Herzklappenentzündung (Endokarditis): Symptome und Behandlung

Eine Herzklappenentzündung, medizinisch Endokarditis, ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Infektion der Herzinnenhaut und der Herzklappen. Wer die Warnzeichen kennt und sein eigenes Risiko einschätzen kann, gewinnt im Ernstfall wertvolle Zeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auslöser sind meist Bakterien, die über das Blut an die Herzklappen gelangen. Fieber ohne erkennbare Ursache ist ein zentrales Warnzeichen, vor allem bei Menschen mit Herzklappenerkrankung oder künstlicher Herzklappe. Behandelt wird über mehrere Wochen mit Antibiotika. Mehr als die Hälfte der Betroffenen braucht zusätzlich eine Herzoperation. Gute Zahn- und Hauthygiene beugt vor. Hochrisikopatienten erhalten vor bestimmten zahnärztlichen Eingriffen ein Antibiotikum. 

Was ist eine Herzklappenentzündung?

Bei einer infektiösen Endokarditis siedeln sich Krankheitserreger an der Herzinnenhaut und vor allem an den Herzklappen an. Typische Erreger sind Streptokokken aus dem Mundraum, Staphylococcus aureus und Enterokokken, seltener Pilze. Betroffen können die eigenen Herzklappen ebenso wie künstliche Klappen oder die Sonden von Herzschrittmachern und Defibrillatoren sein.

Die Erkrankung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich häufiger geworden. Trotz moderner Medizin sterben 20 bis 30 Prozent der Betroffenen noch im Krankenhaus. Frauen erkranken seltener als Männer und machen etwa ein Drittel der Fälle aus.

Symptome: Warum die Endokarditis ein Chamäleon ist

Die Deutsche Herzstiftung vergleicht die Endokarditis mit einem Chamäleon, weil sie sich hinter ganz unterschiedlichen Beschwerden verstecken kann. Häufig sind Allgemeinsymptome:

  • Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost und Schwitzen, Kopf- und Gliederschmerzen, anhaltende Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie eingeschränkte körperliche Belastbarkeit und schneller Herzschlag, manchmal auch kleine Einblutungen an Händen und Füßen.

Keines dieser Zeichen ist für sich genommen beweisend, und ihr Fehlen schließt die Erkrankung nicht aus. Die Leitlinie rät Risikopatientinnen und -patienten deshalb: Wer ohne ersichtlichen Grund Fieber hat, sollte zum Arzt gehen und auf sein Endokarditis-Risiko hinweisen. Wichtig ist, nicht auf eigene Faust Antibiotika einzunehmen. Sie können verhindern, dass der Erreger später in der Blutkultur gefunden wird.

Auch ein Schlaganfall kann das erste Zeichen sein: Unklares Fieber zusammen mit einem Schlaganfall bei einem Menschen mit Herzklappenerkrankung sollte immer an eine Endokarditis denken lassen.

Wer ist besonders gefährdet?

Die europäische Leitlinie teilt das Risiko in gering, mittel und hoch ein. Ein hohes Risiko haben:

  • Menschen, die schon einmal eine Endokarditis hatten, Menschen mit künstlicher Herzklappe oder nach einer Klappenoperation, auch nach Eingriffen per Katheter. Weiters auch Menschen mit bestimmten angeborenen Herzfehlern und Menschen mit einem Herzunterstützungssystem.

Darüber hinaus erhöhen weitere Faktoren das Risiko: eine Herzklappenerkrankung, Herzschrittmacher und Defibrillatoren, zentrale Venenkatheter, Dialyse, ein geschwächtes Immunsystem, das Spritzen von Drogen sowie kürzlich erfolgte zahnärztliche oder chirurgische Eingriffe und Krankenhausaufenthalte.

 

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose stützt sich auf zwei Säulen: Blutkulturen, mit denen der Erreger nachgewiesen wird, und bildgebende Verfahren. Die Blutproben sollten entnommen werden, bevor ein Antibiotikum gegeben wird. Erste Wahl bei der Bildgebung ist der Herzultraschall (Echokardiographie), zunächst von außen durch den Brustkorb und meist zusätzlich über die Speiseröhre als sogenanntes Schluckecho. Bei unklaren Befunden kommen CT, PET/CT oder MRT hinzu.

Behandelt wird in einem spezialisierten Endokarditis-Team aus Kardiologen, Herzchirurgen, Infektiologen und Mikrobiologen. Die Therapie besteht aus Antibiotika, zunächst bis zu zwei Wochen als Infusion im Krankenhaus. Stabile Patienten können die Behandlung danach ambulant per Infusion oder mit Tabletten für bis zu sechs Wochen fortsetzen.

