Freitag, März 1, 2024

Neue Erkenntnisse zu den Ursachen von Fettleber und Leberkrebs

Immunzellen, die in die Leber einwandern, können die Ursachen von Fettleber und Leberkrebs sein. Diese neue Erkenntnis bietet Ansatzpunkte für Vorbeugung und Behandlung.

Immunzellen, die in die Leber einwandern und dort mit Zellen des Lebergewebes interagieren, können die Ursachen von Fettleber, nicht-alkoholische Steatohepatitis und Leberkrebs sein. Wissenschafter des Helmholtz Zentrums München konnten diesen bislang unbekannten Entstehungsmechanismus dieser schweren und weit verbreiteten Erkrankungen identifizieren. Neben der durch massiven Alkoholkonsum verursachten Fettleber entwickelt sich eine so genannte nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD) vor allem durch übermäßigen Konsum von Fett und Zucker und wenig Bewegung.

In Kombination mit einer chronische entzündliche Gewebsreaktion kann dadurch eine nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) entstehen. Diese Lebererkrankungen sind neben chronischen Virusinfektionen die häufigste Ursache von Leberkrebs (Hepatozelluläres Carcinom, HCC).

 

Weltweit immer mehr Betroffene mit Fettleber und Leberkrebs

In den USA leiden etwa 90 Millionen Menschen an einer Fettleber, in Europa sind es mehr als 40 Millionen und auch in Schwellenländern (z.B. Indien und China) steigt die Zahl der Betroffenen aufgrund eines zunehmend ungesunden Lebensstils. Auch das aus NASH und NAFLD resultierende HCC nimmt weltweit zu – in den USA ist das HCC die am schnellsten wachsende Krebserkrankung. Eine effiziente kausale Therapie für Patienten mit Leberkrebsexistiert nicht.

Ohne Anzeichen einer Leberentzündung ist eine Fettleber nicht weiter bedenklich. Es sollten vor allem die Ernährung angepasst und Alkoholabstinenz eingehalten werden, um Fetteinlagerungen vollständig rückbilden zu können. Bei starkem Übergewichts bzw. Adipositas ist eine Diät angezeigt. Pflanzlich kann mit Mariendistel bzw. ihrem Wirkstoff Silymarin behandelt werden.

Immunzellen – insbesonders T-Zellen – sind an der Entstehung von Fettleber, Steatohepatitis und Hepatozellulärem Karzinom beteiligt

Die Mechanismen, wie Fettleber, Steatohepatitis und HCC entstehen, sind weitgehend noch unverstanden. Immunzellen, insbesondere CD8+ T-Zellen und NK T-Zellen, scheinen dabei aber eine wichtige Rolle zu spielen. Dies hat das Wissenschafter-Team um Prof. Dr. Mathias Heikenwälder, Prof. Dr. Matthias Tschöp, Dr. Kerstin Stemmer, Dr. Kristian Unger und Prof. Dr. Ulrike Protzer vom Helmholtz Zentrum München gemeinsam mit einem Team um Prof. Dr. Percy Knolle an der Technischen Universität München und Prof. Dr. Achim Weberund Dr. Monika Wolf vom Universitätsspital Zürich herausgefunden.

Im Tiermodell, mit dem die langfristigen Auswirkungen des metabolischen Sydroms untersucht werden, konnten die Wissenschaftler neuartige Mechanismen aufklären, die zu Fettleber und NASH führen und auch zeigen, wie daraus Leberkrebs entstehen kann.

Entzündungsgeschehen bietet Ansatzpunkte für Prävention und Therapie

Die Forscher gehen davon aus, dass das vorliegende metabolische Ungleichgewicht dazu führt, dass Immunzellen aktiviert werden und in die Leber einwandern. Dort interagieren die Immunzellen mit den Leberzellen und lösen einen gewebeschädlichen Entzündungsprozess sowie eine Destabilisierung der metabolischen Aktivität der Leberzellen aus. „Zunächst kommt es zu einer Verfettung der Leber. Die Entzündung fördert mit spezifischen Immunzellen das Voranschreiten der Fettleber und führt zur Entstehung von NASH.

Diese Prozesse sind die Grundlage für eine Entartung von Leberzellen, die zum HCC führen kann“, erklärt Studienleiter Heikenwälder. „Unsere Ergebnisse liefern einen völlig neuen Einblick in die Entstehung dieser schweren Lebererkrankungen. Darauf aufbauend wollen wir nun neue präventive bzw. therapeutische Strategien gegen die Krankheiten entwickeln.“ Erste Studien im präklinischen Modell laufen bereits.

Die Ergebnisse sind im Fachjournal ‚Cancer Cell‘ als Cover-Story publiziert. Wolf, M. et al. (2014), Metabolic activation of intrahepatic CD8+ and NKT-cells causes nonalcoholic steatohepatitis and hepatocellular carcinoma via cross-talk with hepatocytes. Cancer Cell, doi: 10.1016/j.ccell.2014.09.003

Bild: Eine effiziente kausale Therapie für Leberkrebs-Patienten existiert derzeit nicht © Lightspring / shutterstock.com

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