Rheumatologen tagen in Frankfurt: Mehr Forschung für Rheuma gefordert

Durch moderne Behandlungsstrategien bleiben immer öfter Betroffene mit Rheuma beschwerdefrei. © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com

Durch moderne Behandlungsstrategien bleiben immer öfter Betroffene mit Rheuma beschwerdefrei. © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com

Rheumatologen tagen am 44. Kongress der DGRh, der 30. Jahrestagung der DGORh und der der 26. Jahrestagung der GKJR vom 31. August bis 3. September 2016 in Frankfurt am Main.

Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung haben oft viele Arztbesuche hinter sich, bevor sie die Ursachen ihrer Beschwerden erfahren. Eine späte Diagnose erschwert die Therapie und es fehlt an wirksamen Medikamenten. Am 44. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) stellen Rheumatologen seltene und wenig erforschte Rheumaleiden in den Vordergrund und fordern dazu auf, die Forschung zu diesen Erkrankungen nachhaltig zu intensivieren.

Rheumatologen vom 31. August bis 3. September 2016 in Frankfurt am Main

Die Tagung findet vom 31. August bis 3. September 2016 in Frankfurt am Main statt. Dort diskutieren Rheumatologen über aktuelle Erkenntnisse in der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen. Die Experten erläutern auch, wie Menschen mit Rheuma ihren Kinderwunsch verwirklichen können und wie Kinder mit Rheuma mit den wenigen zugelassenen Medikamenten wirksam behandelt werden.

„Trotz großer Erfolge in der Medikation ist bei seltenen rheumatischen Krankheiten das Therapiespektrum immer noch eingeschränkt und vorhandene Medikamente lindern das Leiden der Patienten langfristig nicht immer so, wie wir uns das wünschen“, erläutert Professor Dr. med. Ulf Müller-Ladner, DGRh-Tagungspräsident. „Wir sind daher auf neue Forschungsergebnisse angewiesen, die weitere Erkenntnisse über Erkrankungen und idealerweise neue Medikamente auf den Markt bringen“, so der Direktor der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Kerckhoff-Klinik, Bad Nauheim. Denn ohne wirksame und frühzeitige Behandlung drohen Rheumapatienten dauerhafte Schmerzen, Folgeschäden, verminderte Lebensqualität und auch eine kürzere Lebenserwartung. Der diesjährige Kongress der Rheumatologen zielt deshalb darauf ab, frühe Diagnosen zu sichern und wirksame Therapien zügig anzuwenden.

Für Kinder mit Rheuma gilt dies im Besonderen: „Offiziell zugelassene Medikamente für rheumatisch erkrankte Kinder gibt es in wachsender Zahl, oft müssen wir aber den mühsamen „off-label“ Weg beschreiten und Präparate einsetzen, die nicht zugelassen sind, um den Kindern überhaupt helfen zu können“, beschreibt Dr. med. Christoph Rietschel, Tagungspräsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) die Situation. Auch hier seien dringend aussagekräftige wissenschaftliche Ergebnisse gefordert, um eine baldige Zulassungserweiterung zu erreichen.

„Ein großes Defizit ist zudem, dass in Deutschland internistische Rheumatologen fehlen“, meint Professor Müller-Ladner. Weniger als 1000 sind an der vertragsärztlichen Versorgung beteiligt, mehr als 600 würden zusätzlich gebraucht, um eine zeit- und ortsnahe Versorgung von Patienten gewährleisten zu können. Viele Patienten durchlebten deshalb eine oft jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt. Die späte Diagnose wiederum erschwert die Therapie. Und sie kostet Zeit, während der Gelenke und innere Organe Schaden nehmen, weil bereits entzündlich-rheumatische Vorgänge im gesamten Körper ablaufen.

Durch einen konsequenten, frühen Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten kann zum Beispiel die Herzinfarkt- und Schlaganfallrate von Rheumapatienten um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. „Einen weiteren Fokus haben wir daher auf die Behandlung von schwer zerstörten Gelenken gelegt“, verweist Professor Dr. Stefan Rehart, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) auf das Kongressprogramm. „Es gilt, für jeden Patienten die für ihn angepasste individuelle Kombination aus medikamentöser und operativer Therapie zu finden“, sagt der Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt.

Darüber hinaus informieren Experten in Frankfurt über neue Erkenntnisse zu rheumatologischen Erkrankungen, neuen Therapieoptionen und darüber, wie Rheumapatienten ihre Familienplanung und Lebensstiländerung erfolgreich umsetzen können. Durch die neuen Erkenntnisse kann inzwischen auch für viele Rheumapatienten eine normale Familienplanung ermöglicht werden. Hierzu trägt vor allem das neue Schwangerschaftsregister „Rhekiss“ bei, das ebenfalls auf dem Kongress vorgestellt wird.

Eine weitere Besonderheit ist ein Partnerschaftssymposium zum internationalen Austausch von Ideen. Gastland des Frankfurter Kongresses ist Portugal, vertreten durch den Präsidenten der portugiesischen Rheumatologengesellschaft Professor Joao Fonseca. Der Kongress steht unter dem Motto „Kurze Wege – mehr Zeit für Information und Kommunikation“.

Der Kongress wendet sich nicht nur an Ärzte und Wissenschaftler: Am 3. September 2016 bietet die Hessische Rheumaliga eine überregionale Veranstaltung speziell für Patienten, Angehörige und Interessierte in Bad Nauheim an. Dort geht es unter der Leitung von Herrn Professor Dr. med. Uwe Lange, dem stellvertretenden Direktor der Rheumatologie und Leiter des Bereichs Physikalische Medizin und Osteologie an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim, um neue (schmerz-)therapeutische Ansätze bei Rheuma und aktuelle Studien in der physikalischen Therapie. Detaillierte Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage der hessischen Rheuma-Liga.

www.dgrh-kongress.de

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