Donnerstag, März 30, 2023

Abweichende Impfempfehlungen für HIV-Patienten vor einer Reise

Immunsupprimierte HIV-Patienten können auf Impfungen geringer reagieren, der Impfschutz kürzer sein, weshalb für sie abweichende Impfempfehlungen bestehen.

HIV-Patienten sollten vor einer Reise Ihren Impfstatus prüfen und spezielle Impfempfehlungen sowie Besonderheiten bei der Zusammenstellung ihrer Reiseapotheke beachten. Allgemein müssen immunsupprimierte Patienten bei Impfungen, Malaria-Prophylaxe und der allgemeinen Reisevorsorge einige spezielle Voraussetzungen erfüllen, bevor sie in ferne Länder reisen. Denn Menschen mit einer Immunsuppression – unabhängig davon ob die Ursache ein angeborener Immundefekt, eine Chemotherapie, Organtransplantation und Stammzelltransplantation oder eine HIV-Infektion ist – haben vor allem ein beträchtlich höheres Risiko für und durch Infektionen.(1,2)

Impfstatus checken

Vor einer Reise sollten Patienten frühzeitig mit dem behandelnden Arzt ihren Impfstatus checken, um noch ausstehende Routineimpfungen oder auch notwendige Reiseimpfungen rechtzeitig durchführen zu können. (4) Denn die Berücksichtigung des jeweiligen Immunstatus ist bei der Impfung von immunschwachen Menschen ein wichtiger Aspekt. So können beispielsweise Totimpfstoffe bei HIV-Betroffenen unabhängig vom Immunstatus eingesetzt werden, der Einsatz von Lebendimpfstoffen jedoch ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich. (2)

 

Abweichende Impfempfehlungen für HIV-Patienten je nach Immunstatus

Für HIV-Patienten bestehen allgemeine Impfempfehlungen gegen Pneumokokken, Hepatitis B, Influenza und HPV und bei entsprechender Indikation Meningokokken ABCWY, Haemophilus influenzae B und Hepatitis A sowie unter bestimmten, vom Arzt zu prüfenden Voraussetzungen MMR, Varizellen und Herpes zoster. (1-3)

Zu beachten ist, dass abhängig vom vorliegenden Immundefekt die Reaktion des Körpers auf eine Impfung geringer ausfallen und der Impfschutz kürzer sein kann als ohne Immunsuppression. Deshalb gibt es bei Vorliegen einer HIV-Infektion Abweichungen zu den allgemeinen Impfempfehlungen. (2)

So sollten beispielsweise bei einigen Impfungen wie z.B. Hepatitis oder FSME für die Grundimmunisierung ggf. mehr oder höhere Dosen als bei gesunden Personen geimpft werden. Eine Titerbestimmung kann im Vorfeld sinnvoll sein. Eine Impfauffrischung für Gelbfieber sollte bei HIV-Infizierten unter 60 Jahren erwogen werden, da nicht klar ist, ob es eine lebenslange Immunität nach einer Impfung auch für HIV-Infizierte gibt. Gleiches gilt auch für Typhus, da der normalerweise drei Jahre an-dauernder Schutz bei HIV-Infizierten wahrscheinlich kürzer ist. (5,6)

Auch die schwereren Folgen im Falle einer Infektion sollte von HIV-Patienten bedacht werden. So hat z.B. eine Malariainfektion bei immunsupprimierten Menschen eine sehr viel verheerendere Wirkung. Deswegen sollten HIV-Infizierte in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt – unter Beachtung möglicher Wechselwirkungen – gewissenhaft eine Malaria-Prophylaxe einnehmen, wenn sie in Länder mit Malaria reisen.

 

Allgemeine Reisevorsorge und wo man die Impfempfehlungen checken kann

Immer wieder ändern sich Impfempfehlungen für die Vakzination gegen Hepatitis, Meningokokken, FSME, Typhus, Gelbfieber oder sonstiges nötig ist oder  gefordert wird, kann sich immer mal wieder ändern. für die verschiedenen Reisedestinationen. Aktuelle Informationsquellen im Internet sind http://www.tropeninstitut.at,  http://www.traveldoc.a und vor allem die Internetseite der Weltgesundheitsorganisation www.who.int/ith/en/. Dort werden die Impfempfehlungen laufend aktualisiert, interaktive Landkarten bieten einen guten Überblick.

Grundsätzlich sollte für Patienten vor allem bei Fernreisen vorweg immer eine Risikoabwägung durchgeführt werden. Wichtige Fragen sind vor der Reise klären:

  • ob die Mitnahme der Medikamente problematisch ist und
  • ob es vor Ort eine gesicherte medizinische Versorgung gibt.

Empfohlen wird die Mitnahme eines passenden Antibiotikums, um den häufig auftretenden Reisedurchfall zu behandeln. Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, sollten von der Anwendung von Aktivkohle absehen, da diese im Körper nicht nur unliebsame Giftstoffe, sondern auch die Wirkstoffe der Medikamente absorbiert und damit die Wirkung bis zur Unwirksamkeit beeinflussen kann.

Wenn vor einer Reise für ein entsprechendes Reiseziel notwendige Impfungen aus verschiedenen Gründen nicht rechtzeitig durchgeführt werden können, sollten die betroffenen Patienten wenn möglich sogar ihre Reisepläne besser ändern, um das Risiko einer Infektion zu vermeiden.

Literatur:

  1. Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin Sonderdruck/2005
  2. Wiedermann U et al. Wien Klin Wochenschr 2016; 128 (Suppl 4):S337-S376
  3. Zoufaly A et al. HIV Medicine 2012;13: 172-181
  4. CRM Handbuch. Reisen mit Risiko. 2017
  5. Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 34/2016
  6. Härter G. MMW Fortschritte der Medizin 2016; S2/158

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