Sonntag, Juni 23, 2024

Menopause und die Estrogen-Rezeptoren ER-alpha und ER-beta

Die Estrogen-Rezeptoren alpha, ER-alpha, und der erst vor 20 Jahren entdeckten Estrogen­rezeptor beta, ER-beta haben Bedeutung in der Menopause.

Alternativ zu Hormonen werden pflanzliche Zubereitungen – allen voran aus Soja und Rotklee – mit Effekten gegen negativen Begleiterscheinungen in der Menopause eingesetzt, wobei man die Inhaltsstoffe aus Soja und Rotklee irrtümlicherweise als Phyto-Estrogen bezeichnet. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass der ER-alpha-Rezeptor bereits seit Jahrzehnten die bekannten Estrogen-Effekte vermittelt. Ein Beispiel dafür ist sein Rolle bei Wachstum von Brust und Gebärmutter im Verlauf der Schwangerschaft oder bei Veränderungen im Körper während des Monatszyklus. Der ER-beta hingegen wirkt gegen überschießende hormonelle Effekte und verhindert so zum Beispiel, dass das Wachstum von Gebärmutterschleimhaut oder Brustgewebe in eine unkontrollierte Wucherung ausartet. Estradiol ist dabei nicht der einzige physiologische Bindungspartner am ER-beta.



Aktuelle Daten lassen ein komplexes Muster von Aktivierung und Modulation an den Estrogen-Rezeptoren nicht nur durch Estrogene selbst, sondern auch durch einen Metaboliten der Androgene 5b-Androstan-3b, 17b-diol, als 3b-Adiol bezeichnet, vermuten.

Das Hormon 3b-Adiol verfügt nicht mehr über andro­gene Effekte, es löst aber auch am ER-beta keine estrogenen Effekte aus – es ist ein spezifischer ER-beta-Agonist. 3b-Adiol wird vom weiblichen Organismus sogar noch vor dem ersten Erscheinen nennenswerter Estrogenmengen in der Pubertät gebildet.

 

Estrogen, Pubertät, Menstruationszyklus, Schwangerschaft und Menopause

In den fruchtbaren Jahren verlaufen die Blutspiegel von 3b-Adiol mit denen von Estrogen parallel. Diese Parallelentwicklung könnte zum Verständnis beitragen, warum trotz der proliferationsfördernden Effekte der Estrogene am ER-beta das regelmäßige Auftreten sehr hoher Estrogenspiegel in Pubertät, Menstruationszyklus und Schwangerschaft nicht zu einer erhöhten Krebsinzidenz führt.

Während der Menopause sind dagegen die Spiegel beider Hormone, also von Estrogen und von 3b-Adiol, vermindert. Damit korreliert aber das Auftreten von Wechseljahresbeschwerden nicht nur mit reduzierten Estrogenspiegeln, sondern gleichzeitig auch mit reduzierten 3b-Adiol-Spiegeln – und damit mit einer verringerten Aktivierung von ER-b.

 

Isoflavone und die Effekte von ER-alpha und ER-beta

Isoflavone aktivieren den ER-beta. Soja- und Rotklee-Extrakte enthalten diese Stoffgruppe, deren Vertreter wie Genistein oder Daidzein bei ausreichender Konzentration an den ER-beta binden und diesen mit hoher Selektivität aktivieren können.



Das bedeutet, dass sie nur in unphysiologisch hohen und letztlich im menschlichen Organismus nicht erreichbaren Konzentrationen einen Effekt am ER-alpha erzeugen könnten.

Nur über die Nahrung sind keine ER-alpha-vermittelten Effekte zu erwarten. Zu erwarten sind bei der Zufuhr von Isoflavonen mittels Nahrungsergänzung dagegen gesundheitlich positive Effekte, die mit der Aktivierung des ER-beta im Zusammenhang stehen:

  • Linderung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Verbesserung des Knochenmineralstoffwechsels, der einen Schutz vor Osteoporose erwarten lässt
  • Schutzeffekte vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • präventive Effekte hinsichtlich der Entstehung von Brustkrebs und Gebärmutterkrebs.

Isoflavone sollten daher nicht als Phyto-Estrogene, sondern eher als selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) bezeichnet werden, wobei auch diese Bezeichnung nicht klar darstellt, über welchen Rezeptor die Effekte vermittelt werden.

Die Selektivität der Isoflavone am ER-beta bietet eine Erklärung dafür, warum Isoflavone zu einem bestimmten Grad die positiven Aspekte der Estrogen-Effekte teilen, aber offenbar nicht die Nachteile. Erstere basieren auf einer Aktivierung von ER-beta durch Estrogene und Isoflavone, letztere in erster Linie auf einer Bindung von Estrogenen an ER-alpha.




Literatur:

Fenton A, Panay N. Estrogen, menopause and joints. Climacteric. 2016 Apr;19(2):107-8. doi: 10.3109/13697137.2016.1151151.

Roberts H, Hickey M. Managing the menopause: An update. Maturitas. 2016 Apr;86:53-8. doi: 10.1016/j.maturitas.2016.01.007. Epub 2016 Jan 22.


Quelle:

Dr. Mathias Schmidt. http://herbresearch.de/en/articles/category/4-isoflavones-and-phyto-oestrogens

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