Warum sich das Becken der Frau ausweitet

Weibliches und männliches Becken von der Geburt bis ins Alter. © MorphoLab / Anthropologisches Institut und Museum der Universität Zürich

Weibliches und männliches Becken von der Geburt bis ins Alter. © MorphoLab / Anthropologisches Institut und Museum der Universität Zürich

Das Becken der Frau verbreitet sich ab der Pubertät. In der Menopause verengt es sich wieder. Dafür scheinen Hormone hauptverantwortlich zu sein.

Die Becken-Anatomie hängt sehr mit der biologischen Funktion zusammen und bildet sich in der Pubertät geschlechtsspezifisch aus, wobei sich das Becken der Frau weiter und ausladender entwickelt als beim Mann. Beispielsweise ist der Innendurchmesser des weiblichen Beckens größer als der des männlichen. Durch den Unterschied bei den Winkeln zwischen den beiden Schambeinästen an der Symphyse wirkt das weibliche Becken zudem runder als das männliche. Die von der Pubertät an bestehende Rumpfbetonung und das breitere Becken sind von großer Bedeutung während der Schwangerschaft und Geburt.



Jedenfalls verbreitet sich das Becken der Frau ab der Pubertät und verengt sich nach dem gebärfähigen Alter wieder. Beim Mann hingegen verändert sich das Becken im Laufe des Lebens kaum.

Durch computertomografische Daten zum Becken vermuten Wissenschaftler, dass für die Änderungen der Anatomie bei der Frau die Hormone in Pubertät und Menopause eine maßgebliche Rolle spielen.

 

Das Becken der Frau muss bei der Geburt genug Platz bieten

Damit bei einer Geburt für die Köpfe der Neugeborenen genug Platz vorhanden ist, haben Frauen ein breiteres Becken als Männer. Bei manchen Frauen ist es aber nicht breit genug. Deswegen kann es zu Schwierigkeiten bei der Geburt kommen.

Grundsätzlich war es gängige Meinung, dass das Becken der Frau ein evolutionärer Kompromiss zwischen Gebären und Gehen ist. Es kann nicht weiter werden, da sonst die Fortbewegung nicht effizient ist. Doch diese Hypothese stimmt nicht zur Gänze. Neue Studien zeigen, dass weite Becken genauso effizient beim Laufen sind wie enge.

 

Zusammenhang mit Änderungen im weiblichen Hormonhaushalt

In der eingangs zitierten Studie zeigte sich, dass bis zur Pubertät die Beckenbreite von Frauen und Männern etwa gleich ist. Während sich das männliche danach gleichmässig weiterentwickelt, wird das weibliche verhältnismässig breiter.



Im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren erreicht die Frau ihre grösste Beckenbreite. Etwa mit Beginn der fünften Lebensdekade wird das Becken der Frau wieder enger.

Die Forscher vermuteten, dass diese Änderung im Wachstum bei jungen Mädchen und Frauen in direktem Zusammenhang mit Änderungen im weiblichen Hormonhaushalt stehen. Während der Pubertät steigt die Konzentration von Östrogen, während der Menopause sinkt sie wieder.

Der hohe Hormonspiegel garantiert laut Meinung der Wissenschaftler nicht nur eine hohe Fruchtbarkeit. Er sorgt auch dafür, dass das Becken während der gebärfähigen Zeit optimiert wird. Offensichtlich kann der menschliche Organismus das Becken je nach Bedarf verändern.

Die Hormone werden aber auch sehr von Ernährung und Umwelt beeinflusst. «Geburtsschwierigkeiten sind demnach weniger ein evolutionäres Problem. Vielmehr scheint es eine Frage der Balance zwischen den Hormonen und äusseren Faktoren zu sein, welche die Grösse des Geburtskanals und die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes beeinflussen.»

Mit Beginn der Menopause soll der aufrechte Gang dafür verantwortlich sein, dass sich die Beckenbreite wieder verengt. Auch das ist eine schlaue Entscheidung der Natur. Eine engere Beckenbreite stabilisiert den Beckenboden besser, was den Unterleib beim Gehen entlastet.




Literatur:

Alik Huseynov, Christoph P. E. Zollikofer, Walter Coudyzer, Dominic Gascho, Christian Kellenberger,
Ricarda Hinzpeter, Marcia S. Ponce de León. Developmental evidence for obstetric adaptation of
the human female pelvis. PNAS, April 25, 2016, doi: 10.1073/pnas.1517085113.

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