Depression und Demenz im Alter: gibt es die vaskuläre Depression?

Mitte der 1990er Jahre vermutete man, dass eine vaskuläre Depression existiert. Doch das scheint nicht so zu sein.

Mitte der 1990er Jahre vermutete man, dass eine vaskuläre Depression existiert. Doch das scheint nicht so zu sein.

Depression und Demenz sind Krankheitsbilder, die im Alter häufig auftreten, eine Sonderform der Depression soll die vaskuläre Depression sein.

Das Konzept, dass Arteriosklerose ein Risikofaktor für Depression sein könnte, haben Forscher erstmals 1995 publiziert. Die Hypothese gestützt auf zerebrale MRT-Aufnahmen besagte, dass zerebrovaskuläre Erkrankungen typischerweise bei Älteren Depressionen auslösen, verstärken oder aufrecht erhalten. Das Krankheitsbild wurde daraufhin einerseits durch vaskuläre zerebrale Läsionen in MRT-Aufnahmen bei depressiven Patienten und andererseits durch das Bestehen von zerebrovaskulären Risikofaktoren bei gleichzeitiger Depression definiert. Ein geringes Ansprechen auf eine Therapie mit Antidepressiva und ein erhöhtes Risiko für kognitive Störungen und Demenz galten als weitere Anzeichen für eine vaskuläre Depression. Übrigens zeigte eine rezente Studie eine vorteilhafte Wirkung durch Aerobic sowie körperlicher Bewegung.



Übrigens haben Forscher bei der Rekronstruktion der Medizinakte von Queen Viktoria – unter Berücksichtigung von Anzeichen für Demenz und Depression – festgestellt, dass die legendäre britische Königin anscheinend auch an einer vaskulären Depression gelitten hat.


Pseudodemenz – die maskierte Depression – von Alzheimer abgrenzen

Die Unterscheidung von Alzheimer und einer depressiven Pseudodemenz ist für Patienten im Sinne der Therapie essenziell.

Bei der Pseudodemenz tritt eine kognitive Leistungsschwäche deswegen auf, weil Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen durch die Depression bestehen. Mehr dazu unter https://medmix.at/pseudodemenz-die-maskierte-depression/


Vaskuläre Depression, Demenz und Erkrankungen der Blutgefäße

Zerebro-vaskuläre Erkrankungen, Depression und Demenz sind Krankheitsbilder, die im Alter häufig auftreten. Zahlreiche Wechselwirkungen dürften hier bestehen. Allerdings hat die Forschung den Unterschied vaskuläre Depression und Demenz bislang zu wenig untersucht.

Diese häufigsten gerontopsychiatrischen Erkrankungen sind schwer klinisch voneinander abzugrenzen beziehungsweise zu diagnostizieren. Besser untersucht ist das Auftreten von Depression nach Schlaganfall, wobei es dazu in etwa 40% der Fälle kommt.

Schließlich ist es schwierig zu beurteilen ist, ob vaskuläre Läsionen und Depressionen in direktem kausalen Zusammenhang stehen. Bedeutende Einflussfak­toren wie reduzierter Allgemein­zustand, Behinderung oder psychosoziale Beeinträchtigung könnten eine größere Rolle spielen.

Widersprüchliche Ergebnisse liefert die Studienlandschaft auch zum Zusammenhang zwischen einzelnen Insultlokalisationen, einzelnen psychischen Veränderungen und dem Auftreten von Depression.



 

Leichte vaskuläre Veränderungen

Unter dem Strich gibt es auch Untersuchungen zur Assoziation zwischen Depression und leichteren zerebrovaskulären Veränderungen im Rahmen von TIAs, kleinerer Schlaganfälle, oder bei Hyperintensitäten der weißen Substanz im MRT.

In einer Studie konnte beispielsweise kein Zusammenhang zwischen dem Risiko für zerebrovaskuläre Erkrankungen und leichten bis mittelschweren Depressionen gezeigt werden.

Diabetiker oder Hypertoniker müsste deutlich öfter an einer Depression leiden. Umgekehrt ergaben prospektive Untersuchungen aber einen Zusammenhang zwischen Depression und späterer zerebrovaskulärer Erkrankung.

 

Kein Hinweis auf die Existenz für eine vaskuläre Depression

In diesem Sinne beschäftigte sich weiland die Vienna Transdanube Aging (VITA)-Studie sehr mit der vaskulären Depression. Beziehungsweise mit vaskulären Risikofaktoren sowie vaskuläre Veränderungen im MRT. Dabei zeigten die Daten keinen Hinweis für eine vaskuläre Depression. Denn eine Spätdepression war bei Personen über 75 Jahren weder mit Hyperintensitäten der weißen Substanz oder Infarken im MRT noch mit zerebrovaskulären Risikofaktoren für eine Demenz verstärkt assoziiert.


Sport gegen Depressionen als sinnvolle Behandlung

Sport gegen Depressionen

Sehr wirksam jedenfalls ist Sport ist gegen Depressionen. Denn regelmässiger Sport kann eine gute Maßnahme sein, um depressive Symptome zu vermindern. Mehr dazu unter https://medmix.at/sport-gegen-depressionen/




Literatur:

Alexopoulos GS. Mechanisms and treatment of late-life depression. Transl Psychiatry. 2019;9(1):188. Published 2019 Aug 5. doi:10.1038/s41398-019-0514-6

Aizenstein HJ, Baskys A, Boldrini M, et al. Vascular depression consensus report – a critical update. BMC Med. 2016;14(1):161. Published 2016 Nov 3. doi:10.1186/s12916-016-0720-5

Abrams RC, Alexopoulos GS. Vascular depression and the death of Queen Victoria. Int J Geriatr Psychiatry. 2018 Dec;33(12):1556-1561. doi: 10.1002/gps.4984. Epub 2018 Oct 1.

Raič M. Depression and Heart Diseases: Leading Health Problems. Psychiatr Danub. 2017 Dec;29 Suppl 4(Suppl 4):770-777.

Luca M, Luca A. Oxidative Stress-Related Endothelial Damage in Vascular Depression and Vascular Cognitive Impairment. Beneficial Effects of Aerobic Physical Exercise. Oxid Med Cell Longev. 2019;2019:8067045. Published 2019 Dec 20. doi:10.1155/2019/8067045


Quellen:

Vaskuläre Depression. OA Dr. Michael Rainer. MEDMIX 7-8/2006

https://www.alzheimers.org.uk/about-dementia/types-dementia/vascular-dementia

Die mobile Version verlassen