Mögliche Ursache von Depression wichtig für Diagnostik und Therapie

Forscher gehen davon aus, dass es sich bei der verminderten synaptischen Plastizität um eine Ursache von Depression handelt und nicht nur um eine Folge.

Forscher gehen davon aus, dass es sich bei der verminderten synaptischen Plastizität um eine Ursache von Depression handelt und nicht nur um eine Folge.

Wichtig für Diagnostik und Therapie entdeckten Forscher, dass eine mangelhafte Neuvernetzung des Gehirns eine mögliche Ursache von Depression sein könnte .

Millionen Menschen leiden in unseren Breiten aktuell an einer Depression. Warum die Erkrankung meist in Schüben auftritt (depressive Episoden) ist bislang unbekannt. Zur Ursache von Depression konnte die Forschung zeigen, dass sich Nervenzellen im Gehirn während der depressiven Episoden langsamer neu vernetzen. Und damit kann sich das Gehirn schlechter an neue Reize anpassen. Mit dieser als synaptische Plastizität bezeichneten verminderten Anpassungsfähigkeit lassen sich viele Symptome einer Depression erklären. Die Erkenntnisse zu dieser möglichen Ursache von Depression könnten die gezielte Suche nach neuen Therapien ermöglichen. Weitere Entwicklungen könnten den Grundstein für eine objektivere Depressions-Diagnostik legen.

Depressionen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sehr viele Menschen erleiden mindestens einmal im Leben eine depressive Episode. Die kann dann Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten.

 

Gehirnveränderung auf depressive Episode begrenzt

Im Fokus der Forschung steht hierzu, wie gut das Gehirn die Übertragung zwischen Nervenzellen an neue Reize anpassen kann. Dieser Vorgang wird als synaptische Plastizität bezeichnet. Er ist schließlich die Grundlage von Lernen, Gedächtnisbildung und unserer Fähigkeit, sich an eine verändernde Umwelt anzupassen.

Um die synaptische Aktivität zu ermitteln, untersuchten die Forschende in einer rezenten Untersuchung je 27 gesunde und depressive Personen. Sie reizten mit Hilfe einer Magnetspule über dem Kopf der Probanden ein bestimmtes motorisches Areal im Gehirn, das für die Steuerung eines Daumenmuskels zuständig ist. Dann maßen sie, wie stark  der Daumenmuskel dadurch aktiviert wird.

Im zweiten Schritt kombinierten sie die Reizung mit einer wiederholten Stimulation eines Nervs am Arm, der Informationen ins Gehirn sendet. Hatte durch die Kopplung ein Lernvorgang in Form einer stärkeren Verknüpfung von Nervenzellen in der Gehirnrinde stattgefunden (synaptische Plastizität), war die Reaktion stärker als zu Beginn des Experiments. Der Versuchsaufbau ist für die Messung der synaptischen Plastizität bereits etabliert.

Tatsächlich wiesen die depressiven Probanden eine geminderte synaptische Plastizität auf als solche ohne eine depressive Episode. War die depressive Episode bei den erkrankten Probanden bei einer Folgemessung einige Wochen später jedoch abgeklungen, zeigten sie auch eine normale Hirnaktivität. Damit konnte eine messbare Veränderung im Gehirn gefunden werden, die zeitlich mit dem klinischen Zustand übereinstimmt.

 

Ursächlicher Zusammenhang bezüglich Ursache von Depression wahrscheinlich

Es scheint, dass es sich bei der verminderten synaptischen Plastizität um eine Ursache von Depression handelt. Mit anderen Worten nicht nur um eine Folge. Jedenfalls ist die synaptische Plastizität ein grundlegender Prozess im Gehirn. Veränderungen könnten daher einen Großteil der Symptome beziehungsweise der Ursache von Depression erklären.

Vorangegangene Untersuchungen an Tiermodellen und auch weitere Indizien beim Menschen sprechen für eine ursächliche Rolle. Neben Schlafentzug – einer etablierten Therapie der Depression – haben auch alle gängigen antidepressiv wirksamen Verfahren eine positive Wirkung auf die synaptische Plastizität. Und zwar einschließlich Medikamente, Elektrokrampftherapie sowie auch sportliche Betätigung,.

 

Ursache von Depression messen

Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien als zuverlässig erweisen, könnten sie auch zur weiteren Entwicklung für objektive Verfahren zur Stellung der Diagnose und Kontrolle der Therapie dienen. Bislang geschieht dies ausschließlich über ein persönliches Gespräch und durch den Ausschluss anderer Erkrankungen. Die Patienten sind schwer betroffen und oft extrem verunsichert. Es ist eine große Hilfe, wenn objektive Messverfahren zur Verfügung stehen, die zur Stellung der Diagnose und zur Planung der Behandlung beitragen könnten.

Eine Depression kann in jedem Alter auftreten, erstmalig am häufigsten zwischen 20 und 30 Jahren. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen, antriebs- und interesselos. Sie schlafen meist schlecht, ermüden schnell und sind oft unfähig, Gefühle zu empfinden.

Die Behandlung erfolgt gemäß Leitlinien psychotherapeutisch, bei schwerer depressiver Episode zusätzlich medikamentös. Insbesondere aufgrund eines häufigen Auftretens von Todesgedanken ist rasche professionelle Hilfe notwendig. Als Auslöser der Erkrankung wird eine Kombination erblicher, lebensgeschichtlicher und aktueller Belastungsfaktoren wie Stress diskutiert.


Literatur:

Kuhn M, Mainberger F, Feige B, et al. State-Dependent Partial Occlusion of Cortical LTP-Like Plasticity in Major Depression [published correction appears in Neuropsychopharmacology. 2016 Oct;41(11):2794]. Neuropsychopharmacology. 2016;41(6):1521-1529. doi:10.1038/npp.2015.310

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