Donnerstag, Juli 11, 2024

Das Gelbfieber-Virus hat Asien bis jetzt verschont

Warum das Gelbfieber-Virus bisher auf Afrika und Amerika beschränkt blieb und nie seinen Weg nach Asien gefunden hat, bleibt ein Rätsel.

Fast jeder kennt das Gelbfieber-Virus, das als klassisches hämorrhagisches Fieber Virus nach seinem Export aus Afrika nach Amerika im Zuge des Sklavenhandels Angst und Schrecken verbreitet hat und vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert für zahlreiche Epidemien in Küstenstädten Nordamerikas, der Karibik und auch Europas verantwortlich war.

 

Gelbfieber-Virus durch Aedes aegypti übertragen

Genauso wie das Zika-Virus wird das Gelbfieber-Virus in seinem urbanen Zyklus vor allem durch die Aedes aegypti – der Stechmückenart der Tropen und Subtropen – auf den Menschen übertragen. Zwar waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Stechmücken Bekämpfungsprogramme in Zentral und Südamerika sehr erfolgreich, aber Aedes aegypti hat in der Zwischenzeit wieder viele urbane Regionen Südamerikas kolonisiert und bildet den Boden für die Ausbreitung nicht nur von Gelbfieber, sondern auch von Dengue, Zika und Chikungunya Viren, die alle durch die gleichen Vektoren übertragen werden. Laut neueren Schätzungen der WHO kommt es weltweit zu 84.000 bis 170.000 schweren Gelbfieber Erkrankungsfällen, von denen 90 Prozent in Afrika auftreten und zu 29.000 bis 60.000 Todesfällen führen. Ohne die hervorragend wirksame Gelbfieber Impfung (die allerdings nicht in allen Endemiegebieten ausreichend eingesetzt wird) wären diese Zahlen noch wesentlich höher.

 

Warum das Gelbfieber-Virus bis jetzt Asien verschont hat

Eines der ganz großen Rätsel, die uns das Gelbfieber-Virus stellt, ist die merkwürdige Tatsache, dass es bisher auf Afrika und Amerika beschränkt blieb und nie seinen Weg nach Asien gefunden hat. Das ist umso erstaunlicher, als es für seine Ausbreitung die gleichen Vektoren (Aedes Stechmücken) und auch die gleichen Säugetier Wirte (Menschen und nichthumane Primaten) verwendet wie Dengue, Zika und Chikungunya Viren, die sich in tropischen und subtropischen Regionen rund um die Welt ausbreiten konnten. Warum schafft es das Gelbfieber-Virus also nicht oder noch nicht nach Asien, wo nach unserem Wissen ideale Bedingungen für seine Ausbreitung herrschen?

Derzeit gibt es darüber nur Spekulationen, aber angesichts der Erfahrungen mit anderen ARBO-Viren kann niemand die Ausbreitung des Gelbfieber-Virus nach Asien ausschließen. Das hätte mit ziemlicher Sicherheit aufgrund seiner im Vergleich mit den anderen Viren ungleich höheren Letalität und den riesigen städtischen Ballungsräumen in Indien und Südost-Asien ein Desaster zur Folge. Der Impfstoffbedarf wäre gigantisch und könnte durch die wenigen derzeitigen Produzenten aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest kurzfristig nicht gedeckt werden.

Diese Überlegungen sind besonders in diesem Jahr wieder relevant geworden, nachdem es in Angola einen massiven Gelbfieber-Ausbruch gab (mit mehr als 2000 Fälle und hunderten Toten), der aufgrund einer großen Zahl von Gastarbeitern auch die Quelle von Exporten nach Asien darstellte.

Insbesondere waren 11 chinesische Patienten mit dem Gelbfieber-Virus in ihre Heimat zurückgekehrt, und es bestand die berechtigte Sorge, dass es mithilfe der in bestimmten Regionen Chinas endemischen Aedes aegypti Stechmücken zu einer Initialzündung von Gelbfieber in Asien kommen könnte.

Jedenfalls mahnt auch die WHO, die Situation genauestens zu überwachen, um eine mögliche Katastrophe zu verhindern. Es wird zwar oft gesagt, dass vorhergesagte Katastrophen nicht eintreten, aber angesichts der diesjährigen Ereignisse um Zika ist es sicher klug, noch wachsamer als bisher zu sein.

Quelle:

logo-virusepidemiologische-informationenVIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 09/16-6. Prof. Dr. Franz X. Heinz. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

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