Samstag, Mai 18, 2024

Gelenkschmerzen behandeln mit Medikamenten und alternativen Therapien

Im Grunde genommen kommt eine breite Palette an Medikamenten und nicht-medikamentösen Verfahren in Frage, um Gelenkschmerzen wirksam zu behandeln. In den meisten Fällen ist eine Arthrose für diese chronische Schmerzen verantwortlich. Allgemein sind mehr als 10% der Erwachsenen betroffen. Das gesundheitliche Management dieser Patienten macht etwa 10% der Ressourcen des Gesundheitswesens aus.

 

Arthosen und Gelenkschmerzen behandeln

Verschiedene negativen Faktoren könne diese Auswirkungen von Arthrosen auch noch verstärken. Einerseits zählen dazu beispielsweise der unzureichende Einsatz wirksamer physikalischer Übungen beispielsweise zur Muskelstärkung und anderer alternativen Methoden. Andererseits kommen oft auch jahrelang wenig wirksame und schlecht verträgliche analgetische Therapien zum Einsatz. Gelenkschmerzen gehören jedenfalls zu wichtigsten Symptomen bei Arthrosen, wobei es oft sehr schwierig ist, diese wirkungsvoll zu behandeln.

Obwohl Arthrosen traditionell hauptsächlich als Knorpelerkrankung angesehen wird, gibt es inzwischen zahlreiche Hinweise darauf, dass eine typische klinische Arthrose mehrere Gewebepathologien umfasst. Ein erhöhter BMI ist mit einer höheren Inzidenz von Knie-Arthrose verbunden. Anatomische Anomalien wie Valgusausrichtung oder frühere Gelenkverletzungen, einschließlich Meniskektomie, vorderer Kreuzbandriss und Gelenkbruch, sind ebenfalls mit einer erhöhten Inzidenz von Arthrose verbunden.

Wenngleich die Wissenschaft noch immer ein schlechtes Verständnis der Ursachen von Schmerzen bei Arthrose. Bei Patienten ab 45 Jahren sollte die Diagnose klinisch ohne Untersuchung gestellt werden, wenn der Patient zusätzlich zu einer Gelenksteifheit am frühen Morgen von weniger als 30 Minuten aktivitätsbedingte Gelenkschmerzen hat. Es wurde gezeigt, dass Muskelstärkung und Aerobic die Gelenkschmerzen und -funktion verbessern. Gewichtsverlust verbessert nicht nur Gelenkschmerzen und -funktionen, sondern hat auch eine Vielzahl anderer gesundheitlicher Vorteile, indem er die Häufigkeit von mit dem Lebensstil verbundenen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes sowie die mechanische Belastung der Gelenke verringert.

 

Medikamentöse Therapie setzt am Schmerzmechanismus an

Basis für die Wahl der medikamentösen Therapie zum Behandeln von Gelenkschmerzen ist der zugrundeliegende Schmerzmechanismus und die spezifische klinische Wirksamkeit der jeweiligen Schmerzmittel.

Zum Einsatz kommen, je nach Konstellation, peripher wirkende Analgetika wie Paracetamol, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und die oft besser verträglichen Coxibe. Weiter haben sich Kortikoide, neuen Biotherapeutika zur Linderung von nozizeptiven Schmerzen sowie schließlich auch Opioide bewährt. Bei neuropathischer Schmerzcharakteristik kann der Einsatz von Antidepressiva, Antikonvulsiva oder Capsaicin sinnvoll sein.

Akute Entzündungen bei einer Arthrose können auch durch das Einspritzen von Glucocorticoiden in das Gelenk gelindert werden. Das kann kurzfristig Schmerzen lindern und die Beweglichkeit wiederherstellen. Schreitet die Erkrankung trotzdem voran und schränkt den Patienten zu stark ein, gilt die Arthroskopie als Methode der Wahl. Eine weitere therapeutische Möglichkeit ist die Mikrofrakturierung. Lokalanästhetische Verfahren mit langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel und Nervenblockaden sind ebenfalls eine Hilfe zur Mobilisierung von Patienten.

Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Nerven- bzw. Leitungsblockaden in Frage, in hartnäckigen Fällen auch kontinuierlich mit Katheter. Chirurgische Eingriffe sind dann indiziert, wenn bei einer Arthrose die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen nicht verringert werden kann.

Heute liegt die Erfolgsrate bereits bei etwa 95 Prozent und die Gelenkimplantate bleiben auch nach 15 Jahren noch unverändert an ihrem Platz. Nach dem Eingriff bessern sich die Schmerz, die Steifigkeit und Einschränkungen deutlich und die altersentsprechende Lebensqualität bleibt über Jahre erhalten.

 

Das Behandeln der Gelenkschmerzen mit nichtmedikamentösen Therapien sind wesentlich für den Behandlungserfolg

Nichtmedikamentöse Therapien wie Akupunktur, Neuraltherapie, Entspannungstechniken, oder Psychotherapie tragen ganz wesentlich zum Behandlungserfolg der Schmerzen bei. Bei all diesen Methoden beim Behandeln von Gelenkschmerzen muss man jedoch immer die Schmerzgrenze der betroffenen Person beachten.

Ein integraler Bestandteil der Behandlung sollte in jedem Fall die physikalische Therapie sein. Der planmäßige Einsatz manueller, mechanischer, thermischer und elektrischer Methoden kann einen bestehenden Teufelskreis unterbrechen. Denn Schmerzen führen zu Bewegungsarmut und diese zieht eine herabgesetzte Belastbarkeit, Muskeldysbalancen und Immobilisation nach sich. Bewegungsarmut verschärft außerdem Begleiterkrankungen wie Diabetes oder kardiopulmonalen Erkrankungen.

Die Auswahl und Dosierung der verschiedenen physikalischen Anwendungen muss immer individuell abgestimmt sein Im Grunde genommen gilt: Je akuter ein Krankheitsprozess, desto vorsichtig und schonender muss die Dosierung ausfallen.

Nahezu unverzichtbar ist bei Gelenkschmerzen, heilgymnastisch zu behandeln. Dabei werden durch gezielte Bewegungsübungen Schmerzen gelindert, die Funktion der Bewegungsorgane erhalten und funktionelle Defizite ausgeglichen. Bewährte Methoden zum Behandeln der Gelenkschmerzen mit effektiven Schmerzlinderung sind beispielsweise passive Bewegung, Massagen, Gangschulung und Bewegungsbäder.

Die Ergotherapie kann die Selbständigkeit fördern durch Schmerzreduktion, Funktion- und Krafterhaltung, Vermeidung von Gelenkfehlstellungen und Verzögerung von Gelenkdestruktionen. Kälte- oder Wärmeanwendungen können entzündungsbedingten Gelenkschmerzen lindern, wobei Kälte eher bei akuten Gelenkentzündungen empfohlen ist, um Entzündungsprozesse zu stoppen, bei chronischen Beschwerden und insbesondere bei Verspannungen im Wirbelsäulenbereich jedoch Wärmebehandlungen indiziert sind. Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung der Gelenkschmerzen erzielen.


Literatur:

Havelin J, King T. Mechanisms Underlying Bone and Joint Pain. Curr Osteoporos Rep. 2018 Dec;16(6):763-771. doi: 10.1007/s11914-018-0493-1. PMID: 30370434; PMCID: PMC6554716.

Owens C, Conaghan PG. Improving joint pain and function in osteoarthritis. Practitioner. 2016 Dec;260(1799):17-20. PMID: 29020716.


Quelle: Österreichische Schmerzgesellschaft

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