Sonntag, Juli 14, 2024

Bluttest zur Diagnose von Alzheimer

Eine frühzeitige Diagnose mittels Bluttest erhöht die Chancen auf mögliche wirksame Therapien bei einer Alzheimer-Demenz.

Die Alzheimerkrankheit wird heute oft zu spät diagnostiziert. Forschende haben kürzlich einen Alzheimer-Bluttest entwickelt, der eine frühe Diagnose ermöglichen könnte. Dieser Test basiert auf einem immunochemischen Verfahren, das einen Infrarotsensor verwendet.

 

Alzheimer-Bluttest mit Biomarker zur Diagnose

Der Sensor ist mit spezifischen Antikörpern beschichtet, die Biomarker aus dem Blut oder Nervenwasser herausfiltern. Der Infrarotsensor misst, ob diese Biomarker krankhaft verändert sind, was bereits 15 Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome geschehen kann.

Ein großes Problem bei der Alzheimer-Diagnose ist, dass bei ersten klinischen Symptomen bereits irreversible Hirnschäden vorliegen. Zu diesem Zeitpunkt ist nur eine symptomatische Behandlung möglich.

Zukünftige Medikamente, die den Alzheimer-Krankheitsverlauf verlangsamen, erfordern dringend einen Bluttest, um eine Alzheimer-Diagnose in prädemenziellen Phasen zu ermöglichen. Frühzeitige Medikamenteneinsätze könnten die Demenz verzögern oder aufhalten.

 

Morbus Alzheimer und die Fehlfaltung des Amyloid-beta-Peptids

Der Biomarker, der beim neuen Bluttest verwendet wird, beschreibt die Struktur der Amyloid-beta-Peptide, die sich bei Alzheimer verändert. Fehlgefaltete Amyloid-beta-Peptide lagern sich zusammen und bilden Plaques im Gehirn, die schon 15 Jahre vor den Symptomen entstehen.

Bisher konnte man diese Plaques durch Positronen-Emissions-Tomografie (Amyloid-PET) sichtbar machen, was jedoch teuer und mit Strahlenbelastung verbunden ist. Die Forschenden entwickelten ein Verfahren, das diese Fehlfaltung nachweist. Der infrarotbasierte Sensor extrahiert gezielt Amyloid-beta-Peptide aus Körperflüssigkeiten. Das patentierte Verfahren wurde von Nervenwasser- auf Blutproben erweitert.

Das neue Verfahren analysiert die Verteilung aller Amyloid-beta-Strukturen, was eine präzise Diagnostik ermöglicht. Traditionelle Tests wie ELISA bestimmen nur die Gesamtkonzentration oder spezifische Konformationen, nicht aber die Verteilung aller Formen.

 

Ergebnisse und Potenzial

In Tests an 141 Patienten erreichte das neue Verfahren eine diagnostische Genauigkeit von 84 % im Blut und 90 % im Nervenwasser im Vergleich zum klinischen Goldstandard. Eine Zunahme fehlgefalteter Biomarker im Bluttest zeigt sich als spektrale Verschiebung der Amyloid-beta-Bande unter einem Schwellwert und ermöglicht die Alzheimer-Diagnose.

Eine Studie zeigte, dass auch in prädemenziellen Stadien ein erhöhter Anteil an fehlgefalteten Amyloid-beta-Peptiden nachgewiesen werden kann. Eine frühzeitige Diagnose beispielsweise mittels Bluttest erhöht die Chancen auf mögliche Therapien bei Alzheimer.

Der Sensor stellt einen wichtigen Fortschritt in der Alzheimer-Diagnose dar. Aktuell laufen Messungen an Proben von 800 Probanden, um die statistische Signifikanz weiter zu verbessern.


Literatur:

Nabers A, Ollesch J, Schartner J, Kötting C, Genius J, Haußmann U, Klafki H, Wiltfang J, Gerwert K. An infrared sensor analysing label-free the secondary structure of the Abeta peptide in presence of complex fluids. J Biophotonics. 2016 Mar;9(3):224-34. doi: 10.1002/jbio.201400145. Epub 2015 Mar 23. PMID: 25808829.

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