Sonntag, Mai 19, 2024

Epidermolysis bullosa, Schmetterlingskrankheit: eine seltene Erbkrankheit

Bei Epidermolysis bullosa – der Erbkrankheit Schmetterlingskrankheit – reagiert die Haut empfindlich auf kleine Verletzungen oder Reibung, ähnlich wie Schmetterlingsflügel.

Wenn bei geringsten Einwirkungen die Haut Blasen oder Rissen entwickelt, so kann die seltene, nicht heilbare Erbkrankheit Epidermolysis bullosa (EB), umgangssprachlich auch als Schmetterlingskrankheit bezeichnet, schuld daran sein. Im Grunde genommen spricht man von hereditären blasenbildenden Dermatosen.

 

Blasenbildende Hauterkrankungen

Die Epidermolysis bullosa ist genetisch bedingt, bei der seltenen Erbkrankheit reagiert die Haut der Betroffenen im Grunde genommen sehr empfindlich auf kleinste Verletzungen oder Reibung. Man spricht von einer Schmetterlingshaut, ähnlich wie die Flügel eines Schmetterlings. Es kommt häufig zu einer intensiven, schmerzhaften Blasenbildung, die eben wegen einer mechanischen Reizung oft spontan entsteht. Allerdings leiden die betroffenen Patienten oft auch an chronischen, nicht heilenden Wunden. Zudem können auch die Finger und die Zehen zusammenwachsen.

Heutzutage stehen genaue molekulare Diagnoseverfahren für die Diagnose zur Verfügung. Erkrankungen wie Amyloidose, Lymphome sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Rheumaerkrankungen können das Risiko übrigens erhöhen.

 

Ursachen und Einteilung der Epidermolysis bullosa

Bei der Epidermolysis bullosa werden zwei Ursachen für entstehende Hautschäden unterschieden:

  • intraepidermale Blasenbildung: Defekt der Zell-Zell-Adhäsion, sodass die Epidermal-Zellen nicht zusammenhalten:
  • subepidermale Blasenbildung: Defekt der dermo-epidermalen Adhäsion, sodass sich die gesamte Epidermis von der Dermis trennt.

Aktuell teilt man die Gruppe der Schmetterlingskrankheit in vier Epidermolysis bullosa-Haupttypen ein:

  1. Epidermolysis bullosa simplex (EBS) – intraepidermaler Blasenbildung.
  2. junktionale Epidermolysis bullosa (JEB) – Spaltbildung entlang der Basalmembran.
  3. dystrophe Epidermolysis bullosa (DEB) – Spaltbildung unterhalb der Basalmembran in der oberen Dermis.
  4. Kindler-Syndrom – Spaltbildung in mehreren Ebenen des Basalmembranbereichs.

Unter dem Strich war die Ursache bei Patienten mit Epidermolysis bullosa lange Zeit ungeklärt. Unlängst konnten jedoch Forscher zeigen, dass ein neu entdeckter Gendefekt die Haut empfindlich und schnell verletzen lässt.

Neun von zehn der Betroffenen, die an der Hautkrankheit rezessive Epidermolysis bullosa dystrophica (RDEB) leiden, erkranken bis zu ihrem 55. Lebensjahr an Stachelzellkrebs, einer Art von Hautkrebs. 8 von 10 sterben innerhalb von fünf Jahren.

Beide Erkrankungen hängen zusammen, spezielle molekularen Mechanismen führen dazu, dass sich der Stachelzell-Tumor bei EB-Patientinnen und -Patienten besonders aggressiv verhält.

 

Interdisziplinäre Behandlung bei Epidermolysis bullosa

Wichtig ist für die Behandlung von Patienten mit Epidermolysis bullosa, dass hochspezialisierte Experten die betroffenen Neugeborenen, Kinder und Jugendlichen sowie auch Erwachsenen in einer interdisziplinär betreuen. Dabei muss die interdisziplinäre Behandlung angepasst sein an die verschiedenen Schwierigkeiten im Management der Hautverletzungen und Wunden erfolgen. Dazu gehören häufig auch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sowie von Augen und Zähnen.

