Freitag, April 19, 2024

Überlegungen zur Grundausstattung einer Reiseapotheke

Eine Reiseapotheke mit einer Grundausstattung gegen häufige gesundheitliche Beschwerden gehört in jede Reisetasche – auch wenn Sie diese im Idealfall wieder ungeöffnet nach Hause zurückbringen.

Die zunehmende interkulturelle Informationsvernetzung mittels verschiedener Medien macht unsere Welt für den Interessierten merklich einsehbarer und beflügelt die Lust aufs Reisen. Bereits in der Planungsphase empfehlen sich erprobte Strategien um das Erkrankungsrisiko zu minimieren und ein persönliches Sicherheitsnetz aufzubauen. Wichtig dafür ist eine klare Destinationsvorgabe im geographischen und zeitlichen Bezug sowie die Art des geplanten Reisestils. Beratende Ärztin oder Arzt oder ApothekerIn werden endemisch vorkommende Erkrankungen in ihrem aktuellen Kontext erfassen, Aufklärung über Erreger und biologische Zyklen geben und daraus sich ableitende Empfehlungen für eine überlegte Expositionsprophylaxe erstellen. Besonnenes Verhalten in fremder Umgebung (z.B. „peel it, cook it or forget it“, Auftragen von Repellentien während der Dämmerung, Moskitonetz in der Nacht, angepasste Bekleidung, etc.) sowie eine gut sortierte Reiseapotheke für den Fall der Fälle sind Grundvoraussetzungen für eine gezielte Risikominimierung.

 

Die Reiseapotheke

Das Zusammenstellen der Reiseapotheke ist eine gute Gelegenheit die zu Hause vorhandenen Reserven auf ihre Haltbarkeit und Eignung sowie das Vorhandensein des Beipacktextes zu durchforsten. Nicht nur das Haltbarkeitsdatum ist ausschlaggebend (dieses ist bei Flüssigkeiten und Salben nur bei ungeöffneten Packungen gültig!), sondern auch Verpackungsbeschädigungen können die Wirksamkeit zunichte machen. Bei Reisen in warme Länder müssen die Lagerungshinweise für Medikamente besonders beachtet werden.

Grundsätzlich gilt: keine Experimente mit unbekannten Medikamenten. Verlassen Sie sich auf die vertrauten Mittel, deren Anwendung und Dosierung Ihnen bekannt sind. Auch in unmittelbaren Nachbarländern kann unter Umständen IHR Medikament nicht erhältlich sein, sondern nur eines mit gleichem oder ähnlichem Wirkstoff, aber möglicherweise anderen Nebenwirkungen. Je exotischer das Reiseziel, desto unsicherer die Versorgung. Oft sind hier noch Mittel gebräuchlich, die bei uns nicht mehr zugelassen sind. Achten Sie auf die ausreichende Mitnahme etwaiger Dauermedikamente. Eine Aufteilung ins Handgepäck ist sinnvoll.

Achtung: Größere Zeitverschiebungen stören unter Umständen den Einnahme-Rhythmus, welcher die Wirkung mancher Medikamente verändern kann – bekannte Beispiele: die Pille, Cortisonpräparate, Antihypertensiva.


Standardausstattung der Reiseapotheke

  • Fieberthermometer, spitze Pinzette, Schere

  • verschieden große Pflaster, Wundkompressen, Mullbinden und selbsthaftende, elastische Fixierbinden

  • Haut- /Schleimhautdesinfektionsmittel

  • Repellentien

  • Sonnenschutz

  • Ohropax sowohl für Wind- als auch für Geräuschschutz

  • Medikamentöse Grundausstattung

  • Durchfallmedikamente: ein Mittel, das die Darmtätigkeit harmonisiert, ein Mittel, das die Darmflora wieder aufbaut

  • Orale Rehydrierungslösungsgranulate

  • schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente. (Kein Aspirin in Regionen, in denen hämorrhagische Fieber vorkommen!)

  • Mittel gegen Erbrechen und Reisekrankheit

  • Nasentropfen, sie helfen auch im Flieger beim Druckausgleich – darum: immer im Handgepäck mitnehmen!

