Montag, Mai 20, 2024

Schlaganfallrisiko: Frühes Ultraschall-Screening auf Carotisstenosen

Ein frühes Ultraschall-Screening im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen ist sinnvoll, um asymptomatische Carotisstenosen aufzuspüren.

Bei sehr vielen Patienten, die einen Schlaganfall erleiden, ist die Ursache eine Verengung oder ein Verschluss der inneren Halsschlagader – die sogenannte Carotisstenose. Denn die für Verengung verantwortlichen Kalkablagerungen in der Carotis können aufbrechen. Danach können sie als Gerinnsel ins Gehirn verschleppt werden und so einen Schlaganfall auslösen. Experten für Ultraschalldiagnostik sind heutzutage in der Lage, bereits frühzeitig leichte Veränderungen der Blutgefäße, einschließlich Carotisstenosen, sehr gut mittels einer Sonografie der Halsgefäße zu erkennen. Es wird diskutiert, ob ein Carotis-Ultraschallscreening als Teil von Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll wäre und ob asymptomatische Carotisstenosen bei älteren Menschen zwangsläufig eine Operation nach sich ziehen müssen.

 

Bewährt zur Risikoabschätzung: Mit Ultraschall-Untersuchung Carotis

Der Schlaganfall zählt weiterhin zu den führenden Todesursachen in vielen Regionen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für die Patienten. Die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader ist eine weit verbreitete Methode, um das individuelle Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, insbesondere Schlaganfälle, zu beurteilen.

Mittels Ultraschall kann ein Arzt erkennen, ob die Halsschlagader (Carotis) eine erhöhte Intima-Media-Dicke aufweist, was eine Verdickung der inneren und mittleren Schicht der Gefäßwand bedeutet, oder ob Plaques vorhanden sind, die aus Lipid- und Kalkablagerungen bestehen. Wird eine solche Veränderung festgestellt, ist es ratsam, dass Patienten ermutigt werden, ihren Lebensstil anzupassen. Dazu gehören mehr Bewegung, eine Gewichtsreduktion, eine eventuelle Umstellung der Ernährung sowie das Aufgeben des Rauchens. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu verringern.

 

Vorbeugung

Zusätzlich ist es entscheidend, bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte konsequent zu behandeln, um das Risiko eines Gefäßverschlusses zu reduzieren. Bei Risikopatienten, insbesondere bei jenen mit erblicher Vorbelastung, sind präventive Therapien auch schon im berufsfähigen Alter dringend zu empfehlen. Daher ist das Carotis-Ultraschallscreening im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen durchaus sinnvoll.

Wenn Kalkablagerungen aus Plaques zu manifesten Stenosen, also Verengungen der Halsschlagader, führen, können diese aufbrechen. Die daraus resultierenden Gerinnsel können ins Gehirn verschleppt werden und einen Schlaganfall verursachen. Die Entscheidung über die geeignete Therapie nach einer entsprechenden Diagnose sollte interdisziplinär getroffen werden. Das Carotis-Screening darf dabei nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage herangezogen werden.

Bei allen Patienten mit Stenosen der Halsschlagadern ist eine detaillierte Nutzen-Risiko-Abwägung zwischen den Optionen der modernen Pharmakotherapie und den chirurgischen Möglichkeiten, einschließlich Stenting, erforderlich. Hierbei spielt das tatsächliche Alter des Patienten eine wichtige Rolle.

 

Carotisstenosen mit Ultraschall erkennen

Asymptomatische Carotisstenosen sind zwar ein Indikator für Erkrankungen des gesamten arteriellen Systems, stellen jedoch nur einen Teil des komplexen arteriellen Hirnversorgungssystems dar, das sich anpassen kann. Daraus resultiert, dass der Anteil der arteriosklerosebedingten Schlaganfälle ab der siebten Lebensdekade wieder sinkt. Daher muss eine Carotisstenose in diesem Alter immer im Kontext des gesamten Zustands des Gefäßsystems betrachtet werden. Zudem ist es wichtig, die möglichen Komplikationsraten einer Carotis-Operation oder eines Carotis-Stents gegenüber anderen Behandlungsmöglichkeiten abzuwägen.

Aus neurologischer Perspektive ist ein Ultraschall-Screening der Halsschlagadern bedeutsam, um frühe Carotisstenosen und Gefäßwandveränderungen zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr zu erkennen. Dadurch kann das sogenannte „Gefäßalter“ einer Person bestimmt und gegebenenfalls notwendige Lebensstiländerungen eingeleitet werden. Ein breites Screening durch erfahrene Ultraschallexperten ist hierbei hilfreich.

Bei der Erkennung hämodynamisch relevanter Stenosen sollte jedoch Aktionismus vermieden und die Patienten an neurovaskuläre Experten überwiesen werden. Dies umfasst insbesondere Neurologen oder Angiologen, die auch intrakranielle Gefäße beurteilen können. Eine Operation oder Stent-Therapie ohne vorherige Begutachtung durch diese Spezialisten ist strikt abzulehnen und kann für den Patienten gefährlich sein.


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Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

 

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