Donnerstag, Juni 13, 2024

Arzneimittelkriminalität im Internet: 1.500 illegale Potenzmittel

Österreich am weltweiten Kampf gegen Arzneimittelkriminalität im Internet beteiligt: Finanz-, Innen- und Gesundheitsministerium nehmen an Operation Pangea VIII teil.

 

Kampf gegen Arzneimittelkriminalität im Internet: Der Österreichische Zoll, das Bundeskriminalamt und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit beteiligten sich vom 9. bis 16. Juni 2015 an der Interpol-Operation Pangea. Teil nahmen 115 Länder weltweit darunter Österreich.

 

Österreichische Zoll stellt 1.500 illegale Potenzmittel sicher

Der österreichische Zoll legte in der Aktionswoche den Fokus auf die Bekämpfung von Einfuhren illegaler und gefälschter Medikamente, die online bestellt und per Post geliefert wurden.

Im Postverteilerzentrum Wien-Inzersdorf wurden risikoorientierte Stichprobenkontrollen in Bezug auf zollpflichtige und verbotene Waren durchgeführt. Auf diese Weise wurden vom Zoll im Aktionszeitraum ungefähr 2.000 Briefe und Pakete kontrolliert. Dabei wurden nahezu 1.500 illegale Potenzmittel sichergestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt legte der Zoll auf die Kontrolle von Reisenden am Flughafen Wien-Schwechat, denn per Flugzeug werden immer wieder illegale Medikamente eingeführt. Bei 2.051 Schwerpunktkontrollen konnten mehr als 500 illegale Medikamente wie Antibiotika und Mittel gegen Magenbeschwerden beschlagnahmt werden.

 

Gesundheitlicher und volkswirtschaftlicher Schaden

Finanzminister Hans Jörg Schelling unterstrich die Bedeutung von solchen gemeinsamen Aktionswochen: „Illegale Medikamente verursachen nicht nur einen gesundheitlichen sondern auch großen volkswirtschaftlichen Schaden. Der österreichische Zoll geht daher konsequent gegen diese illegalen Aktivitäten organisierter Krimineller vor.“ Neben den Kontrolltätigkeiten des Zolls sei aber auch Information und Aufklärung der Konsumenten wichtig.

Die österreichische Polizei konnte im Rahmen der Operation Pangea VIII  insgesamt über 220 Lifestyleprodukte und Potenzmittel sicherstellen. Diese wurden von Europol-Experten mit einem Truescan vor Ort analysiert, die meisten Produkte enthielten keinen oder nur einen sehr geringen Wirkstoff. Es wurden auch sieben Internetseiten, auf denen verdächtige Potenzmittel angeboten wurden, gemeldet.

 

Arzneimittelkriminalität im Internet gemeinsam bekämpfen

Das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen und die AGES arbeiten seit Jahren eng und erfolgreich mit den Ermittlern von Zoll und Bundeskriminalamt zusammen, um Einfuhr und Verkauf illegaler Arzneimittel nach Österreich zu verhindern.

Illegale und gefälschte Arzneimittel werden meist im Internet bestellt. Von diesen Fälschungen können enorme Gesundheitsrisiken ausgehen, da diese unter unkontrollierten und nicht nachvollziehbaren Bedingungen erzeugt werden und keinerlei erforderliche Qualitätsstandards erfüllen. So wurden in Fälschungen etwa schon Rattenkot, Straßenfarbe oder Möbelpolitur gefunden.

 

Hochspezialisierte Experten bei der AGES

Gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen nimmt die AGES Medizinmarktaufsicht Aufgaben in der Arzneimittelkontrolle und Überwachung wahr. Ein wichtiger Teil der Medizinmarktaufsicht ist dabei das behördliche Arzneimittelkontrolllabor (OMCL, engl. Official Medicines Control Laboratory), dessen Kernaufgabe die Überprüfung der Qualität von Arzneimitteln sowohl des legalen Marktes, aber auch Analyse und Bewertung von verdächtigen Proben des illegalen Marktes ist.

Das OMCL ist Mitglied im Europäischen Netzwerk behördlicher Arzneimittelkontrolllabore und nach ISO 17025 akkreditiert, dem Qualitätsstandard, der für verifizierbare und korrekte Ergebnisse bürgt. Illegale Arzneimittel und Fälschungen können von der AGES Medizinmarktaufsicht somit rasch und verlässlich identifiziert werden.

Die AGES beschäftigt zudem hochspezialisierte MitarbeiterInnen, die sich um die Identifikation und Eindämmung von illegalen und gefälschten Arzneimitteln am österreichischen Markt kümmern. Darüber hinaus übernehmen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen und AGES ab dem 25. Juni 2015 auch die Überwachung der legalen und registrierten österreichischen Versandapotheken im Rahmen des ab dann erlaubten Fernabsatzes in Österreich zugelassener, legaler, rezeptfreier Arzneispezialitäten.

 

Operation Pangea gegen Arzneimittelkriminalität im Internet

Die sogenannten Pangea-Operationen konzentrieren sich auf die weltweite Verringerung potenzieller Schäden durch gefälschte Medikamente, den unerlaubten Online-Handel mit Arzneimitteln sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung über die Medien. Durch die Zusammenarbeit von Interpol und Europol, der Weltzollorganisation (WZO), dem Ständigen Forum für Internationale Arzneimittelkriminalität (PFIPC) und die Leiter der Arzneimittelagentur Working Group of Enforcement Officers (HMA WGEO) konnten die jährlich stattfindenden Operationen kontinuierlich ausgebaut werden.

Das Projekt Pangea I startete 2008 mit acht teilnehmenden Ländern. Im Laufe der Jahre erweiterte sich der Teilnehmerkreis auf zuletzt 115 Länder. Die Operationen haben folgende Hauptziele: die Sensibilisierung der Öffentlichkeit auf Risiken beim Arzneimittelkauf von illegalen Anbietern im Internet, die Sicherstellung von gefälschten Präparaten, die Schließung von kriminellen Anbieter-Homepages, die Ausforschung von Herstellern und Händlern und die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen nationalen und internationalen Behörden und Agenturen.

Die Erfolge von Pangea schlagen sich auch in der Statistik nieder: Wurden im Jahr 2009 insgesamt 153 Webseiten im Rahmen der Operation abgeschaltet, so waren dies 2015 insgesamt 2.414 Webseiten. Auch die Anzahl beschlagnahmter Medikamente stieg stetig: von 2,3 Millionen Einheiten (2010) auf knapp 20,7 Millionen Einheiten (2015). Zu Verhaftungen kam es im Jahr 2009 in zwölf Fällen. 2015 wurden weltweit 156 Festnahmen durchgeführt.

Weitere Informationen: www.interpol.int

http://www.bmf.gv.at

www.bundeskriminalamt.at

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