Mehr als die Hälfte der Patienten braucht zusätzlich eine Herzoperation. Die drei Hauptgründe sind eine Herzschwäche durch die geschädigte Klappe, eine Infektion, die sich mit Antibiotika nicht beherrschen lässt, und die Vorbeugung von Embolien, vor allem im Gehirn. Je nach Dringlichkeit wird als Notfall innerhalb von 24 Stunden operiert, ansonsten wird innerhalb von drei bis fünf Tagen oder noch während desselben Krankenhausaufenthalts operiert.

 

Vorbeugen: Was Risikopatienten tun können

Für Menschen mit mittlerem und hohem Risiko empfiehlt die Leitlinie:

  • Zähne zweimal täglich putzen, professionelle Zahnreinigung und regelmäßige Kontrollen beim Dermatologen. Man sollte chronische Hauterkrankungen behandeln lassen und auch Bagatell-Wunden desinfizieren. Ebenfalls sollten bakterielle Infektionen ärztlich begutachtet werden und keine Antibiotika in Eigenregie eingenommen werden. Im besten Fall sollte auf Piercings und Tätowierungen verzichtet werden.

Eine Antibiotikaprophylaxe ist Hochrisikopatienten vorbehalten. Sie erhalten vor Zahnextraktionen, kieferchirurgischen Eingriffen und Behandlungen, bei denen das Zahnfleisch oder die Region der Zahnwurzelspitze verletzt wird, 30 bis 60 Minuten vorher einmalig ein Antibiotikum, in der Regel Amoxicillin. Bei mittlerem Risiko ist keine routinemäßige Prophylaxe vorgesehen, hier wird individuell entschieden.

Sprechen Sie Ihren Kardiologen und Ihren Zahnarzt darauf an. Hilfreich ist eine Informationskarte (Endokarditis-Ausweis), die Sie vor jedem Eingriff vorzeigen.


Häufige Fragen zur Herzklappenentzündung

Wie gefährlich ist eine Herzklappenentzündung?

Sie ist lebensbedrohlich: 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sterben im Krankenhaus, bei künstlichen Herzklappen sind es 20 bis 40 Prozent. Eine frühe Diagnose und die Behandlung durch ein spezialisiertes Team verbessern die Überlebenschancen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Antibiotika-Behandlung dauert mehrere Wochen. Bei einer Infektion der eigenen Herzklappe durch Streptokokken sind es in der Regel vier, bei künstlichen Klappen sechs Wochen.

Muss immer operiert werden?

Nein. Mehr als die Hälfte der Patienten wird jedoch zusätzlich zur Antibiotikatherapie am Herzen operiert, etwa bei Herzschwäche, nicht beherrschbarer Infektion oder hohem Embolierisiko.

Brauche ich vor dem Zahnarztbesuch ein Antibiotikum?

Nur wenn Sie zur Hochrisikogruppe gehören, also zum Beispiel eine künstliche Herzklappe tragen oder bereits eine Endokarditis hatten. Für Menschen mit geringem Risiko wird die Prophylaxe nicht empfohlen.

Kann eine Endokarditis wiederkommen?

Ja. Ärzte unterscheiden den Rückfall durch denselben Erreger und die Neuinfektion durch einen anderen. Das Risiko steigt unter anderem bei künstlichen Herzklappen, Dialyse, intravenösem Drogenkonsum und schlechter Mundhygiene. Kontrollen nach der Entlassung sind deshalb wichtig.

Lesen Sie auch: Herzklappenentzündung durch Mycobacterium chimaera nach Herz-OPs


Literatur:

Delgado V, Ajmone Marsan N, de Waha S, et al. 2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis. Eur Heart J. 2023;44(39):3948-4042. doi:10.1093/eurheartj/ehad193

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung. ESC Pocket Guidelines: Endokarditis, Version 2023. Börm Bruckmeier Verlag, Grünwald. ISBN 978-3-89862-348-3

de Waha S, Abdel-Wahab M, Al-Nawas B, et al. Kommentar zu den Leitlinien 2023 der ESC zur infektiösen Endokarditis. Kardiologie. 2024;18:447-457. doi:10.1007/s12181-024-00704-w

Deutsche Herzstiftung. Wie ein Chamäleon. Infografik Endokarditis. herzblatt 3/2023, S. 6-7

Bilder und Darstellungen werden mit Hilfe von KI erstellt.

Aktuelles

Related Articles

Menschen mit Bluthochdruck sollten für Reisen Vorkehrungen treffen

Um die Medikamente auf Reisen anpassen zu können, sollten Menschen mit Bluthochdruck ein persönliches Messgerät im Gepäck haben. Heutzutage sind Menschen im höheren Alter sehr...