Montag, Februar 26, 2024

Kabelloser Herzschrittmacher als innovative Behandlungsoption

Ein neuer, kabelloser Herzschrittmacher wird minimalinvasiv über die Leiste in die Herzkammer eingeführt – geeignet für Patienten, bei denen nur eine Herzkammer stimuliert werden muss.

Ein neues Verfahren der Herzmedizin, das erst in wenigen deutschen Kliniken technisch angewendet werden kann, bietet einen neuen Ansatz. Nun hat ein Kardiologen-Team – um den Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin II – erstmals einem Patienten einen kabellosen Herzschrittmacher eingesetzt. Dieser neue, viel kleiner Herzschrittmacher wird minimalinvasiv über die Leiste in die Herzkammer eingeführt und eignet sich für Patienten, bei denen nur eine Herzkammer stimuliert werden muss.

Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer und Prof. Dr. Jochen Wöhrle © Universitätsklinikum Ulm
Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer und Prof. Dr. Jochen Wöhrle © Universitätsklinikum Ulm

Innovative Behandlungsoption

„Es gibt Patienten, für die selbst eine Schrittmacher-Operation wegen weiterer Erkrankungen ein sehr hohes Risiko bedeutet. Für diese ausgewählten Patienten ist das neue Verfahren ohne Schrittmacher-Kabel eine innovative Behandlungsoption“, erläutert Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin II.

Dabei wird die Herzschrittmacher-Kapsel in der Leiste über die Hohlvene in die Herzkammer geführt und dort mit winzigen Titanärmchen in der Herzwand verankert. „Die Kapsel enthält eine Batterie, misst die Herzaktivität – auch abhängig von der körperlichen Betätigung – und sendet bei Bedarf über einen winzigen Pol ihr elektrisches Signal, das das Herz zum Schlagen anregt“, beschreibt Ludwig Gerhard Binner, Oberarzt und Leiter der Herzschrittmacher-Ambulanz, den Vorgang.

Bei herkömmlichen Herzschrittmachern wird ein Aggregat operativ in die Brustwandtasche eingenäht, das über ein Kabel die notwendigen elektrischen Impulse an eine Sonde in der Herzwand schickt. Bei der neuen Technik ist weder die Operation noch das Verlegen von Schrittmacher-Kabeln notwendig. Allerdings ist diese Behandlung noch keine Standardtherapie und wird daher derzeit im Regelfall nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Eine jetzt veröffentlichte Studie der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine mit mehr als 700 Patienten zeigt, dass die Sicherheit und die Stabilisierung der Herzfrequenz bei der Kardiokapsel genauso gut sind wie bei herkömmlichen Schrittmachern (DOI:10.1056/NEJMoa1511643). Ein Vorteil des neuen Verfahrens ist, das sich im Körper weniger infektionsanfälliges Material befindet. „Bis man gute Langzeitdaten zu dem neuen Verfahren hat, wird noch einige Zeit vergehen. Wir blicken hier aber in die Zukunft der Herzschrittmacher. Eines Tages wird man sicherlich auch Erkrankungen einer Herzkammer und des Herzvorhofs mit solch kleinen Schrittmachern therapieren können“, so Professor Rottbauer. Dann wird sich auch zeigen, welche Verfahren sich als Standardtherapien etablieren.

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