  • Mittel gegen Allergien zum Einnehmen und Auftragen

  • eine Wund- und Heilsalbe

  • eine beruhigende Pflege gegen Sonnenbrand

  • mindestens ein Breitbandantibiotikum nach Absprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sowie antibiotische Augen- und Ohrentropfen

  • lokale Antimykotika

Die Reiseapotheke für Kinder sieht ähnlich aus, muss aber in der Wahl der Medikamente auf das Alter des Kindes abgestimmt sein. Auf ausreichenden Sonnenschutz muss bei Kindern besonders Bedacht genommen werden! Verwenden Sie eine wasserfeste Sonnencreme etwa eine Stunde vor dem Baden. Vergessen Sie nicht auf Schutz für die Lippen. Säuglinge im 1. Lebensjahr nicht der direkten Sonne aussetzen, schützen Sie das Kind mit einem Sonnenschirm und Sonnenhut und einem hohem Lichtschutzfaktor. Vermeiden Sie die Mittagssonne!

Alle Beipacktexte mitführen!


Impfprophylaxe

Als Basisprogramm: die Aktualisierung von Polio, Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Typhus, Hepatitis A und B. In Abhängigkeit von individuellen Reiseparametern: Gelbfieber-, Meningokokkenmeningitis-, Japan-B-Enzephalitis-, FSME-, Pneumokokken-, Influenza-, Cholera- oder Tollwutimpfung.

 

Chemoprophylaxe (beispielsweise gegen Malaria)

Trotz gewissenhaftester Vorbereitung verbleibt ein Restrisiko einer Gesundheitsbeeinträchtigung bestehen, insbesondere in tropischen Regionen. Ist man am ersehnten Ziel angekommen, so lauert eine Vielzahl von Krankheitserregern auf den Neuankömmling. Mangelnde Hygiene in anderen klimatischen Verhältnissen führen häufig zur bakteriellen oder viralen Reisediarrhoe; Amöbenzysten, Wurmeier sind weit verbreitet. Heerscharen von Moskitos und andere Krankheitsübetrrägern  begleiten den beeindruckenden Sonnenuntergang. Anders als bei uns, können sie Malariaplasmodien, Mikrofilarien, Leishmanien, Trypanosomen und eine große Anzahl verschiedenster Viren übertragen. Der Aufenthalt nimmt plötzlich einen unvorhergesehenen Verlauf. Bleibende Gesundheitsschäden oder gar lebensbedrohliche Zustände treten manchmal erst zeitversetzt im Heimatland auf. Folglich gilt auch für alle Heimkehrer: Bei gesundheitlichen Problemen holen Sie sich ärztlichen Rat.

Related Articles

Aktuell

Zirkulierende Tumorzellen beim kleinzelligen Lungenkarzinom kultivieren

Wichtig zur Klärung der Metastasierung: Forscher gelang es, zirkulierende Tumorzellen beim kleinzelligen Lungenkarzinom zu kultivieren. Die Forschung zum kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC), einer besonders aggressiven Form...
- Advertisement -

Latest Articles

Individuelle Beratung zur Ernährung für Krebspatienten

Beratung zur Ernährung für Krebspatienten: Verbesserung der Lebensqualität durch individuelle ernährungsmedizinische Unterstützung. Eine rechtzeitige und individuell angepasste Beratung zur Ernährung kann wesentlich zur Verbesserung der...

Warum HIV trotz Kombinationstherapie höchst aktiv sind

Neue Herausforderungen in der HIV-Behandlung sind, dass aktive HI-Viren trotz Kombinationstherapie weiterhin aktiv bleiben. Die HIV-Kombinationstherapie, eingeführt in den 1990er Jahren, gilt als Meilenstein in...

Partnerschaft mit Diabetes-Patienten: auch die Partner profitieren von Einbeziehung

Den Partner in die Diabetes-Behandlung zu integrieren, verbessert die Partnerschaft und das gemeinsame Wohlbefinden. Diabetes Typ-2 stellt nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für...