Peitschenschlagsyndrom, Schleudertrauma, und Langzeitfolgen

Ein Schleudertrauma, das Peitschenschlagsyndrom oder Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule, tritt häufig bei der Einstellung von Beschleunigungs-Verzögerungs-Auswirkungen nach Kraftfahrzeugunfällen auf. Es können aber auch andere Mechanismen dafür verantwortlich sein. © adike / shutterstock.com

Ein Schleudertrauma, das Peitschenschlagsyndrom oder Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule, tritt häufig bei der Einstellung von Beschleunigungs-Verzögerungs-Auswirkungen nach Kraftfahrzeugunfällen auf. Es können aber auch andere Mechanismen dafür verantwortlich sein. © adike / shutterstock.com

Spätfolgen nach Peitschenschlagsyndrom, Schleudertrauma, kann man gut voraussagen, wenn man Patienten kurz nach dem Unfall Risikogruppen zuordnet.

Das Schleudertrauma oder Peitschenschlagsyndrom – meistens durch heftigen Sturz oder Auffahrunfall verursacht – ist eine Weichteilverletzung der Halswirbelsäule. Und die kann den ganzen Körper beeinträchtigen. Am häufigsten kommt es zu Schmerzen im Nacken, Schwindel und Kopfschmerzen. Da das Bindegewebe des Menschen eine Art Merkfunktion hat, kann ein Peitschenschlagsyndrom sehr langfristige Beschwerden bringen. Von besonderer Bedeutung ist, dass der Arzt mögliche Schleudertrauma-Spätfolgen bereits kurz nach dem Unfall antizipiert. Jüngst zeigten Akupunktur-Behandlungen bei Peitschenschlagsyndrom, Schleudertrauma, gute Ergebnisse.

Patienten mit Peitschenschlagsyndrom in Risikogruppen einteilen

Ein Peitschenschlagsyndrom oder Schleudertrauma kann neben den erwähnten chronischen Schmerzen aber auch neurologische Beschwerden verursachen. Wobei diese dann hartnäckig über viele Jahre bestehen bleiben können.

Unter dem Strich kann man jedenfalls durch die Risikogruppen-Zuordnung kurz nach dem Unfall besonders gefährdete Personen für ein Peitschenschlagsyndrom identifizieren.

Schleudertrauma-assoziierte Störungen führen zu Funktionsstörungen und Symptomen des Bewegungsapparates. Dazu gehören statische und funktionelle Nackenschmerzen und Steifheit sowie Schmerzen in der Schulter und den Extremitäten. Weiter kann es zu Müdigkeit, Schwindel, Tinnitus, Schlafstörungen, neurokognitiven Störungen, Reizbarkeit, Stimmungsstörungen sowie Sehstörungen kommen. Zudem treten oft auch Parästhesien mit Kribbeln, Ameisenlaufen, Prickeln oder Juckreiz auf.

Mehr als 70% der betroffenen Patienten berichten über Schwindel und 50% leiden an von Seh- und Gleichgewichtsstörungen, auch wenn keine traumatische Hirnverletzung vorliegt.

Schleudertrauma Spätfolgen

Die Spätfolgen nach einem Peitschenschlagsyndrom oder Schleudertrauma wirken sich übrigens körperlich sowie auch psychosozial aus. Das zeigte unlängst eine Studie der dänischen „Whiplash Study Group“.

Die Forscher um Studienautor Dr. M.K. Rasmusen von der Universität Aarhus (Stadt in Dänemark an der Ostküste der Halbinsel Jütland) hatten schon vor Jahren ein System entwickelt, um Patienten in Risikogruppen einzuteilen. Unter dem Strich konnten die Wissenschaftler damit nachweisen, dass ein Risikobewertungswert zigen kann, ob Betroffene nach einem Jahr wieder arbeitsfähig sein werden oder nicht. Auch mögliche Langzeitfolgen lassen sich abschätzen. Eine rezente Aktualisierung soll helfen, eine tägliche oder wöchentliche Schleudertrauma-Behinderung nach 12 bis 14 Jahren vorherzusagen.

Für die Studie wurden 326 Personen befragt, die vor zwölf bis 14 Jahren ein Schleudertrauma erlitten hatten. Die Forscher erhoben chronische Schmerzen und andere, nichtschmerzhafte Beschwerden. Weiter verschriebene Schmerzmittel sowie nichtmedizinische Behandlungen, auch im Vergleich zur Zeit vor dem Unfall. Außerdem hat man Krankenstände ebenso einbezogen wie die subjektive Einschätzung der Betroffenen, was die Auswirkungen des Unfalls betrifft.

