Donnerstag, April 18, 2024

Multimorbidität, Geriatrie: Polypharmazie bei multimorbiden Patienten

Die Zahl der multimorbiden Patienten steigt. Bei Multimorbidität ist wiederum Polypharmazie eine Problem der Geriatrie in der Therapie der alten Patienten.

Mit dem demographischen Wandel steigt die Zahl der multimorbiden Patienten in der Geriatrie und damit entstehen Risiken durch die Polypharmazie. Denn etwa jeder zweite ältere Patient leidet an vier bis fünf behandlungsbedürftigen Erkrankungen. Und sollte dementsprechend verschiedene Medikamente einnehmen. Deswegen stellt Multimorbidität und dir dadruch verursachte Polypharmazie bei Geriatrie-Patienten ein enormes Problem dar.



 

Polypharmazie durch Multimorbidität bei Geriatrie-Patienten

Polypharmazie ist daher ein häufiges Phänomen in der Behandlung älterer Patienten. Immer noch unterschätzt werden die Auswirkungen dieser Polypharmazie auf den Gesundheitszustand und letztendlich das Überleben der Patienten.

Zahlen zur Polypharmazie zeigen eine große Schwankungsbreite. Ältere Patienten (>75 Jahre) nehmen durchschnittlich acht verschiedene Substanzen ein. Ergänzt wird die ärztlich verordnete Medikation durch weitere drei bis vier »over the counter«(OTC)-Medikamente. Zwei Drittel der eingenommen OTC-Präparate zählen zum Bereich der Analgetika.

Die Zahl der »drug-drug-interactions« steigt exponentiell mit der Zahl der verordneten Substanzen. Die Anzahl und Art der Interaktionen und Nebenwirkungen sowie die damit verbundenen Risiken sind für klinisch tätige Ärzte kaum noch überschaubar.

 

Polypharmazie und Compliance

Der Erfolg einer Pharmakotherapie hängt entscheidend von der Compliance des Patienten ab. Greenberg konnte bereits 1984 zeigen, dass diese mit der Anzahl der verordneten Substanzen signifikant abfällt. Bereits bei täglich vier erforderlichen Medikamenteneinnahmen sinkt die Compliance-Rate auf unter 50%.

In diesem Zusammenhang muss der Umstand beachtet werden, dass Patienten in der Regel primär eine ärztlich verordnete Therapie beenden, während sie ihre selbst verordnete OTC-Medikation weiterhin einnehmen. Daten aus den USA zeigen, dass 20% aller durch Medikamente verursachten Einweisungen in das Krankenhaus durch OTC-Substanzen ausgelöst werden.

 

Zahlreichen Interaktionen bei Polypharmazie

Die zahlreichen Interaktionen, die unkontrollierte Einnahme von OTC-Präparaten sowie die mangelnde Compliance bleiben natürlich nicht ohne Folgen. 35% der älteren, selbstständig lebenden Bevölkerung leiden an unerwünschten Wirkungen ihrer Medikation. Ein Drittel davon nimmt ärztliche Hilfe in Anspruch.

Etwa die Hälfte der Fälle mit unerwünschten Nebenwirkungen als Folge von Interaktionen der Medikamenten könnte man vermeiden. Wobei unerwünschte Wirkungen und Interaktionen von Medikamenten etwa 2,4 bis 6,7% aller Krankenhauseinweisungen ausmachen.

20% der stationären Wiederaufnahmen älterer Patienten im Krankenhaus sind auf Nebenwirkungen und Interaktionen zurückzuführen. Zudem lösen OTC-Substanzen 20% aller durch Medikamente verursachten Einweisungen in das Krankenhaus aus.

Jedenfalls bilden Multimedikation und Compliance bilden einen für den Patienten mit Polypharmazie gefährlichen Cocktail.




Literatur:

Masnoon N, Shakib S, Kalisch-Ellett L, Caughey GE5. What is polypharmacy? A systematic review of definitions. BMC Geriatr. 2017 Oct 10;17(1):230. doi: 10.1186/s12877-017-0621-2.


Quelle: Polypharmazie und Compliance. MEDMIX 4/2009

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