Sonntag, Mai 19, 2024

Medizinische Empfehlungen auf Reisen für Patienten mit CED

Der exotische Traumurlaub verlangt für CED-Patienten gründliche, medizinische Planung und Vorbereitung beim Reisen, wobei die Anstrengung notwendig und lohnend ist.

Ungewohnte Lebensumstände, die Begegnung mit völlig fremder Kost und »tropische« Krankheitserreger stellen auf solche Reisen hohe medizinische Anforderungen an reiselustige ­Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Vom betreuenden Gastroentero­logen oder Hausarzt benötigen die Patienten eine Auflistung aller Medikamente mit Angabe von Inhaltsstoffen und Dosis, einen rezenten Arztbrief (im Ideal­fall in englischer Sprache) sowie schriftliche Anweisungen, was zu tun ist, wenn sich ihr Zustand verschlechtert.

 

Impfungen für Patienten mit CED auf Reisen

Die für ein bestimmtes Reiseland wichtigen Impfungen unterscheiden sich nicht von den Empfehlungen für gesunde Reisende. Da Infektionen – und im Besonderen Infektionen des Darmtraktes – die Grundkrankheit aber fast immer verschlimmern, sollte man die Indikation zur Impfung großzügig stellen.

 

Basisimpfungen für Patienten mit CED auf Reisen

Die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Polio und Pertussis, sowie Hepatitis A und B sollten unabhängig von Reiseplänen aktuell gehalten werden. Bei Patienten unter Immunsuppression sollte der Impferfolg von Hepatitis A und B mittels Titerbestimmung überprüft – sowie die Auffrischungsabstände von Diphtherie / Tetanus auf 5 Jahre verkürzt werden.

 

Reiseimpfungen

Die Wahl der Reiseimpfungen hängt vom Reiseland, der Reisezeit und der Art der Reise ab. Da unter immunsupprimierender Therapie (beispielsweise anti-TNF-Therapie oder hohe Dosen Cortison) Lebend­impfungen kontraindiziert sind, muss diesen Patienten dringend von Reisen in Gelbfieber-Gebiete abgeraten werden. Das betrifft aber oft nur Teilbereiche der so genannten Gelbfieber-Länder (so sind die Küstenregion Brasiliens und die Andenregionen Perus oder ­Ecuadors frei von Gelbfieber, im Amazonastiefland liegende Gebiete nicht!).

Andere Lebendimpfungen in der Reisemedizin (oraler Typhusimpfstoff, oraler Polioimpfstoff) lassen sich durch die entsprechenden parenteralen Totimpfstoffe ersetzen, für Gelbfieber gibt es keinen adäquaten Ersatz. Bei großen Gruppenreisen oder Kreuzfahrten ist auch die Influenzaimpfung als Reiseimpfung zu sehen.

 

Malariaprophylaxe

CED-Patienten sind nicht anfälliger für Malaria als gesunde Reisende. Auch eine eventuelle Behandlung mit Biologika oder hochdosierten Steroiden ändert dies nicht. Damit gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen: Ein konsequenter Mückenschutz stellt die Basis jeder vernünftigen Malariaprophylaxe dar. Je nach dem Ausmaß des Malariarisikos kommt dazu eine Dauerprophylaxe (vor allem tropisches Afrika, Amazonastiefland) oder eine Notfall-Selbstbehandlung.

 

Durchfall

Da auch durch banale Durchfallserkrankungen eine Verschlechterung der CED ausgelöst werden kann, müssen Vorsichtsmaßnahmen und Möglichkeiten der Selbstbehandlung mit diesen Patienten besprochen werden. Im Gegensatz zu gesunden Reisenden kann auch eine frühzeitige Antibiotikatherapie Sinn machen. Dafür benötigen die Patienten aber neben den Medikamenten auch genaue (und schriftliche) Anweisungen.


Literatur:

Kaplan GG. The global burden of IBD: from 2015 to 2025. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2015 Dec;12(12):720-7. doi: 10.1038/nrgastro.2015.150. Epub 2015 Sep 1. PMID: 26323879.


Quelle: Empfehlungen zum Reisen für Patienten mit CED. Univ.-Doz. Dr. Ursula Hollenstein. MEDMIX 5/2007

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