Nach über einem Jahrzehnt waren jene Patienten am stärksten belastet, die bereits kurz nach dem Unfall der höchsten Risikogruppen zugeteilt worden waren. Konkret litten sie deutlich häufiger unter Schmerzen an Nacken, Kopf, Schultern und Armen sowie im unteren Rückenbereich. Auch kamen verschiedene nicht-schmerzhafte neurologische Symptomen bei ihnen öfter vor. Sie nahmen auch häufiger Schmerzmittel ein – von leichten Analgetika bis zu starken Opioiden, und hatten vermehrt mit posttraumatischen Stress-Symptomen zu kämpfen.



 

Faktoren für die Einteilung in Risikogruppen

Um die Unfallpatienten mit Peitschenschlagsyndrom in Risikogruppen einteilen zu können, ist jedenfalls eine klinische Untersuchung innerhalb von vier Tage nach dem Unfall nötig. Im Grunde genommen bewerten die Ärztinnen und Ärzte dabei folgende Faktoren:

Insbesondere starke Nackenschmerzen, Kopfschmerzen sowie eine negative seelische Verfassung der Patienten sind wichtige Indikatoren, um zu beurteilen, ob jemand nach einem Schleudertrauma wieder arbeitsunfähig wird. In vorhergehenden Studien konnten Forscher jedenfalls schon feststellen, dass in Risikogruppe 1 weniger als vier Prozent der Betroffenen ein Jahr nach dem Unfall arbeitsunfähig waren. Hingegen waren es in der höchsten Risikogruppe 7 mit 7,68 Prozent etwa doppelt so viele.

Intensive Akupunktur-Behandlung mit Shiatsu-DoIn-Übungen (MSAT) ist wirksam bei Patienten mit akutem Schleudertrauma

In einer rezenten randomisierten, kontrollierten Studie wollten Forscher bei Patienten mit Schleudertrauma die Wirkungen und die Sicherheit einer Akupunktur-Behandlung in Kombination mit Shiatsu-DoIn-Übungen (MSAT) untersuchen. Und zwar im Zusammenhang mit der Verringerung der Schmerzen sowue der Verbesserung der Funktionen.

97 Patienten mit zervikalen Schmerzen, die aufgrund einer akuten Schleudertrauma-Verletzung in das Bucheon Jaseng Hospital für Koreanische Medizin in Südkorea eingeliefert wurden, erhielten eine integrative koreanische Behandlung der SChmerzen. Und zwar entweder mit zusätzlicher Akupunktur-Behandlung in Kombination mit Shiatsu-DoIn-Übungen (MSAT-Gruppe 48 Patienten) oder ohne (in der Kontrollgruppe mit 49 Patienten).



Zudem erhielten alle Patienten eine zusätzliche 3-tägige Akupunktur-Behandlung in Kombination mit Shiatsu-DoIn-Übungen während des Krankenhausaufenthaltes. Der Zeitraum der stationären Aufnahme betrug 5 bis 14 Tage. Die Nachbeobachtung, Follow-up, erfolgte 90 Tage lang.

Es zeigte sich, dass die Akupunktur und Shiatsu-DoIn-Übungen (MSAT) bei Patienten mit Peitschenschlagsyndrom, Schleudertrauma, besser wirksam ist als schulmedizinische Therapien ohne MSAT. Und zwar, um die Schmerzen zu lindern und die Funktionalität sowie die Langzeitfolgen zu verbessern.




Literatur:

Rasmussen MK, Kongsted A, Carstensen T, Jensen TS, Kasch H. Revisiting Risk Stratified Whiplash Exposed Subjects 12-14 years after Injury. Clin J Pain. 2020 Aug 20. doi: 10.1097/AJP.0000000000000877. Epub ahead of print. PMID: 32826406.

Boo M, Matheson G, Lumba-Brown A. Smooth Pursuit Eye-Movement Abnormalities Associated With Cervical Spine Whiplash: A Scientific Review and Case Report. Cureus. 2020 Aug 19;12(8):e9872. doi: 10.7759/cureus.9872. PMID: 32963912; PMCID: PMC7500708.

Kim D, Park KS, Lee JH, et al. Intensive Motion Style Acupuncture Treatment (MSAT) Is Effective for Patients with Acute Whiplash Injury: A Randomized Controlled Trial. J Clin Med. 2020;9(7):E2079. Published 2020 Jul 2. doi:10.3390/jcm9072079

Kasch H, Kongsted A, Qerama E, et al. A new stratified risk assessment tool for whiplash injuries developed from a prospective observational study. BMJ Open 2013;3:e002050; EAN 2016

M. Rasmussen; T. Jensen; H. Kasch. Risk assessment within 4 days after whiplash injury identifies long-term painful and non-painful neurologic disability. A twelve-year prospective study.: O2120. European Journal of Neurology. 23():73–74, JUNE 2016

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