Dienstag, Juli 16, 2024

Der Magenkeim Helicobacter pylori ist schwer zu bekämpfen

Er ist oft schuld an der Entstehung von Gastritis, Magen- sowie Zwölffingerdarmgeschwüren: es nicht einfach, den Magenkeim Helicobacter pylori erfolgreich zu bekämpfen.

Seit der Entdeckung von Helicobacter pylori im Jahr 1982 sorgt dieser Magenkeim, der die Magenschleimhaut besiedelt, für Diskussionen über die Entstehung von Magen-Darmerkrankungen. Aufgraund der bakteriellen Resistenz gegenüber einer Therapie mit Antibiotika ist die Behandlung eine große Herausforderung. Deswegen versucht man immer wieder neue Therapiealternativen zu finden, um den Helicobacter pylori erfolgreicher bekämpfen zu können. Auch an der Entwicklung von Impfstoffen arbeitet deswegen die Forschung, allerdings bislang mit wenig Erfolg.

 

Gastritiden, Ulcera duodeni und ventriculi

Früher hat man für die Entstehung von Magengeschwüren, den Zigarettenrauch, Alkohol, Schadstoffbelastung, Stress und seelische Probleme verantwortlich gemacht. Auch die fehlende Balance zwischen aggressiven und protektiven Elementen der Magenschleimhaut spielt allerdings eine Rolle.

Heutzutage vermutet man, dass der Magenkeim Helicobacter pylori (Hp) einer der Hauptverursacher bei der Entstehung von Gastritis ist. Dasselbe gilt für Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcera duodeni) sowie auch Magengeschwüre (Ulcera ventriculi). Auch bei der chronischen Laryngitis scheint das Bakterium Helicobacter pylori eine Rolle zu spielen. Das lassen die Ergebnisee von verschiedenen Untersuchungen vermuten.

Nach neueren Untersuchungen haben 90% aller Zwölffingerdarmgeschwüre und 80% der Magengeschwüre ihren Ausgangspunkt in Infektionen mit dem Magenkeim. Fast überall auf der Welt besteht zwischen der Häufigkeit der Hp-Infektionen und von Magenkrebs ein Zusammenhang.




Verursacht das Bakterium Helicobacter pylori Magenkrebs?

Helicobacter pylori kann Entzündungen, Geschwüre sowie Magenkrebs verursachen. © royaltystockphoto.com / shutterstock.com
Helicobacter pylori kann Entzündungen, Geschwüre sowie Magenkrebs verursachen. © royaltystockphoto.com / shutterstock.com

Wichtigster Risikofaktor: etwa neun von zehn Patienten mit Magenkrebs hatten zuvor eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Mehr dazu unter https://medmix.at/helicobacter-pylori-magenkrebs/


Magenschleimhautentzündung durch den Magenkeim Helicobacter pylori

Jede Infektion mit Helicobacter pylori löst eine ­Magenschleimhautentzündung aus. Von denen bleiben jedoch die meisten ohne Symptome. Die Gründe, warum ­einige Menschen nach Helicobacter-Infektionen erkranken und andere nicht, könnte an den Bakterienstämmen oder dem Säurestatus des Magens liegen.

Der Magenkeim ist im Grunde genommen resistent gegen die Magensäure, speziell bei niedriger Säureproduktion besiedelt Helicobacter pylori die Magenschleimhaut.

Durch bakterielle Aktivität, Entzündung und Apoptose verursacht Helicobacter pylori schwere Verletzungen der Magenschleimhaut. Eine progres­sive chronische atrophische Gastritis und intestinale Metaplasie verursachen ein drei- bis fünffaches Magenkarzinom-Risiko.

Noch intensiver ist der Zusammenhang zwischen intestinalen Metaplasien des Magens und Infektionen mit dem Helico­bacter pylori.

Die Einstufung des Magenkeims als definitives Karzinogen bleibt jedoch umstritten. Die Gründe für die Zweifel sind folgende:

  • Nur eine von 10.000 infizierten Personen entwickelt ein Magenkarzinom.
  • In manchen wenig entwickelten asiatischen und afrikanischen Ländern tritt das Magenkarzinom trotz hoher Hp-Durchseuchung nur selten auf.
  • Obwohl fast alle Ulcus ­duodeni-Patienten mit Hp infiziert sind, wird bei ihnen nur selten Magenkrebs diagnostiziert.
  • Männer entwickeln häufiger Magenkrebs als Frauen, obwohl beide ­Geschlechter gleich häufig von Hp befallen sind.

