Sonntag, März 26, 2023

Gangliosiden hemmen zum Schutz vor Alzheimer

Bei Gangliosiden handelt es sich um Fette, die einen starken Einfluss auf den Zellstoffwechsel nehmen, ihre Hemmung soll vor Alzheimer schützen.

Ganglioside – vielfach wasserunlösliche Lipide aus der Gruppe Glycosphingolipide und der Glycoside – kommen in der äußeren Hälfte der Zellmembran nahezu aller Wirbeltiere vor; insbesondere die Membranen von Nervenzellen sind reich an Gangliosiden.

Nervenzellen verfügen über Insulinrezeptoren, gewissermaßen Antennen, die Insulinsignale von außerhalb der Zelle aufnehmen und die Zelle dadurch am Leben erhalten. Diese Übertragung des Insulinsignals in die Zellen ist von zentraler Bedeutung für Gedächtnis und Erinnerung. Bei der Alzheimer-Krankheit lagern sich die Alzheimer-typischen Amyloid-Oligomere (Vorstufen der Alzheimer-Plaques) im Gehirn ab und stören dabei auch die Wirkung des Insulins auf die Nervenzellen. So tragen die Amyloid-Ablagerungen zum Absterben der Nervenzellen bei.

Durch eine Veränderung der Zelloberfläche ist es Viola Nordström, Silke Herzer und ihrem Team aus der Abteilung Zelluläre und Molekulare Pathologie (Univ.-Prof. Dr. Hermann-Josef Gröne) gelungen, diesen Mechanismus auszuhebeln. Die Wissenschaftler setzten einen Wirkstoff ein, der die Entstehung von Gangliosiden hemmt. Bei Gangliosiden handelt es sich um Fette, die einen starken Einfluss auf den Zellstoffwechsel nehmen. Durch ihre Verringerung bleiben die Zellen vor Alzheimer-Oligomeren verschont und das Insulinsignal erreicht weiter die Nervenzellen. Diese Ergebnisse zeigten sich bereits im Zellkulturmodell und konnten jetzt im Alzheimer-Mausmodell bestätigt werden.

Im nächsten Schritt soll der Mechanismus nun weiter erforscht werden. So könnten aus dieser Grundlagenforschung auch neue Ansätze für die Therapie der Alzheimer-Krankheit entstehen. „Alzheimer bringt viele Ängste für Betroffene und Angehörige mit sich. Es ist eine Krankheit, die berührt, da sie unsere Persönlichkeit angreift“, sagt Viola Nordström.

Eine Veränderung der Zelloberfläche von Nervenzellen im Gehirn kann vor der Alzheimer-Krankheit schützen. Das bestätigt die Forschung von Dr. Viola Nordström vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt im Fachjournal „Acta Neuropathologica Communications“ publiziert. Das Projekt wird durch den Erwin Niehaus-Preis der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) mit 40.000 Euro gefördert.

Quelle und Literatur:

https://www.alzheimer-forschung.de/presse/pressemitteilungen.htm?showid=4998

Lipid microdomain modification sustains neuronal viability in models of Alzheimer’s disease. https://actaneurocomms.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40478-016-0354-z

Related Articles

Aktuell

Adonis vernalis: das seltene Frühlings-Adonisröschen

Als Heilpflanze kommt das Frühlings-Adonisröschen, Adonis vernalis, meist als homöopathische Zubereitung bei Herzleistungsschwäche und Herzbeschwerden zum Einsatz. Die Pflanze Adonis vernalis kennt man auch als...
- Advertisement -

Latest Articles

Kinder am Bauernhof haben seltener Allergien, übertriebene Sauberkeit

Übertriebene Sauberkeit schaden, verschiedene Umwelteinflüssen wie spielen am Bauernhof können helfen, dass Kinder weniger Allergien haben. Kinder, die ihre ersten Lebensjahre in ­sehr sauberen, nahezu sterilen...

Stuhlinkontinenz – die Risikogruppe Frauen ist viel öfter betroffen

Stuhlinkontinenz, fäkale Inkontinenz, ist Ursache für unfreiwilligen Verlust von Darminhalt wie Stuhl oder Wind, wobei Frauen viel davon öfter betroffen sind. Die Stuhlinkontinenz wird auch als fäkale Inkontinenz...

Prokrastination betrifft vor allem junge Menschen

Prokrastination – Aufschieberitis – geht mit Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung einher. Vor allem männliche Schüler und Studierende sind betroffen. Wer kenn es nicht, dass unangenehme Tätigkeiten...
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner