Open Science: wissenschaftliche Information transparent und nachnutzbar machen

Life Science © Comaniciu Dan / shutterstock.com

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In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das wissenschaftliche Publikationswesen rasant digitalisiert. Aktuell ist der wichtigste Trend „Open Science“ – also der Versuch, Wissenschaft transparent und nachnutzbar zu machen. Dieser Vortrag wird sich mit zwei Themen beschäftigen: Erstens, was ist Open Science und was bedeutet diese Entwicklung für die Disseminierung wissenschaftlicher Information? Und zweitens, wie ändern sich dadurch die Angebote der Verlage sowie die Erwartungshaltung wissenschaftlicher Einrichtungen?

Open Science ist ein Sammelbegriff, der eine Reihe von Praxen beschreibt, die grob in fünf verschiedene Säulen verteilt werden können:

(i) Open Access, also der offene Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen;

(ii) Open Data, der Zugang zu den strukturierten Forschungsdaten eines Projektes;

(iii) Open Metrics, ein Begriff, der die Verfügbarkeit von Indikatoren zur Entscheidungsfindung in der Forschungspraxis beschreibt;

(iv) Research Integrity and Reproducibility, also dass Forschungsergebnisse auffindbar, zitierfähig, nachvollziehbar und reproduzierbar sind; und

(v), Science and Society, also Open Science als offener Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die erste Säule wird uns hier beschäftigen, also der offene Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Aber wie? Die Antwort ist nicht singulär, sondern besteht aus verschiedenen Herangehensweisen, die nebeneinander das gleiche Ziel verfolgen. Sie werden in der Regel als Farben beschrieben: Es gibt den „grünen“ Weg, der aus einem Embargo besteht. Ein Beitrag wird also „traditionell“ im Subskriptionsmodell veröffentlicht und der Verlag schaltet nach einer gewissen Embargofrist – meist um die zwölf Monate – die Publikation öffentlich zugänglich. Dann gibt es den „goldenen“ Weg, bei dem ein Beitrag durch die Vorauszahlung eines sogenannten APC (Article Publishing Charge) sofort öffentlich zugänglich gemacht wird. Zuletzt und nicht ganz so weit verbreitet ist der „diamantene“ Weg, bei dem eine Einrichtung und/oder die Editoren selber die Kosten des Publizierens tragen und so weder für den Leser noch für den Autor Kosten entstehen. Diese Unterschiede sind auch auf Journalebene relevant, da man auch hier zwischen sogenannten „goldenen“ Open-Access-Journalen, in denen alle Beiträge offen verfügbar sind, und „hybriden“ Journalen unterscheidet, in denen „offene“ Beiträge neben anderen nur für Subskribenten zur Verfügung stehenden Beiträgen zu finden sind.

Diese „Farben“ werden international sehr unterschiedlich angewandt: In Europa dominiert der „goldene“ Weg. Der Ansatz einiger europäischer Forschungsfördereinrichtungen im sogenannten „Plan S“ geht in diese Richtung sowie auch das in Deutschland angesiedelte „Projekt DEAL“ – somit verschieben sich die Kosten des Publizierens vom Leser zum Autor beziehungsweise von den lesenden zu den publizierenden Einrichtungen. In den USA dominiert wiederum der „grüne“ Weg, während große Teile des Publikationswesens in Südamerika durch den „Diamantenweg“ gekennzeichnet sind.


Quelle:

REFERENTENSTATEMENT » Entwicklungen von Wissenschaftspublikationen.« Dr. Max Vögler, Vice President Global Strategic Networks – DACH, Elsevier, Berlin

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