Montag, Juli 15, 2024

Rheumatag im Burgenland

Rheumatag im Burgenland: Frühzeitig erkennen – gezielt behandeln

 

„In Österreich sind rund zwei Millionen Menschen von rheumatischen Erkrankungen betroffen, allein im Burgenland fast 70.000“, so Mag. Norbert Darabos, Landesrat für Gesundheit und Soziales, im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des Burgenländischen Rheumatages am 15. Oktober im Festsaal der WKO in Eisenstadt. „Mit der burgendländischen Gesundheitspolitik – ‚Kurze Wege für ein langes Leben‘ – mit unseren fünf Krankenhäusern, mit unseren dezentralen Ambulanzen und Einrichtungen, versuchen wir PatientInnen, die unter rheumatischen Krankheitsbildern leiden, bestmöglich zu behandeln.“  Durch eine möglichst frühzeitige Diagnose und eine multimodale Therapie ist es heute in vielen Fällen möglich, Funktionseinschränkungen zu minimieren oder ganz zu vermeiden.

Der Überbegriff „Rheuma“ umfasst mehr als 400 verschiedene Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparates. Das Spektrum reicht von degenerativen Formen wie Arthrose über entzündlich bedingte Formen wie rheumatoide Arthritis bis hin zu Weichteilrheuma. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert alle mit Schmerzen oder Funktionsverlust einhergehenden Störungen des Bewegungsapparates und der Stützorgane – Muskeln, Sehnen, Knochen, Gelenke und Bänder – als Rheuma.

 

Medikamentöse Therapie im Wandel der Zeit

„Lange Zeit standen zur Linderung arthritischer Beschwerden bestenfalls pflanzliche Extrakte zur Verfügung“, berichtet OA Dr. Rene Fallent, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, Innere Abteilung, A.ö. Krankenhaus Güssing. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Acetylsalicylsäure das erste synthetisierte Medikament zur Linderung arthritischer Beschwerden entwickelt. Später folgten die Goldtherapie und Sulfasalazin. In den 1940er-Jahren wurde dann Kortison synthetisiert. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde die Methotrexat-Therapie in der Rheumatoiden Arthritis (RA) eingeführt.

Ende der 1990er-Jahre kam Leflunomid auf. In den 1990er-Jahren wurde mit der Entwicklung der ersten Biologika ein Durchbruch in der Behandlung vieler rheumatischer Erkrankungen erreicht. Zentrales Ziel ist es nun, Funktionseinschränkungen selbst sowie die Häufigkeit, Schwere und Dauer etwaiger auftretender Schübe möglichst zu reduzieren. Heute gelingt es bereits, bei etwa einem Drittel der Patienten einen kompletten Krankheitsstillstand (Remission) zu erreichen. Bei vielen anderen ist es möglich, eine niedrigere Krankheitsaktivität mit oft milderen, aber dennoch belastenden Schüben und einem langsameren Fortschreiten der Krankheit zu bewirken.

 

Hoher Stellenwert der Rehabilitation

Einen wesentlichen Stellenwert im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes nimmt die Ergo- und Physiotherapie ein – vorzugsweise im Rahmen einer Rehabilitation. „Hier werden dem Patienten einerseits gezielte Übungen zur Beschwerdelinderung gezeigt und andererseits Beratung und konkrete Anleitungen geboten, wie Alltagshandgriffe leichter zu bewältigen sind, beispielsweise das Öffnen einer Dose oder einer Flasche, das Benutzen einer Schere oder das Schneiden von Brot. Damit lassen sich – im besten Fall vorübergehende – Funktionseinschränkungen überbrücken“, erläutert Dr. Tamás Palotai, Facharzt für Rheumatologie und physikalische Medizin, Eisenstadt.

 

Rheuma und Beruf

Eine wichtige Aufgabe von Ärzten und Ergotherapeuten besteht darin, mit dem Rheumapatienten eine Berufsberatung durchzuführen bzw. sie darüber aufzuklären, welche Tätigkeiten für sie nachteilig sind. Beispielsweise sollten Patienten mit ausgeprägter rheumatoider Arthritis in den Hand- und Fingergelenken darauf achten, ihre Hände möglichst wenig und selten zu überlasten. Abzuraten ist von beruflichen Tätigkeiten, die in den Händen viel Kraft erfordern oder mit dem Heben von Gewichten verbunden sind. In derartigen Fällen sollte dem Patienten eine Umschulung empfohlen werden.

„Will der Patient in seinem Beruf bleiben, sollte er seinen Arbeitgeber über seine Krankheit und den Wunsch, weiter im Unternehmen tätig bleiben zu wollen, informieren“, so Dr. Palotai. Danach sollte mit dem Arbeitsmediziner und eventuell einem Ergotherapeuten eine möglichst optimale Anpassung des Arbeitsplatzes vorgenommen werden. Häufig lassen sich die Arbeitsabläufe durch bestimmte Hilfsmittel und Adjustierungen maßgeblich erleichtern, beispielsweise bei Computerarbeiten durch Stützen und Pads.

 

Rheumaliga – von Patienten für Patienten

Die österreichische Rheumaliga (ÖRL) besteht derzeit aus drei Landesgruppen und 22 Selbsthilfegruppen, vor kurzem hat Walter Strobl die Burgenländische Landesgruppe übernommen. „Wir planen regelmäßige Treffen, in denen wir Rheumagymnastik und Turnen anbieten. Medizinische Vorträge, Ausflüge, Wandern, Rad fahren oder Tanzen sind weitere Aktivitäten, die auf dem Programm stehen. Zudem stehen wir zum Erfahrungsaustausch zur Verfügung und veranstalten gemeinsam mit Rheumatologen österreichweit Informationstage, so wie den Rheumatag in Eisenstadt am 15. Oktober.“

 

Rheumatag: 15. Oktober 2015 von 13:00 bis 18:30 Uhr
Wirtschaftskammer Burgenland
Robert Graf-Platz 1
7000 Eisenstadt

Weitere Infos: http://www.rheumaliga.at

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