Depressionen, Schilddrüse: Wochenbettdepression oder Hashimoto-Thyreoiditis

Für eine Depression bei jungen Müttern kann eine Wochenbettdepression oder eine Hashimoto-Thyreoiditis der Schilddrüse verantwortlich sein. © Lucien Fraud / shutterstock.com

Für eine Depression bei jungen Müttern kann eine Wochenbettdepression oder eine Hashimoto-Thyreoiditis der Schilddrüse verantwortlich sein. © Lucien Fraud / shutterstock.com

Depressionen nach der Geburt können auf Wochenbettdepression oder auch auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse, Hashimoto-Thyreoiditis, hindeuten.

Im Grunde genommen überschätzen junge Mütter häufig das Auftreten von depressiven Verstimmungen nach der Geburt. Doch bei Nichtbehandlung können schwerwiegende Probleme für Mutter und Kind entstehen. Zudem kann es auch den Partner betreffen. Dabei sind Depressionen oder Reizbarkeit nach der Entbindung häufig Anzeichen einer Wochenbettdepression, allerdings kann auch die Schilddrüse die Ursache dafür sein. Deswegen muss bei Depressionen nach der Schwangerschaft zwischen der sogenannten nachgeburtlichen Hashimoto-Thyreoiditis und Wochenbettdepression unterscheiden.

 

Hashimoto-Thyreoiditis – Wochenbettdepression – postpartale Depressionen

Frauen, die bis zu einem Jahr nach der Geburt neue Symptome einer Depression erleiden, sollten die Schilddrüse überprüfen lassen. Besonders gefährdet sind Frauen, bei denen schon vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper – sogenannte TPO-Antikörper – festgestellt wurden. Also Frauen mit einer Neigung zu Hashimoto oder Morbus Basedow sowie Diabetikerinnen. Ein besonderes Risiko haben auch junge Mütter mit Schilddrüsenerkrankungen in der Familie.

Eine nachgeburtliche Hashimoto-Thyreoiditis ist gut therapierbar. Etwa sieben Prozent aller Frauen erkranken nach der Entbindung an dieser autoimmun bedingten Funktionsstörung ihrer Schilddrüse. Oft dauert es lange, bis bei Depressionen die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis gestellt wird.

 

Nachgeburtliche Hashimoto-Thyreoiditis

Die Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit bringt man häufig mit der neuen Belastungssituation in Verbindung. Und dann interpretiert man das als »Baby-Blues«. Eine nachgeburtliche Hashimoto-Thyreoiditis entwickelt sich aus bisher nicht vollständig geklärten Gründen in einem Zeitraum von etwa sechs bis 52 Wochen nach der Entbindung. Wobei die Erkrankung häufig lange unentdeckt bleibt.

Eine rezente Metaanalyse zeigte auch den Zusammenhang zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Depressionen und Angststörungen her. Patienten mit AIT weisen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit auf, Symptome von Depressionen und Angstzuständen zu entwickeln oder eine Diagnose von Depressionen und Angststörungen zu erhalten. Dieser Befund hat wichtige Auswirkungen auf die Patienten und könnte dazu führen, dass die organische Störung frühzeitig und nicht nur psychotherapeutisch behandelt wird.

Oft verläuft die Hashimoto-Thyreoiditis in verschiedenen Phasen. Dabei kommt es zunächst zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Nervosität, beschleunigtem Herzschlag und verstärktem Schwitzen. Daran schließt sich häufig eine Phase der Schilddrüsenunterfunktion an. In der leiden die Frauen dann an Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, unerklärlichen Tränenausbrüchen sowie Ängsten.

Ein Bluttest klärt, ob eine Schilddrüsenentzündung vorliegt. Für alle Krankheitsphase stehen wirksame Substanzen bereit, so dass es den Patientinnen in der Regel schnell besser geht. Bei einem Teil der Frauen bildet sich die Erkrankung nach einem Jahr von ganz allein zurück.

 

Empfehlung: Bei Symptomen einer Wochenbettdepression Schilddrüse untersuchen

Junge Mütter mit Symptomen einer Wochenbettdepression sollten grundsätzlich hinsichtlich einer Störung ihrer Schilddrüsenfunktion untersucht werden. Leider wird die Störanfälligkeit der Schilddrüse in der Schwangerschaft gerade bei Risikopatientinnen oft unterschätzt. Und manche Ärzte überprüfen die Funktion des Organs in dieser besonderen Lebensphase nicht routinemäßig. Eine Schwangerschaft stellt höchste Anforderungen an die Schilddrüse, sowohl was den Jodstoffwechsel als auch die Hormonproduktion betrifft. Abweichungen können sich gravierend auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken.


Literatur:

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Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE) – www.endokrinologie.netwww.hormongesteuert.net

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