Montag, Juli 15, 2024

Heilende Wirkung von Placebo effektiver, wenn Frauen die Behandlung machen

Frauen reagieren stärker auf Placebo, zudem hat Placebo eine stärkere heilende Wirkung, wenn Frauen die Behandlung vornehmen.

In der Medizin ist die heilende Wirkung von Placebo seit langem bekannt, der Effekt ist unbestritten. Auch Personen, die in Studien nur Placebo erhalten, verbessern ihre Symptomatik. So haben hilft der Placebo-Effekt, weniger Schmerzen sowie weniger Übelkeit zu haben. Und sogar Warzen können dadurch verschwinden.

 

Wirkung von Placebo versus Medikamente mit Wirkstoff

Placebo ist eine Art Scheinmedizin, ein Medikament ohne aktiven Wirkstoff, die aber trotz fehlendem Wirkstoff eine bestimmte Wirkung beziehungsweise eine Heilung hervorrufen. Dabei ist es wichtig, dass die Placebo-Gabe in Form, Farbe und Geschmack nicht vom richtigen Medikament zu unterscheiden ist. Enthalten ist jedoch lediglich Zucker, Kochsalz oder andere nicht wirksame Substanzen.

 

Heilende Wirkung von Placebo bei Frauen stärker

Wissenschaftler und Ärzte berichten, dass die Wirkung von Placebo vom Geschlecht der Patienten und auch vom Geschlecht der Studienärzte mitbestimmt ist. So sollen Frauen tendenziell häufiger auf die wirkstofflosen Präparate ansprechen als Männer.

Bei einer Studie zum Reizdarm-Syndrom sprachen in diesem Sinne Frauen häufiger auf Placebo an als Männer. Dementsprechend besserte sich durch Placebo bei jeder zweiten Patientin das Syndrom, aber nur bei etwa jedem vierten Mann.

 

Wirkung von Placebo stärker, wenn Frauen die Behandlung machen

Die Patienten scheinen zudem mehr Vertrauen zu Ärztinnen zu haben als zu Ärzten. Diesen Angaben zufolge sind Placebo-Effekte beim Reizdarm-Syndrom besonders unterschiedlich. So sprachen in einigen Studien 84 Prozent der Patienten auf ein Placebo an, in anderen waren es nur drei Prozent.

Einige Patienten bekamen das Placebo von einer Ärztin, die eine Zusatzausbildung in Psychotherapie hatte. Wenn sie das Placebo-Medikament einsetzte, so entfaltete sich eine Wirkung, bei jedem dritten Patienten den Zustand verbesserte. Kamen die Tabletten hingegen von ihren männlichen Kollegen ohne Zusatzausbildung, wirkten sie nur bei jedem vierten bis fünften Patienten.

Ähnliche Erfahrungen seien in Placebo-Studien zur Akupunktur gemacht worden. Auch da waren die Patienten häufiger überzeugt, dass sie eine echte Akupunktur erhalten hatten, wenn eine Therapeutin die Nadeln setzte.

 

Weitere Faktoren für eine stärkere Wirkung von Placebo

Es wird vermutet, dass auch die Qualifikation der Ärzte sowie die Dauer und Anzahl der Arztkontakte die Wirkung von Placebo beeinflussen. Sogar der kulturelle Hintergrund, die Nationalität und der Ort der Studie könnten sich auf die Wirkung von Placebo auswirken.

Patienten profitieren aber auch von der Aufmerksamkeit und der intensiveren Beziehung zu den in die Studie involvierten Ärzten, die ihnen in einer Placebo-kontrollierten Studie zuteilwerden, da sie häufige und intensive ärztliche Hilfe bekommen. So manche Menschen reagieren darauf positiv.

Auch Überzeugungen und Erwartungen und die Bedeutung der Behandlung spielen eine Rolle. Bei Patienten mit positiven Erwartungen an die Behandlung ist die Wirkung von Placebo deutlich stärker.

Wahrscheinlich ist eine Kombination von vielen psychologischen und physiologischen Mechanismen der Grund für eine teilweise starke Wirkung von Placebo. Hierzu sind aber weitere Untersuchungen notwendig. Denn es ist herauszufinden, wie verschiedene Faktoren zusammenhängen, um auch ohne Wirkstoffe eine Heilkraft zu erzeugen.


Literatur:

Hafliðadóttir SH, Juhl CB, Nielsen SM, Henriksen M, Harris IA, Bliddal H, Christensen R. Placebo response and effect in randomized clinical trials. Meta-research with focus on contextual effects. Trials. 2021 Jul 26;22(1):493. doi: 10.1186/s13063-021-05454-8. PMID: 34311793; PMCID: PMC8314506.

Braga-Simões J, Costa PS, Yaphe J. Placebo prescription and empathy of the physician: A cross-sectional study. Eur J Gen Pract. 2017 Dec;23(1):98-104. doi: 10.1080/13814788.2017.1291625. PMID: 28347193; PMCID: PMC5774274.


Quelle: Universität Thüringen – Fachbereich Psychologie

 

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