Wien, 17. August 2026.
Heute ist Mariä Himmelfahrt – in Österreich, Bayern und Teilen der Schweiz traditionell der Tag der Kräuterweihe. In vielen Pfarren werden gebundene Kräuterbüschel gesegnet, ein Brauch, der bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Was oft als reine Folklore gilt, ist tatsächlich ein bemerkenswert präzises Stück überliefertes Pflanzenwissen: Die traditionell verwendeten Kräuter sind zu einem großen Teil pharmakologisch gut untersuchte Arzneipflanzen. Ein Blick auf Brauch und Wirkstoffe.
Woher der Brauch kommt
Die Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und verbindet christliche Marienverehrung mit deutlich älterem, vorchristlichem Pflanzenwissen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Mitte August stehen viele Heilpflanzen in voller Blüte oder kurz vor der Samenreife – der traditionelle Erntehöhepunkt für oberirdische Pflanzenteile. Die geweihten Büschel wurden früher über dem Hausaltar oder im Stall aufgehängt, sollten vor Blitz, Krankheit und Unheil schützen und wurden im Winter bei Erkrankungen von Mensch und Tier verwendet – als Tee, Auflage oder Räucherwerk. Die Zeitspanne bis zum 15. September gilt als „Frauendreißiger“, in der die Kräuter der Überlieferung nach besonders wirksam sein sollen.
Was traditionell hineingebunden wird
Die Zusammensetzung variiert regional stark, folgt aber meist einer symbolischen Zahl – sieben, neun, zwölf oder 24 Kräuter, mit einer Königskerze als Mittelpunkt. Typische Bestandteile im Alpenraum sind: Johanniskraut, Schafgarbe, Kamille, Beifuß, Baldrian, Königskerze, Wermut, Rainfarn, Frauenmantel, Spitzwegerich, Melisse, Thymian, Salbei, Pfefferminze sowie oft eine Getreideähre als Symbol für das tägliche Brot. Diese Auswahl ist aus heutiger Sicht bemerkenswert: Der Großteil dieser Pflanzen ist in der modernen Phytotherapie fest etabliert und Gegenstand von Monographien der Europäischen Arzneimittelagentur.
Vier Pflanzen aus dem Büschel – und was sie heute leisten
Schafgarbe wird traditionell bei Verdauungsbeschwerden und Frauenleiden eingesetzt. Pharmakologisch enthält sie Bitterstoffe, ätherische Öle und Flavonoide; die Anwendung bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und Appetitlosigkeit ist in Arzneibuch-Monographien anerkannt.
Spitzwegerich ist heute als Hustenmittel etabliert. Seine Schleimstoffe legen sich schützend auf gereizte Schleimhäute, Iridoidglykoside wirken zusätzlich antibakteriell. Er ist Bestandteil zahlreicher zugelassener Hustensäfte.
Frauenmantel wird traditionell bei Menstruationsbeschwerden verwendet. Die Evidenzlage ist hier deutlich schwächer als bei den ersten beiden – ein ehrlicher Hinweis, der zum Bild gehört: Nicht jede Traditionspflanze hält modernen Wirksamkeitsstandards stand.
Beifuß war früher zentral in der Kräuterheilkunde, wird heute aber deutlich zurückhaltender eingesetzt – er kann in Schwangerschaft und Stillzeit problematisch sein und gilt zudem als relevanter Pollenallergen-Auslöser im Spätsommer.
Wie Sie ein Kräuterbüschel selbst binden
Wer den Brauch mitmachen möchte, braucht wenig. Sammeln Sie die Kräuter am Vormittag bei trockenem Wetter, wenn der Tau abgetrocknet ist – dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Nehmen Sie nur, was Sie sicher bestimmen können, und sammeln Sie nie in Naturschutzgebieten, an stark befahrenen Straßen oder auf gedüngten Feldern. Die Königskerze bildet als hohe, gerade Pflanze traditionell die Mitte, um die herum die anderen Kräuter gebunden werden. Fixieren Sie das Büschel mit Naturbast, hängen Sie es kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort zum Trocknen auf. Direkte Sonne zerstört die Wirkstoffe. Nach zwei bis drei Wochen ist es durchgetrocknet und hält, dunkel gelagert, etwa ein Jahr.
Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Getrocknete Büschelkräuter eignen sich als Zier- und Traditionsobjekt sowie fürs Räuchern. Für die innerliche Anwendung als Tee sollten Sie hingegen kontrollierte Apothekenware verwenden – bei Wildsammlung sind Verwechslungsrisiken, Schadstoffbelastung und mangelnde Standardisierung des Wirkstoffgehalts reale Probleme. Wer Heilpflanzen therapeutisch nutzen möchte, bespricht das mit Ärztin, Arzt oder in der Apotheke – besonders bei Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder chronischen Erkrankungen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Kräuterbüschel
Was ist die Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt?
Ein seit dem 9. Jahrhundert belegter Brauch, bei dem am 15. August gebundene Kräuterbüschel in der Kirche gesegnet werden. Er verbindet christliche Marienverehrung mit älterem Pflanzenwissen. Der Zeitpunkt entspricht dem traditionellen Erntehöhepunkt vieler Heilpflanzen.
Welche Kräuter gehören ins Kräuterbüschel?
Regional unterschiedlich, meist eine symbolische Zahl von sieben, neun, zwölf oder 24 Kräutern mit einer Königskerze als Mittelpunkt. Typisch sind Johanniskraut, Schafgarbe, Kamille, Beifuß, Baldrian, Wermut, Frauenmantel, Spitzwegerich, Melisse, Thymian und Salbei.
Kann man Büschelkräuter als Tee verwenden?
Besser nicht. Für die innerliche Anwendung eignet sich kontrollierte Apothekenware, da bei Wildsammlung Verwechslungsrisiken, mögliche Schadstoffbelastung und ein nicht standardisierter Wirkstoffgehalt bestehen. Das getrocknete Büschel eignet sich als Traditionsobjekt und zum Räuchern.
Wann sammelt man Kräuter am besten?
Am Vormittag bei trockenem Wetter, sobald der Tau abgetrocknet ist – dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Nie in Naturschutzgebieten, an stark befahrenen Straßen oder auf gedüngten Feldern sammeln, und nur Pflanzen nehmen, die man sicher bestimmen kann.
Wie trocknet man ein Kräuterbüschel richtig?
Kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufhängen – direkte Sonne zerstört die Wirkstoffe. Nach zwei bis drei Wochen ist es durchgetrocknet. Dunkel gelagert hält es etwa ein Jahr.

