für eine gute Hilfsmittelnutzung einer guten Anpassung und Einführung in das Hilfsmittel

Um die Erwartungen an ein Hilfsmittel richtig einzuschätzen, bedarf es eines Trainings oder einer guten Einführung in das Hilfsmittel, eine reine Versorgung mit einem Hilfsmittel lässt dieses in der Regel in einer Schublade verschwinden (dies gilt im Übrigen im gleichen Maße für andere sensorische Einbußen wie beispielsweise beim Hörgerät).

Für eine gute Hilfsmittelnutzung im Alter muss der richtige Zeitpunkt im Krankheitsverlauf erwischt und erkannt werden

Nach Diagnosestellung einer progredienten altersbedingten Sehbeeinträchtigung, beispielsweise einer altersbedingten Makuladegeneration, begeben sich ältere Menschen mit Sehbeeinträchtigung häufig auf die „Suche nach Heilung“. Beim gut bekannten grauen Star ist diese doch einfach herzustellen. In dieser Phase ist die Empfehlung von Hilfsmitteln meines Erachtens noch recht unangebracht und findet wenig Gehör. Oft ist auch eine große Zeitspanne zwischen Diagnosestellung und tatsächlich eintretender Sehbeeinträchtigung. Mit zunehmender Akzeptanz der Erkrankung steigen auch das Interesse und der individuell gesehene Bedarf an Hilfsmitteln. Dies muss oder sollte gut durch Beratung begleitet werden.

Gerade im höheren Alter muss darauf geachtet werden, dass unter Umständen weitere altersbezogene Beeinträchtigungen (zum Beispiel Hören, Kognitionseinbußen) mit zu berücksichtigen sind bei der Hilfsmittelwahl

Häufig wird Sehbeeinträchtigung im Alter alleine betrachtet. Die Natur will es aber so, dass altersbedingte Beeinträchtigungen des Sehens im hohen Alter dann auftreten, wenn es wahrscheinlicher wird, dass auch andere Beeinträchtigungen im Alter hinzutreten. In unserem EU-Projekt SENSE-Cog haben wir die Trias von
Kognitionseinbußen, Hör- und Sehbeeinträchtigung in den Blick genommen und versucht, ein Beratungsangebot zu entwickeln, das die Vielfältigkeit der Bedarfe berücksichtigt.

Die Versorgungslandschaft auf der Grundlage unserer heterogenen Sozialgesetzgebung macht älteren Menschen mit Sehbeeinträchtigung die Beratung, Auswahl und Anpassung an Hilfsmittel nicht gerade leichter

Sind Hilfsmittel-, Rehabilitations- oder Beratungsleistungen bei einer Sehbeeinträchtigung im Alter in der Verantwortung von SGB V (Krankenversicherung), SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen), SGB XI (Soziale Pflegeversicherung) oder SGB XII (Sozialhilfe) zu verorten? Je nach individueller Lebenslage der Person können sich hier überall Elemente finden lassen. Dies macht es gerade für Menschen, die sich eventuell ein Leben lang nicht mit den mit den Büchern des Sozialgesetzbuchs beschäftigt haben, sehr schwierig, die für sie passende Leistung zu finden. Und selbst für Expert*innen in diesem Feld ist diese Zerklüftung der Sozialgesetzgebung dahingehend schwierig, gute und neue Leistungen zu entwickeln.


Quelle:

Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV): www.dbsv.org

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