Dienstag, Juli 2, 2024

Tiefe Hirnstimulation (THS) bei Parkinson

In bestimmten Stadien der Parkinson-Krankheit setzt man die tiefe Hirnstimulation (THS) seit vielen Jahren erfolgreich an.

Die Parkinson-Krankheit kann, wenn sie unbehandelt bleibt, schnell zu einer erheblich verschlechterten Lebensqualität führen. Die übliche medikamentöse Behandlung, die als beste medizinische Therapie bezeichnet wird, hat jedoch oft langfristig ihre Grenzen aufgrund möglicher Nebenwirkungen und abnehmender Wirksamkeit. In bestimmten Situationen, wie fortgeschrittenen Stadien der Krankheit oder auch bei frühen motorischen Komplikationen, kann die tiefe Hirnstimulation (THS) eine zusätzliche Option sein, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich angewendet wird.

 

Tiefe Hirnstimulation (THS) hilft Parkinson-Patienten, die Lebensqualität zu stabilisieren

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) kann die Symptome bei Parkinson erheblich lindern und die Lebensqualität über viele Jahre hinweg stabilisieren. Dies erfolgt durch die dauerhafte Implantation von Elektroden in einem chirurgischen Eingriff, gefolgt von einer elektrischen Stimulation gemäß einem vorher festgelegten Protokoll. Ob die Anwendung der THS einen bedeutenden Mehrwert im Vergleich zur alleinigen medikamentösen Therapie bieten kann, muss in jedem einzelnen Fall beurteilt werden.

 

Elektroden richtig platzieren

Damit die elektrischen Impulse richtig wirken, ist es entscheidend, dass die Elektroden an bestimmten Stellen im Gehirn richtig platziert werden, wie zum Beispiel im Subthalamus (auch Nucleus subthalamicus oder STN genannt, unterhalb des Thalamus).

Die Methode der tiefen Hirnstimulation (THS) wurde über die Jahre weiterentwickelt, um die genaue Positionierung der Elektroden individuell zu optimieren und vorherzusagen, wie stark sie auf verschiedene Parkinson-Symptome wirken werden. Wie beispielsweise Zittern oder das Einfrieren beim Gehen (Freezing of Gait / FOG).

 

FOG-Vorhersagetest

In einer Studie wurde eine videoaufgezeichnete Ganganalyse durchgeführt, während ein Levodopa-Test durchgeführt wurde, um vor der Operation einzuschätzen, wie stark der FOG-Effekt der THS sein würde. Dabei hat sich gezeigt, dass der „Wendetest“ (die Verbesserung der Körperdrehung nach Einnahme von Levodopa) besonders gut vorhersagen konnte, wie die THS wirken würde.

Dieser FOG-Vorhersagetest soll nun in einer zukünftigen Studie genauer untersucht werden. Neben den klinischen Faktoren wurde auch erforscht, ob genetische Unterschiede bei Parkinson dazu beitragen können, vorherzusagen, wie gut die tiefe Hirnstimulation wirken wird.

Es stellte sich heraus, dass bestimmte genetische Marker (genetische Varianten) vorhersagen können, wie sich die motorischen Symptome verbessern oder wie sich die Lebensqualität verändert.


Literatur:

Gavriliuc O, Paschen S, Andrusca A, Schlenstedt C, Deuschl G. Prediction of the effect of deep brain stimulation on gait freezing of Parkinson’s disease. Parkinsonism Relat Disord. 2021 Jun;87:82-86. doi: 10.1016/j.parkreldis.2021.04.006. Epub 2021 Apr 20. PMID: 34015693.

Weiss D, Landoulsi Z, May P, Sharma M, Schüpbach M, You H, Corvol JC, Paschen S, Helmers AK, Barbe M, Fink G, Kühn AA, Courbon CB, Wojtecki L, Damier P, Fraix V, Houeto JL, Regis J, Sixel-Döring F, Pinsker MO, Thobois S, Gharabaghi A, Stoker V, Timmermann L, Schnitzler A, Krack P, Vidailhet M, Deuschl G, Krüger R. Genetic stratification of motor and QoL outcomes in Parkinson’s disease in the EARLYSTIM study. Parkinsonism Relat Disord. 2022 Oct;103:169-174. doi: 10.1016/j.parkreldis.2022.08.025. Epub 2022 Sep 8. PMID: 36117018.

Pinto S, Nebel A, Rau J, Espesser R, Maillochon P, Niebuhr O, Krack P, Witjas T, Ghio A, Cuartero MC, Timmermann L, Schnitzler A, Hesekamp H, Meier N, Müllner J, Hälbig TD, Möller B, Paschen S, Paschen L, Volkmann J, Barbe MT, Fink GR, Becker J, Reker P, Kühn AA, Schneider GH, Fraix V, Seigneuret E, Kistner A, Rascol O, Brefel-Courbon C, Ory-Magne F, Hartmann CJ, Wojtecki L, Fradet A, Maltête D, Damier P, Le Dily S, Sixel-Döring F, Benecke P, Weiss D, Wächter T, Pinsker MO, Régis J, Thobois S, Polo G, Houeto JL, Hartmann A, Knudsen K, Vidailhet M, Schüpbach M, Deuschl G; EARLYSTIM Study Group. Results of a Randomized Clinical Trial of Speech After Early Neurostimulation in Parkinson’s Disease. Mov Disord. 2023 Feb;38(2):212-222. doi: 10.1002/mds.29282. Epub 2022 Dec 3. PMID: 36461899.

Related Articles

Aktuell

Allergische Kontaktdermatitis: Klinik und Behandlung von Kontaktallergien

Klinische Aspekte zu Vorbeugung und Behandlung bei Kontaktallergien wie allergische Kontaktdermatitis erfassen zahlreiche Lebensbereiche. Kontaktallergien können sowohl den privaten als auch beruflichen Bereich stark beeinflussen....
- Advertisement -

Latest Articles

Enuresis – beim Einnässen von Kindern an alles denken

Prinzipiell muss man zwischen der klassischen Enuresis und der nicht organischen und organischen Harninkontinenz unterscheiden. Beim Einnässen von Kindern muss man zwischen erstens der klassischen Enuresis,...

Diabetes und Bluthochdruck

Zwischen Diabetes und Bluthochdruck bestehen komplexe patho­physiologische Interaktionen, die besonders auch an der Niere zur Manifestation kommen. Diabetes und Bluthochdruck. Bekanntermaßen ist heutzutage der Diabetes...

Ausreichend viel Wasser trinken gegen Diabetes und Übergewicht

Viel Wasser trinken macht bei Diabetes viel Sinn, denn so kann man die Entstehung verzögern beziehungsweise den Verlauf des Diabetes positiv beeinflussen. Im Grunde genommen hilft es...