Donnerstag, März 30, 2023

7. Internationaler Wundkongress in Regensburg

Der Internationale Wundkongress in Regensburg befasst sich mit neuesten Methoden der Wundversorgung für länderübergreifende Sicherung von Qualitätsstandards.

Kurz ist man unachtsam, schon ist es passiert – man zieht sich eine Verletzung zu. Ob man sich beim Kochen in den Finger schneidet oder beim Sport verletzt, bestimmt hatte jeder schon einmal eine Wunde. Wunde ist aber nicht gleicht Wunde. Viele heilen in kurzer Zeit von selbst ab, andere dagegen nur sehr langsam. Bei letzteren spricht man von chronischen Wunden. Schätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu vier Millionen Menschen davon betroffen. In der Therapie gilt es, für solch chronische Wunden aus verschiedenen Szenarien und Möglichkeiten die richtige Behandlungsmethode auszuwählen. Dieser Vorgang gleicht manchmal einer akribischen Spurensuche oder Ermittlungsarbeit. Der Verein der Freunde und Förderer der Pflege am Universitätsklinikum Regensburg e.V. (VFFP) und die Klinik und Poliklinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) haben den diesjährigen Internationalen Wundkongress daher unter das Motto „Die Wunde als Tatort“ gestellt. Vom 18. bis 19. November 2016 tauschen sich über 500 Pflegekräfte aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Ukraine, Polen, Slowakei, Tschechien und sogar Griechenland in der Universität Regensburg über neueste Methoden und Herausforderungen bei der Wundversorgung aus.

Eröffnet wird der Kongress von Dr. Mark Benecke. Der bekannte Kriminalbiologe und Spezialist für Forensische Entomologie spricht zum Thema „Fliegen und Maden als Mitarbeiter“. Passend zum Kongressmotto legt Dr. Benecke dabei den Fokus auf die Ermittlungsarbeit an Tatorten und in der Gerichtsmedizin, bei denen Fliegen und Maden an Leichen wertvolle Hinweise liefern. Insektenlarven werden aber auch zur Behandlung von chronischen und infizierten Wunden eingesetzt. Die Maden werden dabei in einem Säckchen in die Wunde eingesetzt. Dort ernähren sie sich von abgestorbenem Gewebe und sondern zugleich ein antibakteriell wirkendes Sekret auf das Wundgebiet ab. Die Wunde wird so gereinigt, und Keime, sogar antibiotikaresistente, können vernichtet werden.

„Wir wollen mit dem Wundkongress das komplette Spektrum von für die Wundbildung riskanten Krankheitsbildern über moderne Diagnostik und Wundversorgung bis hin zu Präventionsmaßnahmen abbilden“, erläutert Thomas Bonkowski, 1. Vorsitzender des VFFP. „Länderübergreifend sollten gleich hohe Qualitätsstandards in der Wundversorgung gelten. Hierzu wollen wir beitragen, indem medizinische Spezialisten ihr Wissen und ihre Erfahrung über Ländergrenzen hinweg weitergeben.“

So warten auf die Kongressteilnehmer viele Vorträge medizinischer Experten zum Tatort Wunde. Hinter dem Titel „Technik wird zum Tatortbereiniger“ verbirgt sich beispielsweise eine Methodik zur Hilfe bei Durchblutungsstörungen in den Beinen. Ähnlich eines Schrittmachers kann ein Neurostimulator implantiert werden, der die Gefäßneubildung fördert und so die Durchblutung verbessert. Auf eine Verbesserung der Durchblutung geht auch der Vortrag „Wie Verbrechen gesühnt werden“ ein. Bei einem Gefäßverschluss im Herzen oder auch in den Beinen können durch den Vorgang der Arteriogenese kleine Blutgefäße zu Arterien heranwachsen und so die Blutversorgung sicherstellen.

Höhepunkt im Vortragsprogramm bildet eine Live-Schaltung in den Operationssaal. Dabei bekommen die Kongressteilnehmer zu sehen, wie ein Aneurysma, eine Aussackung eines Blutgefäßes, im Bauchraum versorgt wird.

 

Hintergrundinformation: Wundheilungsprozesse

Wunden können gemäß ihrer Heilungsprozesse unterschieden werden. Von einer primären Wundheilung spricht man bei Wunden, deren Wundränder weniger als einen Millimeter auseinanderliegen. Eine solche Verletzung kann der Körper leicht reparieren. Wenn die Wundränder weiter voneinander entfernt liegen und zur Heilung viel Narbengewebe gebildet werden muss, handelt es sich um eine sekundäre Wundheilung.

Der Heilungsprozess ist in verschiedene Phasen unterteilt. Verletzt man sich, beginnen an der entsprechenden Stelle sofort die Blutplättchen zu verkleben, und die Blutgerinnung setzt ein. Zudem werden von den Zellen Botenstoffe freigesetzt, die Wundheilungsprozesse initiieren. Nach dieser ersten Latenzphase folgt die Reinigungs- und Entzündungsphase. Spezialisierte Zellen bauen beschädigte Gewebebestandteile ab, und gleichzeitig schwemmt das Wundsekret Keime und Fremdkörper aus der Wunde. Bereits eingedrungene Keime werden durch das Immunsystem bekämpft. Zudem legt sich das Gerinnungseiweiß Fibrin wie Kleber über die Wunde.

Danach beginnt die Granulationsphase. Die Wunde füllt sich mit neuem Gewebe, und es bilden sich Gefäße, die das Granulationsgewebe mit Blut versorgen. Die letzte Phase der Wundheilungsprozesse bezeichnet man als reparative Phase.

Kollagenfasern entstehen und die Wunde wird stabiler. Bis eine Narbe aber voll ausgebildet ist, kann es bis zu einem Jahr dauern. Die Blutgefäße bauen sich in dieser Zeit allmählich ab, wodurch Narben verblassen.

Quelle: www.ukr.de

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