Testosteron und kardio-metabolisches Syndrom bei Männern ab 50

Ein metabolisches Syndrom zeigt als Teilaspekt vermehrtes, viszerales Bauchfett, das Testosteron-Mangel zur Folge haben kann, wobei häufig Männer am 50 betroffen sind. © Bangkokhappiness / shutterstock.com

Ein metabolisches Syndrom zeigt als Teilaspekt vermehrtes, viszerales Bauchfett, das Testosteron-Mangel zur Folge haben kann, wobei häufig Männer am 50 betroffen sind. © Bangkokhappiness / shutterstock.com

Ein Mangel an Testosteron kann das Risiko für ein metabolisches Syndrom, abdominelle Adipositas sowie Diabetes Typ-2 bei alternden Männern ab 50 erhöhen.

Ein metabolisches Syndrom zeigt als Teilaspekt eine abdominelle Adipositas, die einen erheblichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt. Bei abdominelle Adipositas bildet sich vermehrt viszerales Bauchfett, das als eine Art Hormonfabrik nicht nur mit erhöhten Insulin- und Adipozytokin-Sekretionen einhergeht, sondern auch mit erniedrigten Tes­tosteronspiegeln. Das heisst, dass man vor allem auch bei alternden Männern mit metabolischem Syndrom ab 50 immer auch an einen Mangel an Testosteron denken sollte.



 

Metabolisches Syndrom erhöht Risiko für Hypogonadismus mit Mangel an Testosteron

Ursachen für den Testosteronmangel ist vermutlich der veränderte Stoffwechsel bei metabolischem Syndrom. Denn erhöhte Insulinausschüttung und Insulinresis­tenz vermindern die Bildung von Testosteron. Zudem bildet der Organismus durch eine erhöhte Leptinausschüttung und -resistenz des Zentralnervensystems im Hypothalamus weniger Gonadotropine, was wiederum einen Testosteronmangel begünstigt.

Für die medizinische Praxis bedeutet dies, dass bei Patienten mit metabolischem Syndrom ein eventueller Testosteronmangel beziehungsweise Hypogonadismus gegeben ist. Und umgekehrt sollten Ärzte in der Diagnose und Behandlung von Patienten mit Hypogonadismus berücksichtigen, dass möglicherweise auch ein metabolisches Syndrom vorliegt.

Das Risiko eines Hypogonadismus – der endokrinen Funktionsstörung der Hoden, die zu einem Mangel an Testosteron führt – ist laut Studienergebnissen bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms 2,6-fach erhöht, wobei die Testosteronwerte mit der Ausprägung des metabolischen Syndroms absinken. Höhere Testosteron- und SHBG-Spiegel sind direkt mit höherer Insulinsensitivität und indirekt mit dem metabolischen Syndrom assoziiert.

Im Grunde genommen gilt speziell das kardio-metabolische Syndrom als eines der großen Risiken vor allem für alternde Männer. Wobei niedrige Testosteronspiegel wiederum mit dem kardio-metabolische Syndroms in starkem Zusammenhang stehen.

Deswegen könnte die Gabe von Testosteron eine vorbeugende Rolle beim Fortschreiten des metabolischen Syndroms spielen. Zudem soll man damit auch einer möglichen Entwicklung von viszeralem Bauchfett, Diabetes Typ 2 schließlich auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirken können. Übrigens wird wahrscheinlich die Gesundheit alternder Männer ab 50 hauptsächlich durch endokrine und vaskuläre Mechanismen beeinträchtigt.

 

Mangel an Testosteron kann das Risiko für ein metabolisches Syndrom, abdominelle Adipositas sowie Typ-II-Diabetes erhöhen

Es gibt auch Hinweise, dass ein Mangel an Testosteron das Risiko von abdomineller Adipositas und metabolischem Syndrom sowie Typ-II-Diabetes erhöht. Niedrige Testosteron- und SHBG-Spiegel stellten sich in Studien als ein unabhängiger Parameter und Promotor für eine metabolische Störung heraus. Eine Gewichtsreduktion, also beziehungsweise der Abbau von Körperfett kann dazu beitragen, einem Testosteronmangel entgegenzuwirken.

Eine Vielzahl von Interventionsstudien zeigt auch den günstigen Einfluss einer Testosteron-Gabe. Und zwar nicht nur auf Bauchumfang und Fettmasse, sondern auch auf die Insulinsekretion und -sensitivität, das Lipidprofil sowie auf den Blutdruck.

Eine Testosterontherapie weist daher nicht nur zur Behandlung des Hypogonadismus sondern möglicherweise auch des metabolischen Syndroms ein großes Potenzial auf. Insbesondere in der Verlangsamung oder Stoppung der Progression zum Typ-II-Diabetes oder zu kardiovaskulären Erkrankungen.




Literatur:

Kirlangic OF, Yilmaz-Oral D, Kaya-Sezginer E, Toktanis G, Tezgelen AS, Sen E, Khanam A, Oztekin CV, Gur S. The Effects of Androgens on Cardiometabolic Syndrome: Current Therapeutic Concepts. Sex Med. 2020 Jun;8(2):132-155. doi: 10.1016/j.esxm.2020.02.006. Epub 2020 Mar 20. PMID: 32201216; PMCID: PMC7261691.

Salam R, Kshetrimayum AS, Keisam R. Testosterone and metabolic syndrome: The link. Indian J Endocrinol Metab. 2012 Mar;16 Suppl 1(Suppl1):S12-9. doi: 10.4103/2230-8210.94248. PMID: 22701831; PMCID: PMC3354945.


Quelle:

Testosteron und metabolisches  Syndrom. Univ.-Prof. Prim. Dr. Friedrich Hoppichler. MEDMIX 1-2/2008.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3354945/

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