Dienstag, April 16, 2024

Alkoholentzug und Vorbeugung, um einen Rückfall zu verhindern

Wenn man einen Alkoholentzug macht, sollte manauch sofort einen Rückfall vorbeugen. Bei reinem Alkoholentzug dauert die Therapie etwa 5 Tage.

In der Kultur des Abendlandes sind Bier und Wein immer schon feste Bestandteile des täglichen Lebens gewesen. Die Höhe des Alkoholmissbrauches war je nach Wohlstand der Gesellschaft unterschiedlich. Die Anzahl der Alkoholabhängigen aber ist in etwa immer gleichgeblieben. Alkoholfolgeerscheinungen stellen heute ein wichtiges sozialmedizinisches Problem Europas dar. Zu einem Alkoholentzug und zur Vorbeugung vor einem Rückfall gibt es eine Vielzahl an Konzepten zur Therapie der Alkoholabhängigkeit. Wobei sie aber alle bestimmte gemeinsame Merkmale zeigen.



  • Entgiftung (Alkoholentzug für 5 Tage). Entgiftung, Behandlung von somatischen Störungen und/oder von Entzugssyndromen; Sicherstellung der Abstinenz, Beginn der Maßnahmen gegen einen Rückfall.
  • Motivationsarbeit (10 Tage). Motivation, Erfassung von Konfliktbereichen und Verstärkung der Möglichkeiten des Patienten (Steigerung des Selbstwertgefühls).
  • Diagnostik und Definition der Bedürfnisse des Patienten (10 Tage). Aktivierung des Patienten, soziale Unterstützung, Definition von Therapiezielen und therapeutischen Strategien, Entwicklung eines Behandlungsplans.
  • Langzeitbetreuung (1 bis 2 Jahre). Planung der ambulanten Langzeitbehandlung, Definition von therapierelevanten Untergruppen (z.B. Typologie). Spezifische Psychopharmakologie (Anticravingsubstanzen) und spezifische Psychotherapie, Selbsthilfegruppen wie zum Beispiel die Anonymen Alkoholiker.

 

Beginn einer Trinkerkarriere

Das Alkoholverlangen zu Beginn einer Trinkerkarriere ist ein sehr heterogenes Phänomen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Erst die von den PatientInnen als positiv erlebte »pharmakologische« Wirkung führt zu häufigerem Konsum. Alkohol wird als Angstlöser, Antidepressivum, Schlaf- und Beruhigungsmittel oder als Konfliktlöser eingesetzt.

Nur etwa 18% der Alkoholabhängigen haben vor allem auf Grund der Trinksitten des Milieus zu trinken begonnen. Die typischen somatischen Folgekrankheiten (z.B. Leber, Magen) beschäftigen vor allem die Allgemeinmediziner. Aber auch psychiatrische Folgeerkrankungen (Reduktion der Intelligenz, Zunahme in der emotionellen Empfindlichkeit, Veränderungen der körperlichen und geistigen Energie, Schlafstörungen), sowie Entzugserscheinungen (wie Tremor, Schwitzen, Blutdruckschwankungen und Elektrolytverschiebungen) sind es, die PatientInnen dazu bringen einen Arzt aufzusuchen.

Manche PatientInnen brauchen mehrere Versuche, um eine längerfristige Behandlung zu akzeptieren, aber in den meisten Fällen ist es möglich, sie in diesen therapeutischen Prozess einzuschließen. Eine den PatientInnen angepasste Behandlung erhöht die Motivation, Behandlungsprogramme zu beginnen. Wichtig ist es aber in jedem Fall, die PatientInnen so früh als möglich zu erreichen.




Dosis und Art der Medikation richten sich nach:

  1. Schweregrad des Entzugssyndroms
  2. Art des Entzugssyndroms
    – Ausgeprägte vegetative Symptome (Alkohol Rebound, Typ I nach Lesch)
    – Tremor (dreidimensional bei Typ I, zweidimensional bei Typ II, III, IV nach Lesch)
    – Ausgeprägte psychische Symptome, wenig vegetative Zeichen (Typ III und IV)
  3. Grad der Intoxikation, bei der bereits Entzugssyndrome auftreten (2 Kategorien: über 2,5 Promille oder unter 1 Promille)
  4. Entzugsanfälle (oder andere Anfälle) in der Vorgeschichte
  5. Herz-Kreislaufstörungen in der Vorgeschichte
  6. Schweregrad der Lebererkrankung
  7. andere körperliche Störungen (z.B. Dialysepatient, postoperativer Zustand, schwere Anämie usw.).

Dauer der Therapie und Medikation zu Alkoholentzug und Rückfall-Vorbeugung

Bei reinem Alkoholentzug beträgt die Therapie-Dauer nicht länger als 5 Tage. Dauert der Alkoholentzug länger, spielen Medikamente oder andere somatische Faktoren als Alkohol eine Rolle. Wenn man aus sehr hohen Dosierungen reduziert, können vor allem bei Kumulationen von Medikamenten auch längerfristige Entzugssymptome auftreten, zum Beispiel Polytoxikomanie.

Forderung an eine Medikation zum Alkoholentzug sind:

  1. Wirkprofil der Medikation behandelt spezifisch die Symptome, die durch das Absetzen von Alkohol entstehen
  2. Rascher Wirkungseintritt und gute Steuerbarkeit
  3. Keine langdauernde kognitive Beeinträchtigung
  4. Geringe Suchtpotenz
  5. Geringe Lebertoxizität
  6. Nur geringe Nebenwirkungen
  7. Neben der oralen Darreichungsform sollte das Medikament auch in einer parenteralen Form vorliegen.

Fehlt es bei Patienten noch an der Motivation, kann man Naltrexone einsetzen (50mg/Tag). Die Patienten reduzieren dann häufig ihren Alkoholkonsum und können so leichter einer Therapie zugeführt, bzw. in den therapeutischen Prozess eingebunden werden (»exstinction method« nach David ­Sinclair). Es ist weiters sinnvoll, schon wenn der Alkoholentzug beginnt auch erste Maßnahmen gegen einen Rückfall zu beginnen.

 

Zusammenfassung: Alkoholentzug und Vorbeugung vor einem Rückfall den jeweiligen Patienten anpassen

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sowohl der Alkoholentzug als auch das weitere therapeutische Vor­gehen gegen einen Rückfall der Heterogenität der ­PatientInnen gerecht werden muss. Nur so lassen sich optimale Behandlungs­erfolge erzielen.

Die Unterscheidung von Untergruppen, ist also nicht nur für die Behandlung von Entzugserscheinungen relevant, sondern auch um ein realistisches therapeutisches Ziel zu erreichen, und ist weiters bei der Zuordnung zu einer speziellen psychotherapeutischen und pharmakologischen Rückfallsprävention hilfreich.




Literatur:

Otto-Michael Lesch und Michael Soyka, Typologien der ­Alkoholabhängigkeit und ihre Bedeutung für die medikamentöse Therapie, in Neuro-Psychopharmaka, Band 6, 2. Auflage: Notfalltherapie,

Antiepileptika, Psychostimulanzien, Suchttherapeutika und sonstige Psychopharmaka, Herausgeber: ­Peter Riederer und Gerd Laux, Springer Verlag


Quellen:

http://www.dg-sucht.de/s3-leitlinien/

Alkoholentzug und ­Rückfallsprophylaxe. Anita Riegler und O. Univ. Prof. Dr. Otto-Michael Lesch. MEDMIX 10/2005.

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