Bis vor kurzem konnte man jedenfalls bei dieser Blasen bildenden Hauterkrankungen nur die Beschwerden behandeln beziehungsweise lindern. Dazu gehört eine adäquate Wundversorgung sowie eine wirksame Schmerztherapie.

Patienten sollten vor allem auch vorbeugende Maßnahmen unternehmen, um Verletzungen, Wunden, Blasen sowie Risse zu vermeiden. Bei Verwachsungen sowie auch Kontrakturen können Operationen helfen.

Bei rezessiver dystrophischer Epidermolysis bullosa verringerte Losartan die Blasenbildung und verbesserte die Lebensqualität der betroffenen. Wobei der Angiotensin-II-Rezeptoren-Antagonist (AT1-Blocker, AT1-Rezeptorantagonist) Losartan eigentlich ein Mittel gegen Bluthochdruck ist.

 

Stammzelltherapie bei rezessiver dystrophischer Epidermolysis bullosa

Unter dem Strich haben kombinatorische Zell- und Gentherapien ein enormes Potenzial für die präklinische und klinische Behandlung von lebensbedrohlichen Erbkrankheiten der Haut wie der rezessiven dystrophischen Epidermolysis bullosa, bei der die Forschung mittlerweile signifikante Fortschritte erzielen konnten. Unlängst konnten Wissenschaftler beispielsweise eine neue Behandlung mit genetisch veränderten, Patienten-eigenen Stammzellen entwickeln. Diese half dabei, dass sich die Haut regeneriert.

Im Grunde genommen bringt ein zellbasierter Gentransfer unter Verwendung autologer Stammzellen der Patienten positive Ergebnisse.

Die gezielte kombinatorische gen- und zellbasierte Behandlung soll auch gute Langzeiteffekte erzielen. Darüber hinaus können adulte Stammzellen wie mesenchymale Stromazellen systemische Symptome der Krankheit verbessern.

Schließlich könnten induzierte pluripotente Stammzellen möglicherweise eine wertvolle Quelle für autologes Patientenmaterial für Zelltherapien darstellen. Darüber hinaus können die jüngsten Fortschritte auf dem Gebiet der Geneditierung mittels molekularbiologischen Techniken zur zielgerichteten Veränderung von DNA (CRISPR) Hürden überwinden, die mit herkömmlichen Ansätzen zur Genaddition (Ersatz defekter Gene durch intakte Kopien) verbunden sind.


Literatur:

Inamadar AC. Losartan as disease modulating therapy for Recessive Dystrophic Epidermolysis Bullosa (RDEB) [published online ahead of print, 2020 Sep 5]. Dermatol Ther. 2020;e14279. doi:10.1111/dth.14279

Naso G, Petrova A. Cellular therapy options for genetic skin disorders with a focus on recessive dystrophic epidermolysis bullosa [published online ahead of print, 2020 Sep 4]. Br Med Bull. 2020;ldaa029. doi:10.1093/bmb/ldaa029

Nyström A, Thriene K, Mittapalli V, et al. Losartan ameliorates dystrophic epidermolysis bullosa and uncovers new disease mechanisms. EMBO Mol Med. 2015;7(9):1211-1228. doi:10.15252/emmm.201505061. PMCID: PMC4568953

Has et al. Inherited epidermolysis bullosa: New diagnostics and new clinical phenotypes. Exp Dermatol. 2018 Apr 20. doi: 10.1111/exd.13668. [Epub ahead of print]

He et al. Monoallelic Mutations in the Translation Initiation Codon of KLHL24 Cause Skin Fragility. Am J Hum Genet. 2016 Dec 1;99(6):1395-1404. doi: 10.1016/j.ajhg.2016.11.005. Epub 2016 Nov 23.

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