 

Kein Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist bekanntlich eine sehr weit verbreitete gastrointestinale Erkrankung. Schleimhautentzündungen und Reizmagen auf eine mögliche Helicobacter-Rolle schließen. Hierzu zeigten die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse allerdings, dass das vermutlich nicht der Fall ist.



 

Helicobacter pylori mittels Eradikationstherapie erfolgreich bekämpfen

Durch die Entfernung des Magenkeims mittels Eradikationstherapie kann man jedenfalls die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung lindern. Dasselbe gilt für Magen- und Zwöffingerdarmgeschwüre. Darüber hinaus kann in den meisten Fällen auch das Wiederauftreten von Geschwüren und die Entstehung von Magenkrebs verhindern werden.

Um aber mit der Eradikationstherapie den Helicobacter pylori erfolgreich bekämpfen zu können, erfordert das jedenfalls die konsequente Mitarbeit und die Geduld des Patienten. Denn er muss ja mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen. Dazu kommen derzeit zwei Varianten zum Einsatz. Standard ist erstens eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor.

Die Eradikationsrate einer Tripeltherapie brachte in einer aktuelle Studie in der 7-Tage-Behandlungsgruppe 63,6% und in der 10-Tage-Gruppe 90,9%. Levofloxacin-basierte Dreifachtherapien gelten aufgrund der verminderten Empfindlichkeit gegenüber Clarithromycin als Standardschema für die Eradikation von Helicobacter pylori (H. pylori), wobei die optimale Therapiedauer nach wie vor umstritten ist. Die Forscher setzten zur Dreifachtherapie Levofloxacin 500 mg / Tag plus Amoxicillin 1 g / 12 h plus Dexlansoprazol mit 60 mg / Tag. Alle Medikamente wurden entweder 7 Tage oder 10 Tage oral verabreicht. Vier Wochen nach der Behandlung wurde die Eradikation durch den Stuhlantigentest bewertet.

Zweitens gibt es eine Bismut-basierte Quadrupeltherapie mit vier Wirkstoffen (Vierfach-Therapie). Jüngste Studien zeigen, dass eine Allicin-haltige Quadrupeltherapie eine vielversprechende Alternative zur Bismut-haltigen Quadrupeltherapie bei der Eradikationstherapie des H. pylori darstellt. Wobei Bismut (auch Wismut) ebenfalls eine antimikrobielle Wirkung entfaltet und dadurch die Wirksamkeit einer dreifachen Helicobacter pylori-Therapie verbessern kann. Schließlich verbessert auch das Allicin als Zusatz zur konventionellen Dreifach-Therapie die Eradikation des H. pylori.


Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori nebst Antiobiotika

Magen © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com
Magen © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com

Im Grunde genommen empfehlen Experten eine Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori mit kombinierter Antibiotika-Gabe, um Komplikationen zu vermeiden. Mehr dazu unter https://medmix.at/helicobacter/


Literatur:

Elkhodary NM, Farrag KA, Elokaby AM, El-Hay Omran GA. Efficacy and safety of 7 days versus 10 days triple therapy based on levofloxacin-dexlansoprazole for eradication of Helicobacter pylori: A pilot randomized trial. Indian J Pharmacol. 2020 Sep-Oct;52(5):356-364. doi: 10.4103/ijp.IJP_364_19. PMID: 33283766.

Li H, Xia XJ, Zhang LF, et al. Comparative study of allicin-containing quadruple therapy vs. bismuth-containing quadruple therapy for the treatment of Helicobacter pylori infection. A prospective randomized study [published online ahead of print, 2020 Aug 14]. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2020;10.1097/MEG.0000000000001896. doi:10.1097/MEG.0000000000001896

Nirzar S. Parikh; Rajni Ahlawat. Helicobacter Pylori. StatPearls [Internet]. Last Update: August 10, 2020.

Ng QX, Foo NX, Loke W, Koh YQ, Seah VJM, Soh AYS, Yeo WS. Is there an association between Helicobacter pylori infection and irritable bowel syndrome? A meta-analysis. World J Gastroenterol. 2019 Oct 7;25(37):5702-5710. doi: 10.3748/wjg.v25.i37.5702.

de Brito BB, da Silva FAF, Soares AS, Pereira VA, Santos MLC, Sampaio MM, Neves PHM, de Melo FF. Pathogenesis and clinical management of Helicobacter pylori gastric infection. World J Gastroenterol. 2019 Oct 7;25(37):5578-5589. doi: 10.3748/wjg.v25.i37.5578.

Burucoa C, Axon A. Epidemiology of Helicobacter pylori infection. Helicobacter. 2017 Sep;22 Suppl 1. doi: 10.1111/hel.12403.


Quelle:

http://www.dgvs.de/leitlinien/helicobacter-pylori/

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