Donnerstag, April 18, 2024

Medizinische Notfälle durch ein Altersherz

Medizinische Notfälle treten im höheren Alter durch ein Altersherz viel öfter auf. Gegen medizinische Notfälle kann vor allem umfassende Aufklärung helfen.

Das Risiko für medizinische Notfälle steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Vor allem das sogenannte Altersherz – eine Herzinsuffizienz, an dem Millionen Menschen leiden – ist Verursacher dafür. Denn dann ist das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen, wobei zwischen einer chronischen, oft Jahre lang andauernden und einer akuten Herzinsuffizienz unterschieden wird. Das Altersherz kann Folge eines Herzinfarkts sein kann. Die häufigste Ursache für eine chronische Herzschwäche sind aber andauernde hohe Blutdruckwerte.

 

 

Medizinische Notfälle durch Bluthochdruckkrise

Eine Bluthochdruckkrise, die ohne oder nur mit leichten Beschwerden einhergeht, hat häufig ihre Ursache in der vergessenen Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten. In diesem Fall sollte die Medikamenteneinnahme sofort nachgeholt werden. Bei zu geringer Wirkung der Medikation sollte dem Patienten eine Bedarfsmedikation – zum Beispiel 10 mg Nitrendipin oder 10 mg Nisoldipin – zur Einnahme dauerhaft zur Verfügung stehen, um den Blutdruck rasch um 20 bis 30 mmHg rasch senken zu können. Wenn der Blutdruck weiterhin hoch bleibt, sollte der betroffene Patient sofort den behandelnden Arzt oder eine Klinik konsultieren.

Plötzlich hoher Blutdruck. Wenn sehr hoher Blutdruck zum ersten Mal aufgetreten ist, ist eine umfassende Untersuchung beim Arzt oder in der Klinik angezeigt. Geht ein plötzlicher Blutdruckanstieg mit starken Beschwerden – wie zum Beispiel Brustschmerzen, Luftnot, Benommenheit Lähmungen, Übelkeit/Erbrechen, Schwindel, eventuell auch mit Kopfschmerzen, Seh- oder Sprechstörungen – einher, so liegt ein Bluthochdrucknotfall vor.

Nicht die Höhe des Blutdrucks ist hier entscheidend, sondern die Beschwerden! Ursächlich könnten ein Hirnödem, Herzinfarkt, Herzversagen, Lungenödem oder auch ein Einriss der Hauptschlagader sein. Daher ist ein Rettungswagen mit Notarzt unter der Telefonnummer 112 unmittelbar zu alarmieren.

 

Alarmzeichen für einen Herzinfarkt

Typische Alarmzeichen für einen Herzinfarkt sind schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals und Kiefer ausstrahlen können oder im Oberbauch lokalisiert sind. Weitere, eher untypische Alarmzeichen können Übelkeit, Brechreiz, Angst, Schwächegefühl, blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß, ausgeprägte Luftnot oder nächtliches Erwachen mit Schmerzen im Brustkorb sein. Bei älteren Patienten schieben sich eher die untypischen Beschwerden in den Vordergrund. Beim Herzinfarkt zählt jede Minute, da die Gefahr des unwiederbringlichen Verlustes von Herzmuskelgewebe mit jeder Minute größer wird. Besonders schwierig ist die Lage älterer Patienten, die allein leben. Ihnen wird empfohlen, sich an ein Hausnotrufsystem anzuschließen, wie es die Rettungsorganisationen anbieten.

Eine große Gefahr ist Kammerflimmern, die bei jedem Herzinfarkt auftreten kann. Kammerflimmern bedeutet Herzstillstand. Erste Maßnahme ist dann eine Herzdruckmassage, bis ein Defibrillator einsatzbereit ist. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt ist daher sofort die Notrufnummer 112 anzurufen, um einen Rettungswagen mit Notarzt zu alarmieren. Jeder Rettungswagen, jede Klinik ist mit Defibrillatoren ausgestattet, die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen elektrisch beseitigen. Im Krankenhaus ist dann die rasche Öffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mit Kathetertechnik und Einsetzen eines Stents beim Herzinfarkt oft lebensrettend.

 

Akute Herzschwäche

Eine akute Herzschwäche kann als akutes, lebensbedrohliches Herzversagen (kardiogener Schock) oder Lungenödem (zum Beispiel bei Entgleisen einer chronischen Herzschwäche) auftreten. Eine akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels (Herzinfarkt) kann zu einem akuten Herzversagen führen. Beschwerden können Brustschmerzen, Luftnot, feuchter, sogar schaumiger Husten, kaltschweißige Haut, Herzrasen, Blutdruckabfall, Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit sein. Beim Lungenödem können extreme Luftnot (am schlimmsten im Liegen), Husten mit Flüssigkeit oder Schaum aus Rachen und Mund oder Todesangst auftreten. In beiden Fällen ist sofort der Notarzt unter 112 zu rufen. Eine akute Entgleisung einer Herzschwäche ist in Deutschland der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen. Für eine Entgleisung der Herzschwäche sind oft Therapiefehler verantwortlich, wie zum Beispiel die unzuverlässige Einnahme von Medikamenten oder die übermäßige Zufuhr von Salz oder Flüssigkeit.

Quelle:

Statement » Medizinische Notfälle im Alter: Was zu tun ist und wie man sich vorbereiten kann « von Privatdozent Dr. Philipp Bahrmann, Chefarzt Medizinische Klinik II − Allgemeine Innere Medizin, Geriatrie und Frührehabilitation der Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Geriatrie, Notfall- und Intensivmedizin anlässlich des 12. Patiententages der DGIM.

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